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Isis Puren setzt auf Generika und Stammprodukte

03.11.1997  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Isis Puren setzt auf Generika und Stammprodukte

"Wir verstehen uns als Partner für Ärzte und Apotheker", erklärt Heinz-Jürgen Scholl, Geschäftsführer der Isis Puren Arzneimittel GmbH. "Im Osten sind wir bekannt." In Westdeutschland will das Zwickauer Unternehmen in Zukunft besonders im Generikabereich weitere Marktanteile gewinnen.

Die "nachgemachten Originale" sind seit 1994 zweites Standbein des Unternehmens. Mit mehr als 80 Präparaten aus zwölf Indikationsgebieten nimmt es Rang vier unter den deutschen Generika-Anbietern ein. Bis zum Jahr 2001 sollen 20 neue Präparate eingeführt werden. In diesem Jahr will das Unternehmen im Generikabereich einen Umsatz von 65 Millionen DM erreichen. Aufgrund des gestiegenen Kostenbewußtseins im Gesundheitswesen rechnet der Geschäftsführer mit weiteren Zuwachsraten. Der Erfolg der Isis Puren GmbH, die in diesem Jahr einen Umsatz von 100 Millionen DM anstrebt, gründet sich auf die mehr als 50jährige Firmengeschichte und die Produktion von Herz-Kreislauf-Präparaten.

Vom Kleinhersteller zum Pharma-Exportunternehmen

Der Chefchemiker Dr. Helmut Frömmel nutzte 1945 die wirtschaftlichen Chancen im Nachkriegsdeutschland und beantragte bei der sowjetischen Militäradministration in Sachsen eine Gewerbeerlaubnis zur Herstellung chemisch-pharmazeutischer Produkte. Die Verarbeitung des Wirkstoffs Nitroglycerin bildete in den folgenden Jahren die Ausgangsbasis für eine Reihe bekannter Herz-Kreislauf-Präparate und die Entwicklung des Unternehmens vom pharmazeutischen Kleinhersteller zum Exportunternehmen. Wichtigstes Produkt ist seit 1964 Pentalong. Bis heute gehört es bundesweit zu den meistverordneten Nitratpräparaten. Beta-Rezeptorenblocker und blutdrucksenkende Mittel (Obsidan, Disotat, Cerutil) folgten und waren besonders in osteuropäischen Ländern gefragt. Rußland, Rumänien und Bulgarien sind noch heute Hauptexportländer.

Bis 1958 wahrte die damalige Isis Chemie ihre Eigenständigkeit. Sie wurde dann zunächst in eine Kommanditgesellschaft mit staatlicher Beteiligung umgewandelt und erst 1972 vollständig enteignet. Aufgrund der Größe und Bedeutung als Exportfirma unterstand das Unternehmen der Vereinigung volkseigener Betriebe in Berlin. 1980 wurde es Teilbetrieb des damaligen VEB Arzneimittelwerks Dresden und zwei Jahre später wieder als eigenständiger Betrieb dem pharmazeutischen Kombinat Germed angegliedert. Nach der Reprivatisierung und Übernahme durch die Schwarz Pharma AG im Jahr 1991 wandelte sich die Isis Chemie zu einem rein pharmazeutischen Hersteller. Die seit Mitte der 50er Jahre existierende Syntheseabteilung wurde geschlossen. Seither bezieht das Unternehmen seine Rohstoffe aus ganz Europa. Schwerpunkt der Produktion ist neben Generika weiterhin das Herz-Kreislauf-Sortiment.

50 Millionen DM in Neubau investiert

Seit 1994 wird in einem Firmenneubau am Stadtrand von Zwickau nach GMP-Richtlinien produziert. In das Gebäude wurden 50 Millionen DM investiert. Insgesamt beschäftigt das Zwickauer Unternehmen 350 Mitarbeiter, 160 davon sind für den bundesweiten Vertrieb zuständig. Nach dem Wahlspruch "Immer an Ihrer Seite" soll besondere Kundenfreundlichkeit und -nähe nicht nur im Außendienst erreicht werden. Für Apotheker will das Unternehmen den Service durch großzügige Retourenregelungen verbessern. Außerdem wurde 1996 eine Veranstaltungsreihe für Ärzte und Apotheker ins Leben gerufen. "Wir wollen uns nicht in die Politik einmischen. Doch es ist wichtig, Dialog und Erfahrungsaustausch der beiden Berufsgruppen zu unterstützen", erklärt Heinz-Jürgen Scholl.

PZ-Artikel von Gisela Dietz, Zwickau
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