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12.10.1998  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  13.10. DPWV: Für ökonomische Gesundheitspolitik
PZ. Der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) fordert von der neuen rot-grünen Bundesregierung eine "patientenorientierte Gesundheitspolitik". Vor weiteren Beitragssatz-Erhöhungen der Krankenkassen gelte es, so Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider heute in Bonn, alle vorhandenen Rationalisierungsreserven im Medizinbetrieb voll auszuschöpfen. Wesentliche Spareffekte gingen von einer Arzneimittel-Positivliste sowie dem vermehrten Einsatz von Reimport-Medikamenten aus. Die Patientenverbände seien im Interesse sachgerechter Lösungen an der Präparate-Auswahl für eine Positivliste zu beteiligen. Ulrich Schneider erinnerte die künftigen Regierungsparteien auch an ihr Versprechen, chronisch Kranke bei der Versicherten-Selbstbeteiligung zu entlasten.

12.10. Medizin-Nobelpreis an drei US-Forscher
dpa. Drei US-amerikanische Forscher erhalten in diesen Jahr den Medizin-Nobelpreis. Robert F. Furchgott (82), Louis J. Igriarro (57) und Ferid Murad (62) hatten Mitte der 80er Jahre entdeckt, daß Stickstoffmonoxid (NO) ein bedeutender Signalstoff des Körpers ist, teilte das Karolinska Institut am Montag in Stockholm mit. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,5 Millionen Mark dotiert. NO spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Kreislaufsystems und dient zudem als Signalmolekül für Nerven und als Waffe gegen Infektionen. Für Robert Furchgott ist die Auszeichnung „mächtig aufregend". Er entdeckte 1980, daß die innere Schicht der Blutgefäße einen Stoff produziert, den er EDRF (endothelial derived relaxing factor) nannte und der die Gefäße entspannt. Ferid Murad von der University of Texas in Houston fand heraus, daß NO auf die glatten Muskelzellen der Blutgefäße wirkt. Louis Ignarro von der UCLA School of Medicine in Los Angeles kam 1986 zur gleichen Zeit wie Furchgott aber unabhängig von diesem zur Schlußfolgerung, daß EDRF gleichbedeutend mit NO ist. NO-freisetzende Nitratpräparate werden zur Behandlung von Bluthochdruck, Thrombose und Atherosklerose eingesetzt. Derzeit forschen Mediziner an NO-haltigen Medikamenten gegen Krebs und gegen Bakterien. Das Gas kann den programmierten Zelltod, die Apoptose, auslösen.

12.10. Neue Regierung will Zuzahlung senken
PZ. In Bonn verdichten sich Informationen, nach denen die ersten gesundheitspolitischen Maßnahmen der neuen Regierung dem Fahrplan des SPD-"Startprogramms" zumindest sehr nahe kommen werden. Dazu gehören die Rückführung von Patientenzuzahlungen, die Aufhebung des Koppelungsmechanismus Beitragssatzsteigerung und Zuzahlungserhöhung, die Wiedereinführung von Zahnersatzleistung für die nach 1978 Geborenen, die Rückkehr zum Sachleistungsprinzip beim Zahnersatz sowie eine GKV-Ausgabenbegrenzung mittels Globalbudget, das jeweils entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung fortgeschrieben werden soll. Auch die Vorbereitungen zur Einführung einer Arzneimittel-Positivliste dürften nach Amtsantritt der neuen Regierung beginnen. Über die personelle Besetzung an der Spitze des Gesundheitsministeriums gibt es unterdessen neue Spekulationen. Bislang galt Andrea Fischer, Sozialexpertin bei Bündnis 90/Die Grünen, als Favoritin. Nachdem sich nun abzeichnet, daß SPD-Fraktionschef Rudolf Scharping sein Amt wohl doch nicht an Franz Müntefering verlieren wird, gilt der SPD-Bundesgeschäftsführer wieder als heißer Anwärter auf ein Ministeramt. Nach anderen Informationen rechnet sich auch der parteilose Berliner Ärztekammerpräsident Dr. Ellis Huber noch immer Chancen für einen Ruf nach Bonn aus.

