Pharmazeutische Zeitung online

PZ Nachrichten

19.10.1998
Datenschutz bei der PZ
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-Verlag

PZ +++ Nachrichten +++  20.10. Neues Transplantationsmedikament zugelassen
vwd. Die Novartis AG, Basel, hat für das neue Transplantationsmedikament Simulect (Basiliximab) von der Europäischen Kommission die Marktzulassung für die EU erhalten. Das Medikament verringert akute Abstoßungsreaktionen gegen transplantierte Nieren. Simulect wird in den kommenden Monaten als erstes Produkt seiner Art in den Ländern der EU eingeführt, heißt es dazu in einer Mitteilung des Unternehmens weiter. Siumulect sei eine wichtige Ergänzung zum Präparat Neoral, einem der am häufigsten eingesetzten Medikamente in der Transplantationsmedizin. Es verlängere die Lebensdauer des transplantierten Gewebes, ohne die Nebenwirkungen zu erhöhen. Simulect wurde laut Mitteilung bereits erfolgreich in der Schweiz und den USA eingeführt.

19.10 Regierung plant Positivliste für Jahr 2000
PZ. Das Gesundheitssystem soll nach den Plänen der rot-grünen Koalition im Jahr 2000 einer Strukturreform unterzogen werden. Das haben die Parteien der neuen Mehrheit am Sonntag in Bonn berichtet. In einem ersten Schritt sollen noch in diesem Jahr einige Korrekturen vorgenommen werden. Per Vorschaltgesetz sind noch 1998 folgende Vorhaben geplant: Aufhebung des Krankenhausnotopfers, eine vorläufige, sektorale Ausgabenbegrenzung in der GKV, die Kostenerstattung für Zahnersatzleistungen und der Ausschluß dieser Leistungen für nach 1978 Geborene wird kassiert; Elemente der privaten Versicherungswirtschaft in der GKV wie Beitragsrückerstattung, Kostenerstattung und Selbstbehalte werden abgeschafft; die Krankenversicherungskarte wird modifiziert; der Koppelungsmechanismus, nach dem Beitragssatzerhöhungen in der GKV zu höheren Zuzahlungen der Patienten führen, wird ebenso gestrichen, wie alle Regelungen, die höhere oder neue Zuzahlungen vorsehen. Chronisch Kranke und ältere Patienten werden ab Anfang 1999 von Zuzahlungen entlastet. Die "Strukturreformen" will die neue Koalition mit Wirkung zum 1. Januar 2000 in Kraft setzen. Zu den notwendigen Reformen zählt darüber hinaus nach dem rot-grünen Reformpaket die Einführung eines Globalbudgets. Der Arzneimittelmarkt wird nach den Plänen der neuen Mehrheit neu geregelt. Dazu gehört eine Liste der zu Lasten der GKV verordnungsfähigen Arzneimittel (Positivliste) sowie die Förderung von Re-Importen.

19.10. Gefahr einer Grippe-Pandemie
dpa. Vor der Gefahr einer neuen weltweiten Grippe-Epidemie hat der Leiter des Berliner Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, gewarnt. In bestimmten Abständen entwickle sich immer wieder ein neues, bislang unbekanntes Grippe-Virus, sagte der Virologe am Sonntag im Berliner Rundfunksender Hundert,6. Gegen dieses sei dann noch kein Impfstoff entwickelt worden. International sei man sich daher darüber einig, daß in absehbarer Zeit mit einer neuen Pandemie - also einer weltweiten Epidemie - zu rechnen ist. In Deutschland würden aus diesem Grund derzeit bereits alle Seuchenpläne überprüft. Kurth erinnerte daran, daß bei der Pandemie im Winter 1918/19 20 Millionen Menschen an einem Influenza-Virus starben.

19.10. Diabeteswochen in Thüringer Apotheken
PZ. Unter dem Motto "Thüringer Diabeteswochen" widmen sich die Thüringer Apotheker verstärkt der Früherkennung des Diabetes mellitus. Von Oktober bis Dezember dieses Jahres findet in 43 Apotheken eine Screening-Aktion statt. Die Kollegen, die sich an dieser von der Landesapothekerkammer Thüringen und der Firma Bayer getragenen Pilotstudie beteiligen, messen den Blutzucker und beantworten alle Fragen zum Thema Diabetes. Daneben können die Kunden ihren Blutdruck und Gesamtcholesterolwert erfassen sowie den Body-mass-Index errechnen lassen und Informationsmaterial mitnehmen. Man wolle damit keineswegs in die Kreise der Ärzte einbrechen, betonte Kammerpräsident Dr. Egon Mannetstätter vor der Presse; vielmehr wolle das Screening die Menschen auf die Diabetes-Erkrankung aufmerksam machen. Mannetstätter: "Rund fünf Millionen Diabetiker gibt es in Deutschland - Tendenz steigend. Experten schätzen, daß eine weitere Million Menschen krank ist, ohne es zu wissen." Am Weltdiabetestag, dem 14. November, steht Interessierten ein Expertentelephon (0361/5667218) von 9 bis 13 Uhr zur Verfügung. Die Ergebnisse der Pilotstudie sollen später von der LAK veröffentlicht werden. Am Rande der Pressekonferenz hat die Firma Bayer signalisiert, daß die Aktion auch über das Jahresende hinaus fortgeführt werden könnte.

