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Lipid-Liga fordert mehr Prävention

02.11.1998  00:00 Uhr

-Medizin

Govi-Verlag

Lipid-Liga fordert mehr Prävention

Ein großer Teil der Risikofaktoren ist bekannt, andere sind umstritten. Seit zehn Jahren setzt sich die Lipid-Liga dafür ein, wissenschaftliche Erkenntnisse in Empfehlungen und Richtlinien zur Vermeidung von Herz-Kreislauferkrankungen umzusetzen.

Wenn in Deutschland die Prävention stärker gefördert würde, müßten weniger Menschen an den Folgen koronarer Herzkrankheiten (KHK) sterben. Durch gezielte Vorsorge und Vermeidung von Risikofaktoren könne die Wahrscheinlichkeit an KHK zu erkranken, deutlich gesenkt werden, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (Lipid-Liga), Professor Dr. Peter Schwandt, auf einem wissenschaftlichen Symposium zum zehnten Geburtstag der Lipid-Liga in Wiesbaden.

Mit dem aktuellen Stand der Prävention in Deutschland ist Schwandt nicht zufrieden. Obwohl es ausreichend Daten über den Nutzen von Vorbeugung gebe, stehe dafür in Deutschland kein Geld zur Verfügung. "Die Deutschen geben eine große Summe für die Prävention von Krieg aus, für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dagegen wesentlich weniger. Wahrscheinlich brauchen wir noch einmal 30 Studien, um unsere Forderungen durchzusetzen."

Ein anerkannter Risikofaktor ist das Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Cholesterol. Wie der Gießener Professor Dr. Hans Ulrich Klör ausführte, sei zumindest bei Risikopatienten die Senkung zu hoher LDL-Werte sinnvoll. Im Gegensatz zu älteren Studien belegten aktuelle Daten, daß Menschen mit einem LDL von über 190 mg/dl von einer Therapie mit CSE-Hemmern profitierten. Bei eindeutiger Familienanamnese sei bereits bei Werten oberhalb von 160 mg/dl eine Senkung sinnvoll.

Bei Menschen ohne weitere Risikofaktoren sollte der Zielwert einer Primärprophylaxe bei 155 mg/dl liegen. Bei positiver Familienanamnese sollte ein Wert um 130 erreicht werden, riet Klör. Bei der Sekundärprophylaxe empfiehlt der Gießener Mediziner einen Zielwert von 110 mg/dl.

Während beim LDL ein niedriger Wert anzustreben ist, muß der Wert des High-Density-Lipoprotein (HDL)-Cholesterol möglichst hoch sein. Bei Männern sollte der HDL über 35 mg/dl liegen bei Frauen über 42 mg/dl, sagte Dr. M. W. Baumstark, Sportmediziner an der Universitätsklinik Freiburg. Der Quotient LDL/HDL sei idealerweise kleiner als 4, in der Sekundärprävention sollte zwei angestrebt werden.

Positiv beeinflussen Fibrate und CSE-Hemmer die HDL-Konzentration. Doch auch durch eine Änderung des Lebensstils läßt sich der HDL-Wert korrigieren. So bewirke allein der Verzicht auf Zigaretten eine HDL-Steigerung um 4 bis 6 mg/dl. Ebenfalls positiv sei die Reduktion des Körpergewichtes und Sport, so Baumstark. Weiterhin sei fettarme und kohlenhydratreiche Kost sinnvoll. Auch die regelmäßige moderate Aufnahme von Alkohol erhöhe den HDL-Spiegel, so Baumstark.

Während der Einfluß von HDL und LDL auf die Entstehung von koronaren Herzkrankheiten mittlerweile recht gut erforscht sind, ist die Rolle des Lipoproteins (Lp) a noch weitgehend unbekannt. Das Molekül wurde bereits 1963 entdeckt, doch seine Funktion sei immer noch nicht aufgeklärt, sagte Professor Dr. Achim Weizel. Die Konzentration im Blut sei genetisch fixiert, sie lasse sich weder durch Ernährung noch durch den allgemeinen Lebensstil beeinflussen.

Da die Höhe des Lp-a-Wertes im Blut jedoch gut mit dem KHK-Risiko korreliert, haben sich Ärzte und Wissenschaftler auf einen Wert von 30mg/dl geeinigt, der nicht überschritten werden sollte. Dabei handele es sich jedoch lediglich um eine Vereinbarung, wissenschaftlich abgesichert sei der Wert nicht.

Theoretisch könne der Lp-a-Wert zwar medikamentös beeinflußt werden. Klinische Studien über den Nutzen einer medikamentösen Senkung gebe es nicht, da alle Lp-a-Senker nicht für eine prophylaktische Langzeittherapie geeignet seien. Zu den Mitteln, die den Lipoprotein-a-Wert senken, gehören Estrogene, Nikotinsäure, Neomycin und Tamoxifen.

PZ-Artikel von Daniel Rücker, Wiesbaden

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