12.10. Roche wächst dank Boehringer-Übernahme
dpa. Dank der Übernahme des Mannheimer Diagnostikaherstellers Boehringer hat der Schweizer Pharmakonzern Roche sein starkes Wachstum auch um dritten Quartal fortgesetzt. Roche konnte den Umsatz zum 30. September um 32 Prozent auf 18,475 Milliarden Franken (20,692 Milliarden DM) steigern, teilte Hoffmann-La Roche am Montag mit. Das Unternehmen rechnet für das ganze Jahr mit einem Konzerngewinn, der über dem letztjährigen Pro-Forma-Ergebnis von 4,3 Milliarden Franken liegt. Durch die Sonderbelastungen aufgrund der Boehringer-Übernahme hatte das Konzernergebnis 1997 einen einmaligen Minus-Betrag von 2,03 Milliarden Franken ausgewiesen. Der Pharma-Bereich konnte beim Umsatz mit 19 Prozent auf 10,672 Milliarden Franken über dem Marktwachstum zulegen. Die Division Diagnostics konnte durch die Boehringer-Übernahme ihren Umsatz um fast 400 Prozent auf 3,440 Milliarden Franken erhöhen. Die Division Vitamine und Feinchemikalien mußte in einem weltweit schwierigen Preisumfeld mit 2,763 Milliarden Franken einen um drei Prozent gesunkenen Umsatz hinnehmen. Riechstoffe und Aromen nahmen um neun Prozent auf 1,600 Milliarden Franken Umsatz zu.

12.10. EU will seltene Krankheiten erforschen
vwd. Das Europaparlament hat mehr Mittel für geplante Aktionsprogramme der EU zur besseren Bekämpfung von umweltbedingten und seltenen Krankheiten gefordert. Nach Ansicht der Parlamentarier sollten für die beiden Programme insgesamt rund 21 Millionen ECU (41,3 Millionen DM) zur Verfügung gestellt werden. Der EU-Ministerrat will dagegen nur 10,4 Millionen ECU (20,5 Millionen DM) bewilligen. Beide Seiten müssen sich nun in einem Vermittlungsverfahren um einen Kompromiß bemühen. Das Europaparlament hat in dieser Frage ein Mitentscheidungsrecht.Eines der Programme zielt darauf ab, Informationen über Krankheiten zu sammeln, die durch Luftverschmutzung und andere Umwelteinflüsse hervorgerufen werden. Außerdem soll eine Liste mit allen Schadstoffen erstellt werden, die nach heutigen Erkenntnissen Krankheiten hervorrufen können. Mit dem anderen Programm soll die Erforschung seltener Krankheiten, etwa der Hirnerkrankung Creutzfeldt-Jakob, gefördert und EU-weit koordiniert werden. Dazu müsse eine zentrale Datenbank eingerichtet werden, forderte das Europaparlament.

09.10. WHO will Polio europaweit ausrotten
dpa. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will die Kinderlähmung mit einer Impfaktion in der Türkei und angrenzenden Ländern europaweit ausrotten. In diesem Jahr waren aus dem Südosten der Türkei 13 Fälle von Poliomyelitis gemeldet worden, teilte die Europazentrale der UN-Organisation am Freitag in Kopenhagen mit. In allen anderen 50 europäischen Mitgliedsländern der WHO gelte diese Krankheit als ausgerottet. Insgesamt sollen nach Auskunft der WHO 2,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren in der Türkei und angrenzenden Gebieten im Irak, Iran und Syrien gegen die Viruserkrankung geimpft werden. Die Impfaktion soll noch im Oktober beendet sein.

09.10. Preisabsprachen bei Vitaminproduzenten?
vwd. Mehrere europäische und US-Vitaminproduzenten werden von EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert wegen mutmaßlicher Preisabsprachen untersucht. Der Sprecher van Mierts bestätigte am Mittwoch gegenüber dem Wirtschaftsdienst vwd, daß die Europäische Kartellbehörde in dem Fall mit dem US-Justizministerium zusammenarbeite. In Deutschland seien die BASF und die Degussa betroffen. Wie van Miert hinzufügte, werden die angeblichen Preisabsprachen bereits seit Juli 1996 untersucht. Dem Vernehmen nach konzentriert sich die laufende Untersuchung auf Preisabsprachen bei Tiernahrung - mit einem Volumen von drei Milliarden US-Dollar im Jahr das größte Segment im Vitaminmarkt. Wegen Preismanipulationen bei dem Nahrungsmittelzusatz Lysin war die US-Nahrungsmittelgruppe Archer-Daniels-Midland, Decatur, verurteilt worden. Dem Sprecher zufolge sei derzeit alles offen. Weder seien Beschwerdepunkte in Vorbereitung noch an Unternehmen abgeschickt worden, sagte er.