16.10. Mehrheit der Deutschen für Zuzahlung
PZ. Lebensnotwendige Arzneimittel sollten künftig zuzahlungsfrei sein, notwendige und wirksame Medikamente nur eine geringe Zuzahlung erfordern und medizinisch zweifelhafte ganz von den Patienten bezahlt werden. Diese Meinung vertreten 76 Prozent der Bundesbürger, ergab eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg. 29 Prozent plädieren dafür, Arzneimittelzuzahlungen ganz zu streichen. Bei dieser Frage gibt es deutliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland: In den neuen Ländern sind 42 Prozent dieser Meinung, in den alten Ländern nur 27 Prozent. Ferner sprechen sich 69 Prozent der Bundesbürger dafür aus, eine Positivliste erstattungsfähiger Präparate in der Gesetzlichen Krankenversicherung einzuführen, in der "wirksame und preiswerte" Arzneimittel aufgeführt sind.

16.10. PPARy2 macht dick
PZ. Nicht nur Mutationen des für den Leptin-Rezeptor codierenden Gens können zu Adipositas führen, sondern auch solche am PPARy2-Gen. Eine deutsch/amerikanischen Forschergruppe untersuchte 358 Deutsche, von denen 121 einen Körpermassenindex über 29 hatten und damit als fettsüchtig gelten. Die Wissenschaftler fanden auf einem Gen, das für einen Rezeptor codiert, der bei der Regulation der Adipozytendifferenzierung eine Schlüsselrolle spielt. Die Mutation kommt offensichtlich nur bei adipösen Menschen vor. Sie ist allerdings recht selten. Nur vier von 121 Dicken wiesen die Mutation auf. Die Mutation bewirkt eine beschleunigte Bildung von Adipozyten und eine starke Anhäufung von Triglyceriden in den Zellen. Die Auswirkung der Mutation sind allerdings dramatisch. Während der durchschnittliche Körpermassenindex in der Adipositas-Gruppe bei 33,6 lag, wiesen die vier Träger der Mutation Werte zwischen 37,9 und 47,3 auf.

15.10. Illegaler Handel mit Viagra am Niederrhein
dpa. Einen illegalen Handel mit der Potenzpille Viagra hat die Polizei in Wesel nach Hinweisen von Apothekern aufgedeckt. Eine noch unbekannte Person biete das verschreibungspflichtige Medikament offenbar ohne Rezept und zu überhöhten Preisen über das Internet an, teilte ein Polizeisprecher am Donnerstag mit. Dem Internet-Anschluß zufolge werde der Handel vom niederrheinischen Rees aus organisiert. Ermittelt werde nun wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Bei der Apothekerkammer Nordrhein sind in den vergangenen Wochen Dutzende Fälle verbotenen Handels mit Viagra bekannt geworden. Über das Internet, aber auch mit Annoncen in Zeitungen und Zeitschriften würden Geschäftemacher probieren, die Pille zu vertreiben, sagte die Sprecherin der Kammer, Christiane Reemann, in Düsseldorf. Den illegalen Handel versuche die Apothekerkammer mit Hilfe der Gesundheitsämter und der Zentrale gegen unlauteren Wettbewerb zu unterbinden.

15.10. Regierung will Zuzahlung senken
PZ. Die Kassenpatienten werden Anfang nächsten Jahres von Arzneimittelzuzahlungen entlastet. Darüber haben sich SPD und Bündnis 90/Die Grünen, in Vorgesprächen zu den Koalitionsverhandlungen geeinigt, bei denen am Freitag in Bonn die Gesundheitspolitik auf der Taqesordnung steht. Über Höhe und Struktur der Entlastung gibt es unterschiedliche Informationen. Eine generelle Senkung der jetzt bei neun, elf und 13 DM liegenden Selbstbeteiligung auf acht, neun und zehn DM sei vorgesehen, heißt es einerseits. Das würde bei den gesetzlichen Krankenversicherungen zu Einnahmeausfällen von 600 bis 800 Millionen DM jährlich führen. Nach anderen Berichten sollen nun chronisch Kranke und ältere Patienten entlastet werden. Das hatte auch die SPD in ihrem Wahlprogramm angekündigt. Daß Zahnersatz wieder eine Sachleistung wird, in deren Genuß auch nach 1978 Geborene kommen werden, gilt als sicher. Außerdem wird der Kopplungsmechanismus kassiert, nach dem Beitragssatzerhöhungen automatisch zur Anhebung aller Zuzahlungen führen sollten. Diesen ein Mechanismus hatte der scheidende Gesundheitsminister Horst Seehofer bis Ende 1998 ausgesetzt.

