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Zeneca: Zukunft sichern mit Kooperationen

20.10.1997  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

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Zeneca: Zukunft sichern mit Kooperationen
Firmenportrait

Der britische Arzneimittelhersteller Zeneca ist mit Jahresumsätzen von zuletzt rund 2,4 Milliarden Pfund (6,84 Milliarden DM) eines der 20 weltweit größten Pharmaunternehmen. 94 Prozent der Umsätze werden außerhalb des Mutterlandes Großbritannien erzielt. Um weiterhin weltweit mithalten zu können im härter werdenden Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, ging Zeneca in den vergangenen vier Jahren insgesamt 14 Forschungskooperationen ein. Deutsche Journalisten hatten kürzlich Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, wie sich Zeneca die Zukunft vorstellt und welche Rolle dabei die Forschungskooperationen spielen sollen.

"Die Zusammenarbeit in der Forschung und Entwicklung mit Universitäten, Instituten und anderen kommerziell orientierten Unternehmen ist extrem wichtig", so Dr. Norrie Russell (Research Section Manager). "Die Kooperationen ermöglicht es, schneller zum Forschungsziel zu kommen."

Seit Teilung des Mutterkonzerns ICI vor rund fünf Jahren (die Pharmasparte wurde damals unter dem neuen Namen "Zeneca" vom Rumpf des Unternehmens abgespaltet) ging das britische Unternehmen insgesamt 14 große Forschungskooperationen ein. Die Mehrzahl der Forschungspartner sind außerhalb Großbritanniens ansässig.

Besonders wichtig sind die Forschungskooperationen laut Forschungschef Russell auf gentechnologischem Gebiet. "Kooperationen bei der Forschung und Entwicklung von neuen Arzneimitteln gehören die Zukunft", so Russell. Der Druck auf Unternehmen wie Zeneca, in immer kürzerer Zeit immer teurere und bessere Produkte hervorzubringen, sei heute so groß, daß keiner mehr allein die Risiken und Kosten tragen wolle. Pro Monat prüft Zeneca zwischen 40 und 50 neue Kooperationsmöglichkeiten. Die wenigsten führen zum Abschluß konkreter Verträge.

Eine der besonders erfolgreich laufenden Kooperationen besteht nach Angaben Russels seit rund eineinhalb Jahren mit dem amerikanischen Unternehmen Incyte. Zeneca hat Zugriff auf verschiedene Datenbanken der Amerikaner. Im Gegenzug bezahlen die Briten Grundgebühren sowie nutzungsabhängige Zugangsbeiträge. Außerdem verpflichtete sich Zeneca laut Russell, auf Präparate, die mit Hilfe von Incyte-Technologien oder -daten entstanden sind, Tantiemen zu bezahlen. Ein anderer Kooperationspartner, Silicon Graphics, setzt die Datenmassen, die auf gentechnischem Gebiet gewonnen werden, in dreidimensionale Bilder so um, daß die Zeneca-Forscher damit arbeiten können. Auch dafür bezahlen die Briten Gebühren.

Im internationalen Vergleich ist das britische Unternehmen aber keinesfalls das aktivste auf dem Gebiet der Forschungskooperationen. Andere Hersteller wie Bristol-Myers Squibb, Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham sind in den vergangenen Jahren noch häufiger Kooperationen eingegangen. Ebenso wie Zeneca bevorzugen auch die anderen Pharmagiganten die Zusammenarbeit mit kleinen oder mittelgroßen Unternehmen, vorwiegend auf den Gebieten der Biotechnologie und der Genforschung. Roger Lloyd, bei Zeneca zuständig für die Erschließung neuer Geschäfte, sagt: "Anderer Leute Erfindungsreichtum zu nutzen, ist ein Schlüsselelement unseres Risikomanagements."

Die Mehrzahl der Forschungskooperationen zwischen Zeneca und seinen Partnern ist erfolgsabhängig. Das heißt, je erfolgreicher ein aus der Kooperation hervorgehendes Medikament auf dem Markt ist, desto mehr muß Zeneca an den kleineren Partner bezahlen. Das verkleinert das Risiko. Früher war es laut Lloyd oft so, daß Zeneca bereits zu einem frühen Stadium der Zusammenarbeit mit hohem Kapitaleinsatz spielte. Sollten dann freilich die später folgenden Medikamente nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen, so verloren die Briten viel Geld.

Die Forschungsallianzen sollen Zeneca nach Meinung Londoner City-Experten helfen, die sogenannte "Pipeline-Lücke" zu schließen. Zeneca steht - wie andere große internationale Arzneimittelhersteller auch - heute vor dem Problem, daß einige altbewährte Umsatzträger ihren Patentschutz verloren haben oder diesen demnächst einbüßen werden.

Die Patentlaufzeit für das Präparat Zestril (Acerbon), das in der Therapie von Herzgefäßerkrankungen verordnet wird, läuft in Deutschland 1999 und in den USA im Jahre 2001 aus. Kürzlich mußten die Forschungsarbeiten für das Antimykotikum ZD0870 eingestellt werden. Das hat die Briten in die unerfreuliche Lage gebracht, daß im Jahre 2000 vermutlich nur ein einziges neues Medikament in der letzten Phase der klinischen Erprobung stehen wird (Faslodex zur Behandlung von Brustkrebs).

"Derartige Schwankungen im Forschungsbetrieb sind branchenüblich", versichert Russell. Marktkenner verweisen außerdem darauf, daß es Zeneca in der Vergangenheit immer wieder verstanden habe, Produkte hinzuzukaufen. So sei Zestril zum Beispiel von Merck erworben worden. Das in Deutschland unter dem Markennamen Ascotop (Zomig) verkaufte Migränemittel kam aus dem Hause Glaxo Wellcome.

Trotz jüngster Schwankungen des Londoner Aktienkurses blickt Zeneca optimistisch in die Zukunft. Onkologische Medikamente sollen eine prominentere Rolle im Portfolio erhalten; Präparate zur Behandlung von Herzgefäßerkrankungen dürften in den kommenden Jahren an Bedeutung verlieren. "Da sehen wir kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten", so Mike Asbury, zuständig für internationales Marketing. Zu den neuen und erfolgreichen Produkten aus dem Hause Zeneca zählen unter anderem das Prostatakrebs-Therapeutikum Casodex, das in der Behandlung von Brustkrebs eingesetzte Arimidex sowie Seroquel, das kürzlich in Großbritannien eingeführt wurde. Indikationsbereich ist unter anderem die Schizophrenie.

PZ-Artikel von Arndt Striegler, Macclesfield
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