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Erste Hilfe bei Erkrankungen der Augen

12.10.1998  00:00 Uhr

-Pharmazie

Govi-Verlag

Erste Hilfe bei Erkrankungen der Augen

Für viele Menschen sind Apotheken die ersten Anlaufstellen bei Augenerkrankungen. Wer eine Bindehautentzündung hat, geht damit nicht direkt zum Arzt. "Konjunktivitis ist 'das' Krankheitsbild in der Apotheke," sagt auch Dr. Hermann Liekfeld. In einem Seminar während des Expopharm-Kongresses am 3. Oktober in München erklärte der Arzt und Apotheker, was Pharmazeuten über Augenkrankheiten wissen sollten.

"Entzündliche Erkrankungen am Auge werden bei Kindern und Erwachsenen meist von unterschiedlichen Erregern ausgelöst," sagte Liekfeld. Während es sich bei Kleinkindern in der Regel um bakterielle Entzündungen handele, stehe bei Erwachsenen die virale Infektion im Vordergrund. Allerdings treten bei Erwachsenen häufig bakterielle Superinfektionen auf, weshalb auch eine Antibiotikatherapie sinnvoll sein kann.

Anhand von Fallbeispielen zeigte Liekfeld, was Apotheker ihren Patienten empfehlen sollten:

1) Ein 30jähriger Patient kommt mit sichtbar gerötetem Auge in die Apotheke und klagt über Brennen und leichte Schmerzen beim Aufstehen.

In diesem Fall sollte der beratende Apotheker zuerst fragen, ob die Symptome zum ersten Mal aufgetreten seien und ob der Patient an einer Allergie leide. Diese könne allerdings nur dann vorliegen, wenn beide Augen gerötet sind und der Patient einen Juckreiz verspüre.

Ist nur ein Auge betroffen, handele es sich wahrscheinlich um eine durch mechanische Reize ausgelöste Konjunktivitis oder eine beginnende virale Infektion. Viruserkrankungen des Auges beginnen oft einseitig, im weiteren Verlauf greift die Erkrankung auf das zweite Auge über.

Grundsätzlich sei das beschriebene Krankheitsbild ein Fall für den Augenarzt, führte Liekfeld aus. Dieser sollte dann ein Breitspektrum-Antibiotikum verschreiben um eine Superinfektion zu verhindern. Strittig sei dagegen der Einsatz von Glukokortikoiden. Diese hemmen zwar die Entzündung effektiv, wirken aber gleichzeitig immunsupprimierend, was die Heilung verlangsamt.

Sollte es dem Patienten nicht möglich sein, direkt einen Arzt aufzusuchen, könne der Apotheker ein Sympathomimetikum empfehlen. Allerdings eigne es sich lediglich zum kurzfristigen Einsatz, da es als Vasokonstriktor zwar die Rötung reduziere, aber gleichzeitig den Abtransport der Keime verlangsame.

2) Eine Mutter wünscht Augentropfen für ihr sechs Monate altes Kind, weil das Kind morgens die Augen verklebt habe und sich diese oft reibe.

In diesem Fall handele es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine bakterielle Infektion, erklärte Liekfeld. Dies werde auch durch die verklebten Augen bestätigt, die auf Eiter zurückzuführen seien. Virale Infektionen führen dagegen zu einer Sekretbildung.

Wiederum sei der Gang zum Augen- oder Kinderarzt unerläßlich. Dieser werde ein Antibiotikum mit breitem Wirkspektrum verschreiben, da eine genaue Bestimmung des Erregers zu aufwendig sei. Liekfeld wies darauf hin, daß in diesem Fall, der Einsatz eines Sympathomimetikums falsch sei.

3) Ein etwa 60jähriger Patient leidet seit Monaten unter beidseitigen Augenschmerzen, die sich zum Abend hin verstärken. Die Lidränder beider Augen sind gerötet.

Mit großer Wahrscheinlichkeit leide der Mann unter dem Trockenem Auge, so Liekfeld. Die Erkrankung trete vor allem bei älteren Menschen auf, sei immer beidseitig und verlaufe chronisch. Die richtige Empfehlung sei hier ein Tränenersatzmittel, das das Auge befeuchte. Allerdings müsse darauf geachtet werden, daß Kontaktlinsenträger kein konservierungsmittelhaltiges Präparat einnehmen. Da weiche Kontaktlinsen das Konservierungsmittel wie einen Schwamm aufsaugen, wodurch das Auge permanent mit der Substanz in Kontakt komme.

4) Eine 20jährige Patientin klagt über einen einseitig zunehmenden Schmerz im Bereich des linken inneren Augenwinkels, der sich bei Bewegung des Augenlids verstärke.

Die junge Frau leide wahrscheinlich an einem Gerstenkorn, sagte Liekfeld. Die Therapie sollte hier mit einer antibakteriellen Salbe erfolgen. Eine Salbe habe gegenüber Tropfen den Vorteil, daß sie den Pfropf, der den Drüsenkanal verschließt, aufweiche. Zur Salbe sollte auch eine Kompresse abgegeben werden um die Salbe am Auge zu halten.

Möglich sei aber auch, daß die Frau ein Hagelkorn habe. Im Gegensatz zum Gerstenkorn wäre dann eine medikamentöse Therapie unsinnig. Ein Hagelkorn müsse immer operativ entfernt werden, allerdings mache es auch keine Schmerzen, weshalb die Operation oft aufgeschoben werde.

5) Eine 25jährige Patientin, Kontaktlinsenträgerin, wünscht Augen- und Nasentropfen zur Vorbeugung gegen Heuschnupfen.

Sinnvoll sei hier ein schnell wirksames Antihistaminikum, um die allergische Reaktion zu unterdrücken, führte der Referent aus. Bei Kontaktlinsenträgerinnen sollte außerdem dazu geraten werden, für die Zeit des Pollenfluges statt der Linsen eine Brille zu tragen.

PZ-Artikel von Daniel Rücker, München
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