15.10. Blutspenden ist gesund
PZ. Manchmal ist die Welt eben doch gerecht. Doch sind es nicht immer materielle Anreize, die einem soziales Verhalten versüßen. Nach den Ergebnissen einer finnischen Studie erleiden Blutspender deutlich seltener einen Myokardinfarkt als Menschen, die kein Blut spenden. Wissenschaftler von der Universität Kuopio in Finnland beobachteten 2.862 Menschen, Blutspender und Nichtspender, im Alter zwischen 42 und 60 über durchschnittlich neun Jahre. Während von den 153 Blutspendern lediglich einer einen Myokardinfarkt erlitt (0,7 Prozent), lag die Quote bei den Nichtspendern bei 12,5 Prozent (316 von 2.529). Regelmäßiges Blutspenden senke die Eisenkonzentration im Blut, so der Leiter der Studie Professor Dr. Jukka T. Salonen. Eisen sei mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Risikofaktor für Herzinfarkte. Zum einen katalysiert es die Bildung freier Radikale, zum anderen fördert es die Lipidperoxidation. Salonen glaubt, daß der regelmäßige Blutverlust von Frauen durch die Menstruation ebenfalls vor Myokardinfarkt schützt. Es seien nicht allein die Estrogene, die für die niedrigere Herzinfarktrate von Frauen gegenüber Männern verantwortlich sind, so seine Überzeugung.

14.10. Andrea Fischer: Neue Gesundheitsministerin?
PZ. In Bonn verdichten sich die Anzeichen, daß Andrea Fischer Bundesgesundheitsministerin der rot-grünen Koalition wird. Bündnis 90/Die Grünen haben die 38jährige Sozialexpertin für dieses Amt vorgeschlagen. Die gelernte Druckerin und studierte Volkswirtin ist 1985 den Grünen beigetreten und seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages. Fischer gehört dem Landesvorstand Berlin der Bündnisgrünen an. Sie steht dem realpolitischen Flügel der Partei nahe. Andrea Fischer hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Europaparlament, am Wissenschaftszentrum Berlin und bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) in Berlin gearbeitet.

14.10. Neues Medikament gegen Paradontose
PZ. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat am 1.Oktober Periostat zur Behandlung der Paradontose zugelassen.Für diese Indikation gibt es weltweit kein anderes Präparat auf dem Markt, heißt es in einer Information des Hersteller CollaGenex aus Newtown im US-Staat Pennsylvania. Das Medikament soll in sechs bis acht Wochen in den Saaten auf Rezept erhältlich sein. Parodontose wir maßgeblich durch zwei Faktoren beeinflußt. Auf den Bakterienbefall der Zähne und des Zahnfleischs reagiert der Körper mit der Bildung von Collagenasen. Diese Enzyme zählen zur Familie der Matrixproteasen und bauen das Collagen im Zahnfleischgewebe ab. Das Gewebe bildet sich zurück und die Zähne werden locker. Periostat hemme die Enzymaktivität, berichtet CollaGenex. Klinische Untersuchungen hätten gezeigt, daß sich bei Erwachsenen nach dreimonatiger Gabe des Arzneimittels befallenes Zahnfleisch gut regeneriert und auch die Entzündung zurückgeht. Auf regelmäßiges Zähneputzen dürften die Patienten jedoch nicht verzichten.

14.10. Großhandel gegen Positivliste
dpa. Der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (PHAGRO) hat die künftige rot-grüne Bundesregierung aufgefordert, auf eine Positivliste für Arzneimittel und ein Globalbudget zu verzichten. Eine Positivliste schränke die Therapiemöglichkeiten für Patienten ein und verzerre den Wettbewerb unter den Arzneimittelanbietern, betonte der Verbands-Vorsitzende Bernd Scheifele am Mittwoch in Frankfurt. "Die neue Bundesregierung ist gut beraten, wenn sie auf weitere bürokratische Arzneimittelausschüsse verzichtet und statt dessen den Weg zu einem stärker am Wettbewerb orientierten Gesundheitswesen fortsetzt." Im PHAGRO sind nach eigenen Angaben alle 17 pharmazeutischen Grophandelsunternehmen zusammengeschlossen.Ein Globalbudget setze falsche Anreize, weil damit erhebliche Einsparungen bei den Arzneimitteln zur Aufrechterhaltung ineffizienter Strukturen vor allem in Krankenhäusern mißbraucht würden, betonte Scheifele. "Es ist ein Skandal, wenn schon heute eingesparte Arzneimittelkosten in einigen Bundesländern aufgrund sogenannter Bonusverträge mit den Krankenkassen direkt in die Taschen der Ärzte fließen." Ein Globalbudget mache "solche Verschiebebahnhöfe zum Regelfall".

Top

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa