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QMS heißt auch Qualität macht stark

26.10.1998
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-Politik

Govi-Verlag

QMS heißt auch Qualität macht stark

"Qualitätsmanagement in der Apotheke - Sinn und Unsinn einer Zertifizierung" war Thema des Apothekertages Mecklenburg-Vorpommern am 25. Oktober 1998 in Rostock. Deutlich äußerten die 200 Teilnehmer ihren Unmut, es wurde sehr kontrovers diskutiert. Dennoch kristallisierte sich im Laufe der Veranstaltung heraus, daß im Gegenzug zu DIN-ISO-Normen QMS als originäre Aufgabe der Selbstverwaltung zukünftig unumgänglich sein wird. Nicht länger mehr dürfe das Kürzel für den von QMS-Gegnern geschaffenen Slogan "Quatsch mit Soße" stehen, sondern müsse vielmehr Symbol für das Motto "Qualität macht stark" werden.

Die Forderung nach Qualitätssicherung wird immer lauter. Breiten Einzug hat die Qualitätssicherung nach DIN ISO 9000 ff. gehalten. In zunehmendem Maße lassen sich auch im Gesundheitswesen die verschiedensten Betriebe zertifizieren. Oftmals erhalten sie Zuschläge für Aufträge nur dann, wenn eine Dokumentation der Qualität vorhanden ist. Deshalb plädierte Götz Schütte, Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen und Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der ABDA in Rostock für QMS auch in Apotheken.

Apothekenspezifische Systeme im Gegenzug zu DIN-ISO-Normen

Schütte betonte, daß die Qualitätssicherung im Kammergesetz als eine Aufgabe der Kammer festgeschrieben ist. Die Apothekerkammer Niedersachsen betreibe keinen "blinden Aktionismus", wenn sie Kurse zur Qualitätssicherung anbietet, sondern komme lediglich einer gesetzlichen Forderung nach. Dabei verfolge man in Niedersachsen das Ziel, Kurse und Zertifizierung berufsspezifisch und kostengünstig zu gestalten.

Der Preis für die Implementierung des QMS-Systems betrage rund 5.000 DM inklusive Zertifizierung durch die Apothekerkammer. Dieses bewege sich in einer deutlich anderen Größenordnung als die ISO-Zertifizierung, die mit unangemessenen Kosten und Aufwendungen verbunden sei. Während ISO die ethischen, rechtlichen und ökonomischen Besonderheiten der Apotheke nicht berücksichtige, sei das QMS-System der Apothekerkammer Niedersachsen ein apothekenspezifisches System, das dem einzelnen Betrieb individuellen Spielraum zur Umsetzung von Vorgaben läßt.

Individualität der Betriebe ist gewährleistet

Große zu regelnde Bereiche seien definiert, doch bleibe es der betroffenen Apotheke überlassen, diese Bereiche ihren Vorstellungen entsprechend zu definieren und in das Handbuch aufzunehmen. Die Individualität der Betriebe sei gewährleistet. 400 Apotheken werden in Niedersachsen bis Ende des Jahres in den Zertifizierungsprozeß eingebunden sein, 30 werden bis dahin das Zertifikat erlangen.

"Die Akzeptanz treibt uns und zwingt uns, weiterhin auf diesem Weg zu bleiben", so Schütte, der betonte, daß die Apotheker "Herr des Geschehens" bleiben müssen. Die Berufsvertretungen müßten den aktuellen Entwicklungen eigene Vorstellungen entgegensetzen. Die Kammer handle verantwortungsbewußt, wenn sie das Problem nicht einfach auf die Apothekerschaft zukommen läßt. Es gehe darum, für die Apotheken Zuständigkeiten zu schaffen beziehungsweise zurückzuholen, die nicht zuletzt auch Basis für etwaige Honorarforderungen sind.

Besinnung auf das Wesentliche durch Frage nach dem Warum

Besuch eines Seminars, Installation von QMS in der Apotheke, Einreichung und Prüfung des Handbuches, externe Überprüfung und Erteilung des Zertifikats: Anhand eigener Erfahrungen schilderte Dr. Hans-Georg Duve, Braunschweig, den Weg zur zertifizierten Apotheke. Detailliert ging er auf den Aufbau des apothekenindividuellen Handbuches ein, das unter anderem das Leitbild der Apotheke, Stellenbeschreibungen sowie die Dokumentation von Prozessen im Bereich Arzneimittelherstellung, Personal, Warenwirtschaft, Handverkauf, Beratung, Dienstleistung, Dienstübergabe und Reklamationen enthalten muß.

Duve verwies auf die Bedeutung regelmäßiger Mitarbeiterbesprechungen sowie auf die großen Motivationsschübe durch die gezielte Definition von Verantwortungsbereichen. Der Inhaber der Tauben-Apotheke sprach von der "Besinnung auf das Wesentliche durch die ständige Frage nach dem Warum". Die Furcht vor zusätzlicher Bürokratisierung sei unberechtigt. Im Gegenteil: QMS bedeute Vereinfachung und Schaffung von Freiräumen für den Kundenkontakt. Damit verbunden sei nicht etwa Personaleinsparung, sondern eher Arbeitsplatzsicherung und das Erzielen von Wettbewerbsvorteilen. QMS: Die Frage sei nicht mehr ob, sondern wie.

Behnsen gegen "Totschlagargument: Alles schon gehabt"

Bei der Podiumsdiskussion betonte Dr. Sebastian Plösch, Leiter der Apotheke der Kreiskrankenhäuser Winsen/Buchholz, daß man nach drei Jahren QMS in seiner Apotheke auf das Qualitätssicherungssystem nicht mehr verzichten könne. Zwar lasse sich der Erfolg von QMS nicht messen, doch sei an den Rückmeldungen festzustellen, daß die Zufriedenheit der Kunden, in diesem Falle Chef- und Assistenzärzte, Geschäftsführer und Pflegekräfte, gewachsen ist.

Das Argument "Das haben wir ja alles schon gehabt" nannte Dr. Gerhard Behnsen, Vorsitzender des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern ein "Totschlagargument". QMS sei ein Kontrollsystem, das für den Apotheker wichtige Bedeutung erlangen könne. Fragen müsse man sich allerdings, ob der Umfang des Handbuches gerechtfertigt ist. Dr. Thomas Müller-Bohn, Süsel, betonte, daß die Minimalbedingungn ausgesprochen locker sind und es Sache der Apotheke sei, "wie sie das Handbuch umsetzt und lebt".

Professor Dr. Herbert Oelschläger, Jena, sprach von einem Schritt in die "richtige" Richtung. Doch sei QMS eng verknüpft mit der Qualität des Personals, die wiederum von der Ausbildung und Erhaltung des einmal erworbenen Wissenstandes abhänge, betonte der Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Chemie, der das Stichwort Pflichtfortbildung in die Diskussion warf und somit Anlaß für einen heftigen Austausch von Argumenten gab.

Soltau setzt auf Engagement von Pilotapotheken

Es müssen die Inhalte der Fortbildung sein, die für die Qualitätsverbesserung in der Apotheke genutzt werden können, vertrat Schütte seinen Standpunkt und betonte: "Es ist unser Anliegen, dem Apotheker zu helfen, sich im Rahmen von Fort- und Weiterbildung qualitätsorientiert am Markt zu behaupten, allein mit Pflichtfortbildung haben wir unsere Probleme". Er setze auf Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, die in Niedersachsen zukünftig so organisiert werden, daß sie als Grundlage zur Erstellung der Handbücher geeignet sind, so der Verfechter von Pharmazeutischer Betreuung und QMS.

"QMS geht nicht an uns vorbei", lautete das Resümee von Ministerialrat Dr. Klaus Fischer, Sozialministerium Schwerin, der die Schaffung apothekenspezifischer Qualitätsmanagementsysteme im Gegenzug zu DIN-ISO-Normen als eine Aufgabe bezeichnete, die vom Ministerium unterstützt wird. Fischer: "Es geht nicht mehr anders, ich freue mich auf die Entwicklungen". "Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Kosten wäre es fatal, die Zertifizierung Fachfremden zu überlassen", bestätigte der Präsident der Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommerns, Wilhelm Soltau. "Wir dürfen uns in dem Bemühen um den Patienten von niemandem übertreffen lassen", so der Kammerpräsident, der auf das Engagement von Pilotapotheken setzt.

PZ-Artikel von Christiane Berg, Rostock

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