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Immer mehr Allergiker

19.10.1998
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-Medizin

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Immer mehr Allergiker

Die Zahl der Allergiker hat sich Medizinern zufolge in den vergangenen 80 Jahren etwa verzehnfacht. Noch 1920 litten 0,5 Prozent der Deutschen an Asthma, heute werde die Zahl auf fünf Prozent geschätzt, so Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Auch die Zahl der Menschen, die unter Heuschnupfen und anderen Allergien leiden, seien ähnlich gestiegen. Fünf Prozent der Allergiker – rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland – litten unter starken Symptomen.

»Die Hälfte aller Allergiker wissen dagegen nicht, daß sie an einer Überempfindlichkeit leiden«, sagte der Präsident der DGAI, Professor Dr. Johannes Ring von der Technischen Universität München auf einem Allergie-Workshop der DGAI und des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (ÄDA) in Hamburg. Nur zehn Prozent der Allergiker würden qualifiziert untersucht und behandelt. In einer gemeinsamen Initiative wollen die beiden Verbände deshalb das Allergiebewußtsein in der Öffentlichkeit wecken.

Qualitätskonzept erforderlich

Gerade beim Asthma bronchiale könnten nach Meinung der Experten viele der Todesfälle vermieden werden, wenn rechtzeitig diagnostiziert und adäquat behandelt würde. »Wir brauchen dringend ein Qualitätskonzept für eine allergologische Versorgung der Bevölkerung.« Der volkswirtschaftliche Schaden, der allein in Deutschland durch Allergien entsteht, liegt nach Angaben des ÄDA bei 11,4 Milliarden DM.

Die Gründe für die steigende Zahl von Allergikern sind nicht genau bekannt. Verantwortlich gemacht werden unter anderem ein veränderter Lebensstil, Umweltbelastungen und falsche Ernährung. Wissenschaftler und Ärzte der Hamburger Uni-Klinik Eppendorf haben gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Strathmann ein Zentrum für somatische Gentherapie gegründet. CellTec Biotechnologie will ein Schutzgen entwickeln, mit dem Stammzellen resistent gegen Zytostatika werden. Nach Angaben des Unternehmens wurden die Laboratorien mit einem Kapital von über 10 Millionen DM ausgestattet.

Eine Chemotherapie führt bei vielen fortgeschrittenen Krebserkrankungen deshalb nicht zum Erfolg, weil Zytostatika nicht hoch genug dosiert werden können, da sie ansonsten nicht nur Krebszellen, sondern auch Stammzellen im Knochenmark zerstören. Dann droht das Immunsystem zusammenzubrechen. Mit Viren wollen die CellTec-Wissenschaftler Erbinformation in die Stammzellen schleusen. Diese soll dort die Bildung von Proteinen induzieren, die Chemotherapeutika sofort wieder aus der Zelle schleusen. Das Immunsystem würde dann von der Chemotherapie nicht mehr beeinträchtigt werden, heißt es in einer Pressemeldung.

Ähnlich hoffnungsvolle Perspektiven biete die somatische Gentherapie bei Leukämie. Eine klassische Komplikation bei der Knochenmarktransplantation ist die sogenannte Spender-gegen-Wirt-Krankheit (»graft-versus-host-disease«). Dabei greifen T-Lymphozyten des Spenders das Gewebe des Empfängers an. Um dieses Risiko auszuschließen, wollen die Wissenschaftler T-Lymphozyten des Spenders genetisch manipulieren und so ein »Selbstmord-Gen« erhalten. Sollte sich eine »Spender-gegen-Wirt-Krankheit« entwickeln, können die genetisch manipulierten Zellen durch Aktivierung des Selbstmord-Gens gezielt ausgeschaltet werden.

dpa-Meldung

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