Pharmazeutische Zeitung online

PZ Nachrichten

03.11.1997  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-Verlag

PZ +++ Nachrichten +++  03.11. Vielversprechende Ansätze bei MS
Rund 120.000 Menschen leiden in Deutschland an Multipler Sklerose, kurz MS. Sie ist damit die häufigste zur Behinderung führende Nervenerkrankung. Neue Behandlungsansätze diskutieren europäische und amerikanische Forscher auf dem viertägigen Multiple-Sklerose-Kongreß Ectrims. Einen ersten Erfolg brachte die Substanz Interferon-beta, die entzündungsfördernde Immunvorgänge unterdrückt. Als gentechnisch hergestelltes Medikament Avonex und Betaferon auf dem Markt verzögert es zwar den Krankheitsverlauf, kann aber nur von wenigen Erkrankten genutzt werden. Es wird nur bei Patienten mit schubförmiger MS in frühen Stadien eingesetzt. Der Erfolg habe eine Reihe von vielversprechenden Forschungen mit ähnlichen Substanzen ausgelöst, sagte Peter Rieckmann, Neurologe an der Universitätsklinik Würzburg. So arbeiteten französische Forscher derzeit an einer Kombinationstherapie aus dem Immunsuppressivum Azathioprin und Interferon-beta. Andere Hoffnungen richten sich auf bestimmte Botenstoffe des Abwehrsystems, die Immunglobuline. Eine zweijährige Studie in Österreich hat Rieckmann zufolge gezeigt, daß sich bei 31 Prozent die Symptome verbessert hätten. Andere Forscher wollen die bei MS-Kranken überaktiven Immunzellen daran hindern, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren. Abwehrzellen, die im Blut bleiben, können an den Nervenhüllen keinen Schaden anrichten.

03.11. Boehringer Ingelheim stärkt US-Geschäft
Das Chemie-und Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim wird über seine Tochter in den USA die Firmengruppe Ben Venue Laboratories in Ohio übernehmen. Die Zustimmung der US-Kartellbehörde stehe aber noch aus, teilte Boehringer Ingelheim am Wochenende mit. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die US-Neuerwerbung ist nach Angaben von Boehringer der älteste und erfahrenste amerikanische Entwicklungs- und Fertigungsbetrieb von sterilen Pharmazeutika. Ben Venues zähle zudem zu den Marktführern bei Injektionspräparaten. "Diese Akquisition stellt eine äußerst wertvolle Bereicherung für das Humanpharmageschäft dar", sagte der Sprecher der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim, Heribert Johann. Mit der neuen Tochtergesellschaft könne die Präsenz auf dem wichtigen US-Pharmamarkt erheblich erweitert werden.

03.11. Seehofer: Keine Beitragserhöhung
Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) hat Spekulationen über höhere Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zurückgewiesen. "Es gibt bis Ende 1998 keine Beitragserhöhungen in den gesetzlichen Krankenkassen", sagte Seehofer am Montag im Münchner Presse-Club. Der Sparkurs durch die Gesundheitsreform müsse allerdings strikt eingehalten werden. Seehofer wandte sich auch gegen eine Einschränkung der kostenlosen Mitversicherung von Familienmitgliedern. Im Streit um das Defizit der ostdeutschen Krankenkassen sprach sich der Minister erneut gegen eine Steuerfinanzierung und für einen Ausgleich der Krankenkassen untereinander aus. Am Wochenende hatten bereits die Angestellten-Krankenkassen und die AOK angekündigt, ihre Beitragssätze im kommenden Jahr stabil zu halten. Den Versicherten der privaten Krankenkassen droht dagegen im kommenden Jahr eine Beitragserhöhung um 5 Prozent.

