Pharmazeutische Zeitung online

Reizworte

26.10.1998
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-Gastkommentar

Govi-Verlag

Reizworte

von Karl-Heinz Voigt
Geschäftsbereich Marketing und Vertrieb, Schaper & Brümmer

Mehrbesitz, Apothekenketten, Versandapotheken, Freiverkäuflichkeit und Vermarktung von einst apothekenpflichtigen Arzneimitteln in anderen Vertriebsschienen sind Reizworte für die Apothekerschaft. Trifft uns diese Entwicklung auf dem linken Fuß? Wer ehrlich ist, muß gestehen: Diese Themen waren vorhersehbar - doch wenn es einem wirtschaftlich gut geht, sehen Apotheker und Industrie über Außenseiter hinweg. Wen hat es schon interessiert, daß in den letzten zehn Jahren Arzneimittelumsätze über Versandhauskataloge liefen? Solange der Markt sich für alle Beteiligten positiv darstellte, wurden solche Randerscheinungen ignoriert.

Die künftige Strategie zur Absicherung des Distributionskanals Apotheke nahm auf der Expopharm '98 umfassenden Diskussionsraum ein. Möglicherweise kamen die Maßnahmen von BP und von Lichtwer gerade zum richtigen Zeitpunkt, um sich über die Bedeutung des Vertriebsweges Apotheke klarzuwerden. Hier ist neben der Standespolitik die Mehrheit der Apotheker gefordert, den Kopf nicht länger in den Sand zu stecken, in der Hoffnung, die Zeit wird es schon richten.

Apotheken dürfen nicht zum Spielball der Politik, der Kassen oder der Industrie werden. Gesundheit ist kein Gut für die "Großflächen". Es muß gelingen, das Bild der Gesundheitsberatungs-Apotheke den Kunden und Patienten zu vermitteln. Dies können jedenfalls keine "Pharmadiese" schaffen, die von der Primärfunktion der Apotheke ablenken. Hier stellen die Aktivitäten der MGDA den weitaus besseren Weg dar, aber auch hier gilt es noch, die Instrumentarien zu verfeinern. Wir, das heißt Industrie und Apotheken, müssen uns bewegen und um unsere Kunden/Patienten wie andere Dienstleister werben. Dies ist ein langer Weg. Aber er lohnt sich. Den "Mehrwert" der Apotheke richtig herauszustellen, bedeutet auch die Rechtfertigung der Apothekenpreise.

Eine konstruktive Zusammenarbeit mit der ABDA, ihren Mitgliedern, den Industrieverbänden, BPI und BAH, ist unabdingbar, um im Sinne einer qualitativ hochwertigen, flächendeckenden Arzneimittelversorgung gegenüber den Argumenten und Forderungen der Kassen und der Politik bestehen zu können.

Das Gesundheitsberatungszentrum kann nur dann positiv zum Tragen kommen, wenn Arzt und Apotheker im Sinne einer verantwortbaren Selbstmedikation zusammenarbeiten - unterstützt von der Pharmaindustrie. Dieses führt zu positiven Effekten bei allen Beteiligten: Der Arzt entlastet sein Budget, der Apotheker stärkt seine Beratungskompetenz gegenüber dem Patienten, der ein wirksames Qualitätspräparat zur Behandlung seiner Erkrankung erhält. Die Selbstmedikation entlastet natürlich auch die Krankenkassen.

Nur eine von Fachleuten begleitete Selbstmedikation kann langfristig unser Gesundheitssystem erhalten. Anderenfalls besteht die Gefahr, daß wir kurzfristig eine drastische Verschlechterung in der Arzneimittelversorgung erleben, daß bisher funktionierende und bewährte Systeme - wie die Arzneimittelpreisverordnung - sich selbst aus dem Markt katapultieren.

Die Apotheke kann auch in der Zukunft ein idealer zielgruppenorientierter Platz für die beratungsaktive Vermarktung von Qualitätsgesundheitsprodukten und Dienstleistungen sein, wenn wir es wollen und uns gemeinsam für dieses Ziel einsetzen.

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