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Rabeprazol soll schneller wirken

19.10.1998
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Govi-Verlag

Rabeprazol soll schneller wirken

Bereits im August stellten die Pharmaunternehmen Eisai und Janssen-Cilag der deutschen Fachpresse den neuen Protonenpumpenblocker (PPI) Rabeprazol vor. Auf dem Weltkongreß der Gastroenterologen in Wien Mitte September war er Gegenstand eines Satelliten-Symposiums. Rabeprazol soll voraussichtlich noch in diesem Jahr in den deutschen Markt eingeführt werden.

Mit der Entwicklung der Protonenpumpenblocker wurde die Behandlung säurebedingter Erkrankungen des oberen Gastrointestinaltraktes revolutioniert, so die Meinung des Gastroenterologen Professor Dr. André L. Blum vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, Lausanne. Die Therapie sei effektiv und nebenwirkungsarm. Dennoch gebe es auch in dieser Substanzklasse Verbesserungsmöglichkeiten. Die bisher verfügbaren PPIs Omeprazol, Lansoprazol und Pantoprazol werden relativ langsam aktiviert. Ein weiteres Problem stellen die Interaktionen mit anderen Arzneistoffen und Nahrungsmitteln dar. Bei älteren Patienten ist zudem häufig eine Dosisanpassung notwendig.

Rabeprazol soll in diesen Punkten den älteren PPIs überlegen sein. Protonenpumpenhemmer werden erst in den Belegzellen des Magens bei Unterschreiten eines sauren pH-Werts in die wirksame Form umgewandelt, die dann die H+/K+-ATPase irreversibel hemmen kann. Dieser pH-Wert ist abhängig vom chemischen Aufbau des Stoffes und bei den einzelnen PPIs unterschiedlich. Bei Rabeprazol liegt dieser pH-Wert mit etwa 5 vergleichsweise hoch. Deshalb soll die säurehemmende Wirkung von Rabeprazol im Vergleich zu den anderen PPIs schneller eintreten.

Dieser Effekt konnte klinisch belegt werden. In einer Vergleichsstudie mit 20 mg Omeprazol wurden die intragastrischen pH-Werte am ersten und achten Tag nach Behandlungsbeginn untersucht. Dabei zeigte sich, daß unter Rabeprazol der Säuregehalt des Magens schon am ersten Tag stärker gesenkt wurde als unter Omeprazol. Damit verbunden wird auch eine schnellere Schmerzfreiheit diskutiert. In Studien an Patienten mit Duodenalulcera erzielten Rabeprazol und Omeprazol gleiche Heilungsraten. Gegenüber Ranitidin erwies sich Rabeprazol aber als überlegen. In der Behandlung von Magenulcera waren alle drei Wirkstoffe gleich effektiv. Vorteile für Rabeprazol ergaben sich nur in der schnelleren Schmerzbefreiung. Bei der Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit reduzierte Rabeprazol den sauren Reflux bereits am ersten Tag. Auch hier war Rabeprazol selbst hochdosiertem Ranitidin überlegen. Im Vergleich zu Omeprazol ergaben sich gleiche Heilungsraten.

Weitere Vorteile von Rabeprazol nach Meinung Blums: Der neue PPI könnte den intragastrischen pH-Wert im Vergleich zu Omeprazol länger höher halten. Rabeprazol zeige keinen Einfluß auf das Cytochrom P450-System. Es sind also keine Interaktionen mit Theophyllin, Phenytoin, Warfarin oder Diazepam zu erwarten. Ferner sind bei älteren Patienten und bei Patienten mit Nieren- oder Lebererkrankungen keine Dosisanpassungen notwendig. Als optimale Tagesdosis hat sich in den klinischen Studien 20 mg Rabeprazol erwiesen.

Auch die Wirksamkeit von Rabeprazol zur Eradikation von Helicobacter pylori wurde in ersten Studien untersucht. Die Kombination mit einem Antibiotikum führte nur zu einer Eradikationsrate von 63 Prozent. In Kombination mit Clarithromycin und Metronidazol konnte mit Rabeprazol eine 100prozentige Eradikationsrate erreicht werden. Dieses Ergebnis muß allerdings in weiteren Studien bestätigt werden.

PZ-Artikel von Hartmut Morck, Eschborn

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