03.11. Lob für Apothekenservice
Mehr als jeder dritte Deutsche klagt über die unfreundliche Behandlung in Geschäften und Behörden. Der Service in Apotheken wird aber gelobt. Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der 2117 Deutsche befragt wurden, meinten 39 Prozent, daß sie in den meisten Geschäften unfreundlich behandelt würden. 44 Prozent äußerten sich positiv über die Freundlichkeit beim Service. Als ausgesprochen freundlich und flexibel wurde die Bedienung in traditionellen Dienstleistungsbereichen wie Apotheken, Bäckereien, Metzgereien und Friseurläden gelobt. Deutliche Unterschiede gibt es nach Angaben des Instituts zwischen Ost und West sowie den Bewohnern großer und kleiner Städte. Während sich in Ostdeutschland nur 27 Prozent der Befragten über Unfreundlichkeit beklagten, waren es im Westen 42 Prozent. Wer in einer Kleinstadt lebt, ärgert sich seltener über unfreundliche Bedienung als die Menschen in Großstädten.

31.10. Hygiene-Preis verliehen
Der mit 30000 DM dotierte Hygiene-Preis der Kieler Rudolf-Schülke-Stiftung geht in diesem Jahr an vier Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und den USA. Die Forscher haben sich durch hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiologie und Infektionsvorsorge verdient gemacht, teilte die Kieler Stiftung mit. Die Österreicher Dr. Andrea Kurz und Dr. Rainer Lenhardt aus Wien sowie Dr. Daniel I. Sessler von der University of California aus San Francisco werden für ihre Arbeiten zur Verhinderung von Wundinfektionen bei Operationen ausgezeichnet. Ihren Untersuchungen zufolge vergrößern die relativ niedrigen Raumtemperaturen in Operationssälen das Risiko von Wundentzündungen. Dabei sinke die Körpertemperatur des Patienten auf 34,7 Grad. Das wiederum schwäche das Immunsystem, so daß Krankheitserreger leichter vordringen können. Die Forscher konnten zeigen, daß mit Wärmedecken und vorgewärmten Infusionslösungen zum Beispiel bei Darmeingriffen das Infektionsrisiko von 19 auf 6 Prozent gesenkt werden kann. Dr. Christian Bogdan von der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg klärte Mechanismen auf, mit denen der Mensch Bakterien, die sich auch nach ausgeheilten Infektionen noch im Körper befinden, inaktiv halten kann.

30.10. Phoenix bald auch in Münster
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharmahandel, Mannheim, wird in Kürze in Münster/Westfalen eine Zweigniederlassung eröffnen. Mit dieser Investition, so eine Pressemitteilung des Unternehmens, will Phoenix den Kunden im Raum Münster zukünftig einen schnelleren Liefer- und Dienstleistungsservice bieten. Bisher wurden die Phoenix-Kunden im Münsterland durch die Vertriebszentren in Oldenburg, Bielefeld und Herne beliefert. Phoenix setze mit dieser Investition ein deutliches Zeichen zum Erhalt der Individual-Apotheke, sagte der Phoenix-Vorstandsvorsitzende, Dr. Bernd Scheifele. Die neue Zweigniederlassung in Münster ermögliche es trotz schwieriger gewordener verkehrstechnischer Rahmenbedingungen, die Kunden schnell mit Arzneimitteln zu versorgen.

30.10. Transplantationsgesetz tritt nicht in Kraft
Das Transplantationsgesetz tritt überraschend nicht wie geplant zum 1. November in Kraft. Als Grund für die Verzögerung gab das Bundesgesundheitsministerium an, Bundespräsident Roman Herzog habe seine Unterschrift aus zeitlichen Gründen noch nicht unter den Gesetzestext setzen können. Das Ministerium geht davon aus, daß die neue Regelung nun am 1. Dezember in Kraft treten kann. Das Gesetz zur Regelung der Entnahme und Verpflanzung menschlicher Organe war bereits vor der Sommerpause vom Bundestag beschlossen und am 26. September vom Bundesrat abschließend gebilligt worden. Für das rechtzeitige Inkrafttreten an diesem Samstag hätte Herzog das Gesetz bis zum Mittwoch dieser Woche unterzeichnen müssen.

