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Ärzte im Kampf um Macht und Einkommen

27.10.1997  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Ärzte im Kampf um Macht und Einkommen

Immer stärker gerät ärztliche Berufspolitik zu einem Verteilungskampf um Einkommen und Macht. Allgemeinmediziner und Fachärzte stehen sich dabei unversöhnlich gegenüber. Jetzt haben die in der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) zusammengeschlossenen 26 Organisationen jede Form von Primärarztsystem entschieden abgelehnt. Entsprechende Ideen, so GFB-Chef Georg Holfelder, dürften sich nicht zum Spaltpilz der deutschen Ärzteschaft entwickeln und seien deshalb bereits im Keim zu ersticken.

Wer den Allgemeinmediziner als Gatekeeper für die medizinische Versorgung propagiere, hebe die freie Arztwahl auf und gefährde zugleich eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau. Der Orthopäde warf dem Berufsverband der Allgemeinärzte vor, durch ungeschicktes und unprofessionelles Taktieren seiner Führung berufspolitisch Zwietracht zu säen. In Wahrheit seien alle Vorstöße zugunsten eines Primärarztsystems lediglich interessenspolitisch motiviert. Einer "Lotsenrolle" im Gesundheitssystem könnten praktische Ärzte und Allgemeinmediziner selbst an den Anforderungen ihrer eigenen Berufsorganisation gemessen, nicht immer genügen.

Wohl nicht zuletzt unter diesem Aspekt verlangte Holfelder zusätzliche Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der ambulanten ärztlichen Versorgung. Gefördert werden müßten darüber hinaus fachübergreifende ärztliche Kooperationen. In Strukturverträgen sei die Zusammenarbeit von Fach- und Hausärzten zu regeln. Für die immer häufiger zu registrierende Primärbehandlung der Patienten durch Spezialärzte darf nach Ansicht der GFB nicht die Krankenversichertenkarte verantwortlich gemacht werden. Werde sie mit einem Foto des Versicherten ausgestattet, sei Mißbrauch weitgehend ausgeschlossen.

Darüber hinaus bedeute der direkte Kontakt zum Facharzt aus Sicht der Patienten "eine Abstimmung mit den Füßen". Sie führe weg von dem nicht immer in allen Feldern fachärztlichen Handelns bewanderten Allgemeinmediziner. Die Primärinanspruchnahme von Spezialisten dürfe den Kassenpatienten auch künftig nicht verwehrt werden.

PZ-Artikel von Jürgen Becker, Bonn
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