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Trügerische Ruhe

27.10.1997
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-Editorial

Govi-Verlag

Trügerische Ruhe

von Gisela Stieve,
stellvertretende Chefredakteurin
der Pharmazeutischen Zeitung

Es ist ruhig in diesen Herbsttagen nach dem Deutschen Apothekertag. Von Düsseldorf gingen Appelle und Absichtserklärungen, Vorhaben und Visionen aus. Die durchaus zukunftsorientierten Botschaften waren jedoch manchen Beobachtern nicht spektakulär genug, erschienen ihnen zu nichtig, weil unmittelbarer Eigennutzen nicht sofort abgeschöpft werden kann.

Die Ruhe täuscht. Von all den bekannten, permanenten Attacken der Krankenkassen auf das Apothekensystem abgesehen hat der Bundesgesundheitsminister ein Konzept zur Sanierung der Ostkassen vorgelegt. Danach sollen ab 1999 Zahlungen von bis zu 1,5 Milliarden DM als gesamtdeutscher Risikostrukturausgleich vom Westen in den Osten fließen. Zusätzlich soll eisern gespart werden - vor allem bei den Ausgaben, die über denen des Westens liegen, sprich bei Arzneimitteln, Krankenhäusern, Zahnersatz und Fahrtkosten. Das wird alle Apotheker - im Osten und im Westen treffen.

Die Pläne des Berliner Gesundheitssenats, 16 von 28 Krankenhausapotheken zu schließen, sind auch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Die Berliner Apothekerkammer sieht in diesem Vorhaben einen massiven Angriff auf den Berufsstand. Die Bonusverträge in Berlin, Brandenburg und Hessen passen auch nicht so recht in dieses vermeintlich friedliche Bild von der Apothekenlandschaft.

"Die hohe Kunst des Problematisierens läßt wertvolle Aufbruchstimmung in der Paralyse enden", sagte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese in Düsseldorf. Dem kann ich nur zustimmen. Es gibt zu viele Leute, die mäkeln und meckern. Sie bedauern die Lage, für die sie angeblich nicht verantwortlich sind und jammern über das, was kommen könnte. Wen interessiert das? Die Bonner Politiker schon mal nicht. Das hören wir jedenfalls von unseren Kollegen, die auf Landes- und Bundesebene die Lobbyarbeit tun.

Es gibt zu wenig Leute, die sich am Gestaltungsprozeß konstruktiv beteiligen, die mitdenken und vordenken und handeln, die ein paar Handschläge tun - nicht für Geld, sondern für ihre Patienten und aus Überzeugung. Heilberufliches Engangement und pharmazeutische Betreuung wissen die Patienten zu schätzen und werden die persönliche Zuwendung mit Kundentreue belohnen. Die Spezies der aktiven Apotheker muß nicht erst geschaffen werden. Es gibt sie. Jedoch haben viele Apotheker in den harten Zeiten des Gesundheitsstrukturgesetzes resigniert und ihre Potentiale vernachlässigt.

Es gibt Aufbruchstimmung, es gibt Vordenker und Visionen, die dem Berufsstand neue Wege weisen. Natürlich erfordert es Mut und Mühe, neue Nischen zu entdecken und zu besetzen. Dazu brauchen wir jetzt engagierte Apothekerinnen und Apotheker. Zur Zeit scheint die Politik berechenbar zu sein. Nutzen Sie das für ihre Kunden und ihre Apotheke. Und lassen Sie sich von der Ruhe nicht täuschen. Top

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