29.10. BPI setzt auf Kooperation
"Die mittelständischen Pharmaunternehmen müssen künftig stärker aufeinander zugehen; gemeinsam können sie mit den gegenwärtigen und zu erwartenden Schwierigkeiten besser fertigwerden." Dieses Fazit zog Volker Frerk, Leiter des Ressorts Vertrieb Ausland der Madaus AG, am Dienstag in seinem Referat im Rahmen des BPI-Informationstages "Gemeinsam stark - Unternehmenskooperation als Zukunftssicherung in der mittelständischen Pharmaindustrie" in Frankfurt am Main. Frerk wies darauf hin, daß im Pharmabereich der "geschützte Markt, verbunden mit hohen Wachstumsraten" der Vergangenheit angehöre. Die Gegenwart sei auch durch einen sich dramatisch verschärfenden Wettbewerb, sich verändernde Rahmenbedingungen und eine zunehmende Internationalisierung geprägt. Die meisten mittelständischen Firmen könnten die notwendige Neupositionierung nicht im Alleingang schaffen.

29.10. Transfusionsgesetz verabschiedet
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf zur Regelung des Transfusionswesens verabschiedet. Damit soll zum ersten Mal in Deutschland die Entnahme und Übertragung von Blut und Blutplasma auf eine gesetzliche Grundlage gestellt werden. Der Bundestag hatte als Konsequenz aus den Erfahrungen der Transfusionskatastrophe mit Aids-infiziertem Spenderblut Anfang der 80er Jahre eine gesetzliche Regelung des Transfusionswesens gefordert.Das neue Transfusionsgesetz sieht nach Darstellung des Bundesgesundheitsministeriums vor, daß Blut und Plasma nur solche Personen spenden dürfen, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft dazu geeignet sind. Die Spenden dürfen nur freigegeben werden, wenn sie zuvor auf HIV und Hepatitis B und C untersucht worden sind. Ein Verstoß gegen das Gebot der Spenden-Untersuchung kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldbuße bis zu 50 000 Mark geahndet werden.

29.10. Seehofer rüffelt AOK Bayern
Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) hat die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Bayern zurechtgewiesen, Die Krankenkasse hatte den Abbau des Drei-Milliarden-DM-Defizits im ostdeutschen Gesundheitswesen als Aufgabe der Bundes- und Landespolitiker bezeichnet, wofür Steuergelder einzusetzen seien. Die Mitgliederbeiträge der West-Kassen dürften nicht dazu verwendet werden. Seehofer wies die bayerische AOK am Mittwoch in Bonn darauf hin, daß sie selbst von der solidarischen Hilfe anderer Kassen profitiert und aus dem Risikostrukturausgleich 1,7 Milliarden Mark erhalten habe. Der Gesundheitsminister warf den Verantwortlichen der AOK Bayern vor, nicht mehr zu früheren Absprachen zu stehen. So hätten sich der AOK-Bundesverband noch im Oktober gemeinsam mit den Gesundheitsministern der neuen Bundesländer übereinstimmend mit ihm für eine solidarische Hilfe zugunsten der gesetzlichen Kassen in Ostdeutschland ausgesprochen.

29.10. Neuartige Strahlentherapie gegen Krebs
Im Kampf gegen den Krebs erproben Ärzte derzeit eine neuartige Behandlungsmethode mit Alphastrahlern. Die sogenannte Alpha-Immunotherapie setzt auf die gezielte Behandlung der Krebszellen durch ein an einen Antikörper gekoppeltes Atom, das Alphastrahlen aussendet. Das Verfahren wird seit acht Monaten am New Yorker Memorial Sloan-Kettering Krebszentrum an akut leukämieerkrankten Patienten getestet. Das berichteten Experten am Dienstag abend auf einem von der Europäischen Kommission veranstalteten Fachsymposium "Alpha-Immuno '97" in Karlsruhe. Nach Angaben des Leiters der Leukämieabteilung der Klinik, Dr. David Scheinberg, haben die noch nicht abgeschlossenen Forschungen ,ermutigende Ergebnisse" ergeben. Danach wird der Alphastrahler, das Radioisotop Bismut 213 (Bi-213), gezielt von Knochenmark, Leber und Milz aufgenommen. Ein bis zwei Bi-213-Atome reichen aus, um eine Tumorzelle abzutöten. Bei dem Verfahren wird der Antikörper mit dem Strahler in die Vene gespritzt. Auch an der Poliklinik in Heidelberg soll das neue Strahlenverfahren in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum erprobt werden.Top


© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa