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PZ Nachrichten

26.10.1998  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  27.10. Zulassung für Paclitaxel erweitert
PZ. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat das Zytostatikum Paclitaxel (Taxol®) für die Behandlung des fortgeschrittenen nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) zugelassen. Bereits im September diesen Jahres hatte sich die europäische Behörde EMEA für eine EU-weite Zulassung von Paclitaxel ausgesprochen. In zwei Phase-III-Studien mit insgesamt knapp 800 Patienten führte die Kombination von Paclitaxel und Cisplatin im Vergleich zur etablierten Standardtherapie zu signifikant höheren Remissionsraten und wurde bei gleichem Überleben besser vertragen, meldet der Hersteller Bristol, München. Die mittleren Überlebenszeiten seien in beiden Studien unabhängig von der Therapie vergleichbar gut. Unter Paclitaxel/Cisplatin litten die Patienten jedoch signifikant weniger unter schweren hämatologischen Nebenwirkungen und Infektionen. In den USA wurde Paclitaxel bereits im Juli als First-line-Therapie des fortgeschrittenen NSCLC zugelassen.

26.10. Vorerst keine neuen Arzneimittelrichtlinien
PZ. Die Berichte in Focus und Bild vom 26. Oktober, der Bundesausschuß Ärzte und Krankenkassen habe über Arzneimittelrichtlinien neu entschieden, sind nach Auskunft der Geschäftsführung des Bundesausschusses falsch. Das Gremium habe zwar am Freitag, dem 23. Oktober, getagt. Über Arzneimittelrichtlinien sei jedoch nichts entschieden worden. Das Ergebnis der Sitzung wird noch in dieser Woche bekanntgegeben. Eine Entscheidung über die neuen Arzneimittelrichtlinien ist wegen der Vielzahl der Einsprüche nicht vor Dezember möglich, berichtete die Geschäftsstelle des Ausschusses weiter. Falsch sei ferner die Meldung, nach der die Knochendichtemessung nun doch im Kassenleistungskatalog bleibe. Auch darüber habe der Bundesausschuß noch nicht entschieden.

26.10. Fraunhofer baut Biotechnologie aus
vwd. Die Fraunhofer-Gesellschaft baut in ihrem Institut für Umweltchemie und Ökotoxikologie IUCT in Schmallenberg eine neue Abteilung für Molekulare Biotechnologie unter der Leitung von Dr. Rainer Fischer auf. Die Fraunhofer-Gesellschaft stellt hierfür zunächst sieben Millionen DM bereit, nachdem das Land Nordrhein-Westfalen eine weitere finanzielle Unterstützung zugesagt hat. Die neue Abteilung soll nach einer dreijährigen Anlaufphase bis auf Institutsgröße heranwachsen. Sie arbeitet an der Herstellung rekombinanter Antikörper vorwiegend aus Pflanzen. Die Fraunhofer-Gesellschaft setzt in den Ausbau der Biotechnologie große Erwartungen. Fast alle führenden Chemie- und Pharmazieunternehmen haben in letzter Zeit zweistellige Millionen-Beträge in Kooperationen mit Forschungseinrichtungen investiert, heißt es. Weltweit werden für die nächsten Jahrzehnte hohe Wachstumsraten vorausgesagt - als besonders lukrativ werden die Märkte für Pharma- und Agroprodukte bewertet. Über ein Viertel aller auf dem Markt befindlichen Arzneimittel wird heute bereits mit Hilfe der Biotechnologie hergestellt. Sie werden meist aus gentechnisch veränderten Mikroorganismen oder tierischen Zellkulturen gewonnen. Eine Alternative ist das "Molekulare Pharming". Dabei werden die rekombinanten Proteine in Pflanzen in großen Mengen und meist besserer Qualität hergestellt.

26.10. Stammzelltransplantation auch für Ältere
dpa. Neue Entwicklungen bei der Verpflanzung von blutbildenden Stammzellen geben älteren Patienten mit Blutkrebs bessere Behandlungschancen. Das hob Professor Dr. Dieter Hoelzer (Universitätsklinik Frankfurt) am Montag in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur hervor. Hoelzer ist Kongreßpräsident der Jahrestagung der deutschen und österreichischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie. Die Tagung mit mehr als 2.000 Teilnehmern geht bis Mittwoch. Nach Darstellung Hoelzers konnte die Stammzelltransplantation als wirkungsvolles Therapiekonzept bisher nur bis zum Alter von etwa 60 Jahren eingesetzt werden. Da das Leukämie-Risiko aber mit zunehmendem Lebensalter steige, seien neue schonende Transplantationsverfahren entwickelt worden, die bis zu einem Alter von 75 Jahren genutzt werden und den Patienten weitaus bessere Überlebenschancen böten. Die Stammzellübertragung habe in vielen Fällen die Knochenmarktransplantation ersetzt, sagte Hoelzer. Sie könne ambulant vorgenommen werden und sei billiger als herkömmliche Verfahren. Sie werde deshalb nicht nur bei bösartigen Tumoren zunehmend genutzt. Auch bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose oder der Sklerodermie, deren Verlauf bisher kaum beeinflußbar war, habe die Transplantation von Stammzellen zu ersten Erfolgen geführt.

23.10. Tag der Knochengesundheit in München
PZ. "Wochen für gesunde Knochen" heißt das Motto der aktuellen Kampagne des Deutschen Grünen Kreuzes in ganz Deutschland. Zum Abschluß der Aktionswochen in Bayern findet am 24. Oktober (9 bis 16 Uhr) auf dem Münchner Marienplatz der"Tag für die Knochengesundheit" statt. Er soll die Bevölkerung aufmerksam machen auf die Osteoporose-Erkrankung, über Risikokfaktoren und vor allem Präventionsmaßnahmen informieren. Gemeinsam mit vielen Gruppen und Institutionen konnten bislang bayernweit über 250 Programmpunkte angeboten werden, berichtete Projektleiter Günter Boncelet vor der Presse. Seine Erfahrung: "Der Beratungsbedarf bei der Bevölkerung ist enorm." In München ist auch der Bayerische Apothekerverband mit einem Stand vertreten. Hier gibt es apothekerlichen, aber auch ärztlichen Rat zur Vorbeugung und zum Umgang mit der Erkrankung.

23.10. UV-Dosimeter zur Hautkrebsprävention
PZ. Aufklärung und Bewußtseinsschärfung stehen im Mittelpunkt eines neuen Gesundheitsprojektes, das die Vereinte Krankenversicherung AG (VK) jetzt der Presse vorstellte. Es geht um die Prävention des Hautkrebses, an dem jährlich rund 170.000 Menschen in Deutschland erkranken. Dazu gibt die Vereinte ihren Kunden ein neuartiges Hilfsmittel an die Hand, das die Sonnensättigung anzeigt, bevor ein Sonnenbrand entsteht. Das UV-Dosimeter der Firma UV-Signal wird auf Haut oder Kleidung geklebt, kann mit Sonnencreme eingecremt werden und zeigt durch Farbänderung, wann ein bestimmter Belastungsgrad erreicht ist. Wenn der Kunde seinen Hauttyp weiß, kann er durch Vergleich mit einer Farbskala erkennen, wann er aus der Sonne gehen sollte. Im Frühjahr 1999 wird die Versicherung 2,4 Millionen Dosimeter an ihre Kunden verteilen, erläuterte Vorstandsmitglied Götz Reichart. Im Herbst soll dann ein regionales Pilotprojekt beginnen, in dessen Mittelpunkt ein jährlicher Hautcheck und eine Befragung des Kunden stehen.

23.10. VK zufrieden mit dem Neugeschäft
PZ. Die Vereinte Krankenversicherung AG ist mit dem Geschäftsverlauf der ersten neun Monate dieses Jahres zufrieden. Das Neugeschäft stieg um 5,9 Prozent und erreichte fast 16 Millionen DM Monatssollbeiträge, erklärte der Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Rumm vor Journalisten in München. Bis Ende des Quartals konnten mehr als 162.000 neue Kunden akquiriert werden; die Zahl der Vollversicherten stieg um 6.000. Damit hatte die VK 2,285 Millionen Versicherte, darunter 809.000 Vollversicherte, ergänzte Vorstandsmitglied Wilfried Johannßen. Die Beitragseinnahmen wuchsen insgesamt um 4,4 Prozent. Zur Bewertung von Gesundheitsrisiken bei der Antragsprüfung wende die VK als erstes PKV-Unternehmen bundesweit eine neue Methode an, sagte Johannßen. Durch die maschinelle Risikoprüfung (MRP) auf Basis einer umfangreichen Datenbank zahle der einzelne Versicherte mit einer Vorerkrankungen einen tatsächlich am Krankheitsverlauf orientierten Risikozuschlag statt der bisher üblichen prozentualen Aufschläge. Nach der MRP werden etwa zehn Prozent der Anträge nicht angenommen, etwa 15 Prozent der Versicherten zahlen laut Rumm Zuschläge von 15 bis 20 Prozent des Normaltarifs.

22.10 EU-Abkommen mit Kanada tritt in Kraft
PZ. Am 1. November 1998 tritt das "Abkommen über die gegenseitige Anerkennung" zwischen der Europäischen Union und Kanada in Kraft. Darauf wies der Bundesfachverband Medizinprodukteindustrie (BVMed) hin. Das Abkommen, das am 16. Oktober 1998 im EG-Amtsblatt bekannt gemacht worden war, schließt auch die gegenseitige Anerkennung der Konformitätsbewertungsverfahren für Medizinprodukte ein. Der BVMed wertet das EU-Abkommen als einen weiteren wichtigen Erfolg für die exportorientierte Medizinprodukteindustrie. Vor zwei Monaten sind entsprechende Abkommen der EU mit Australien und Neuseeland in Kraft getreten. Die Verhandlungen mit den USA und Japan laufen derzeit noch. BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt: "Die Abkommen tragen zur Entbürokratisierung und zur Erleichterung des jeweiligen Marktzugangs bei. Für die deutschen Medizinproduktehersteller bedeutet dies: Künftig können Prüfstellen in Deutschland über Konformitätsbewertungsverfahren die Übereinstimmung der Produkte mit den kanadischen Importvorschriften bescheinigen."

22.10. Warum Diäten nicht wirken
dpa. Leptin ist keine Wunderdroge zum Abnehmen. Der vor einigen Jahren gefundene Stoff könnte aber neue Wege zur Behandlung krankhafter Fettleibigkeit zeigen, berichten Jeffrey Friedman und Jeffrey Halaas von der Rockefeller Universität in New York in einem Übersichtsartikel der britischen Zeitschrift Nature (Ausgabe 395, S. 763). Leptin wird von Fettzellen gebildet und ist im Blut um so höher konzentriert, je fetter der Körper ist. Erhöht sich der Leptingehalt aber über ein gewisses Maß, so essen Tiere weniger und das Körperfett pendelt sich auf einen Normalwert ein, Leptin könnte daher ein "Sättigungszeiger" des Körpers sein. Der Rückkopplungseffekt des Hormons könne erklären, warum Diäten meist nicht dauerhaft zum Erfolg führen: Eine Diät bewirkt zunächst einen Abfall der Leptin-Konzentration und folglich mehr Hunger. Damit sorge der Stoff letztlich dafür, daß sich das Körperfett langfristig wieder auf den voreingestellten Wert einpendele. Eine künstliche schwache Erhöhung des Leptin bewirke dagegen, daß sich das Fettgewebe abbaue, und nicht wie bei Diäten gleichzeitig auch das Muskelgewebe. In diesen Erfolgen sehen die Wissenschaftler die Hoffnung, bei krankhaft Fettleibigen in die Steuerungsmechanismen einzugreifen. Die bisherigen Ergebnisse seien aber individuell so verschieden, daß man noch lange nicht an eine derartige "Schlankheitspille" denken könne.

21.10.Zink stimuliert das Immunsystem
PZ. Seit langem ist bekannt, daß Zinkmangel das Immunsystem schwächt. Eine tägliche Substitution des Kations kann die Inzidenz von Infektionen der unteren Atemwege deutlich senken. Dies gilt zumindest für Kinder in Entwicklungsländern, wie eine doppelblinde randomisierte Studie in Indien zeigte (Pediatrics Vol. 102; No. 1, 1998). 609 Kinder im Alter von 6 bis 35 Monaten erhielten ein halbes Jahr lang entweder 10 mg Zink täglich oder Placebo. In der Verumgruppe erlitten die Kinder 0,19 akute Atemwegsinfekte pro Kind und Jahr, in der Placebogruppe 0,35. Damit konnte die Supplementation die Infektionsrate um 45 Prozent senken. Doch auch in Industrieländern wird ein positiver Effekt postuliert. Apotheker Ernst-Albert Meyer empfahl vor Journalisten und Apothekern die Einnahme von 20 bis 30 mg Zink über ein bis zwei Monate zur Stimulierung der Immunabwehr. Bei häufigen Herpes-labialis-Rezidiven soll die tägliche Einnahme von 20 mg Zink über ein halbes Jahr die Lippenbläschen verhüten oder abmildern. Organische Zinksalze wie Orotat, Aspartat und Gluconat seien besser verträglich als Sulfat, sagte der Referent.

21.10. Neue Wege in der Suchttherapie
PZ. Für die Drogenpolitik der Bundesregierung wird künftig nicht mehr das Innen-, sondern das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zuständig sein. Das hat Gerhard Schröder den Bündnisgrünen zugestanden, deren Sozialexpertin Andrea Fischer das Erbe Horst Seehofers antritt. Die designierte Parlamentarische Staatssekretärin Christa Nickels (Bündnis 90/Die Grünen) soll sich im BMG um dieses Thema kümmern. Die Entscheidung entspricht auch der Koalitionsvereinbarung, in der es heißt, "Sucht ist eine Krankheit". Das Betäubungsmittelgesetz soll mit dem Ziel überarbeitet werden, Fixerstubenmodelle wie in Hamburg oder Frankfurt am Main rechtlich abzusichern. Der Koalitionsvertrag sieht ferner vor, Initiativen des Bundesrates für Modellversuche mit ärztlich kontrollierter "Originalstoffvergabe", wie zum Beispiel Heroin, nach Schweizer Vorbild "aufzugreifen". Zudem soll die Substitution mit Methadon oder Codein unterstützt werden.

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