09.10. MDK soll Bundesausschuß unterstützen
PZ. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) wird eingespannt, um die Arbeit des Bundesausschusses Ärzte und Krankenkassen zu beschleunigen. Das haben die GKV-Spitzenverbände und der Medizinische Dienst der Spitzenverbände beschlossen. Hintergrund der Initiative: Die Einzelerstattung für unkonventionelle Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (UUB) soll möglichst ausgeschlossen werden. Bisher wird der UUB-Verordnungsmarkt mit zur vertragsärztlichen Versorgung (noch) nicht zugelassenen Mitteln und Methoden auf Antrag vom MDK einzeln bewertet. Basis dafür war jeweils die sozialgerichtliche Rechtsprechung, die jedoch im Laufe der Zeit immer weiter eingeengt worden ist. Dennoch kann sich eine Leistungspflicht der Krankenkassen ergeben, etwa wenn der Bundesausschuß wegen Überlastung bislang nicht entscheiden konnte. Deshalb soll der MDK beantragte und begutachtete unkonventionelle Maßnahmen und Methoden auflisten und gewichten. Auf dieser Grundlage soll festgelegt werden, in welcher Reihenfolge Maßnahmen und Methoden zu überprüfen sind.

08.10. Krebsregister tritt bald in Kraft
dpa. Das gemeinsame Krebsregister der neuen Bundesländer kann in Kürze in Kraft treten. Der sächsische Landtag hat am Donnerstag in Dresden den Staatsvertrag über das Register gebilligt. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben die Ratifikationsurkunden des 1997 unterzeichneten Vertrags bereits in Berlin hinterlegt. Mit dem Register wird das 1953 gegründete nationale Krebsregister der DDR fortgeführt, das bis zur Wende mit rund 2,3 Millionen Patientendaten als weltgrößte Datensammlung ihrer Art galt. Das gemeinsame Krebsregister der Ost-Länder wird in Berlin geführt. Gemeldet werden Art und Häufigkeit von Tumorerkrankungen sowie persönliche Daten der Betroffenen. Die anonymisierten Daten dienen als Grundlage für Forschungsprojekte. Rechtsgrundlage für die sehr unterschiedlich ausgestatteten Krebsregister aller Bundesländer ist das seit 1995 gültige Krebsregistergesetz des Bundes, das aber nur ein Melderecht enthält. Das Gesetz war erst nach langem politischen Streit in Kraft getreten. Bayern, Bremen, Hessen und Schleswig-Holstein wurden so verpflichtet, binnen fünf Jahren solche Datensammlungen neu einzurichten.

07.10. Arzneiumsatz in Apotheken steigt weiter
PZ. Der Arzneimittelumsatz in Apotheken bleibt auf Wachstumskurs. Von Januar bis August 1998 wurden Medikamente im Wert von 17,77 Milliarden DM (Herstellerabgabepreise) in Apotheken abgegeben. Das bedeutet eine Steigerung um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das berichtet das Institut für Medizinische Statistik (IMS) in Frankfurt am Main. Bei rezeptpflichtigen Präparaten betrug das Wachstum sieben Prozent, die rezeptfreien gingen dagegen um 0,4 Prozent zurück. Ein Vergleich des Monats August 1998 mit dem Vorjahresmonat zeigt für große, primär rezeptpflichtige Arzneimittelgruppen überdurchschnittliche Umsatzzuwächse, berichtet IMS weiter. Bei einem Gesamtmarktwachstum von 11,1 Prozent in diesem Monat legten beispielsweise Lipidsenker um 41 Prozent zu. Bei Aids-Präparaten betrug der Zuwachs 43 Prozent und bei Ulcustherapeutika 26 Prozent. Starke Rückgänge verzeichneten vorwiegend rezeptfreie Gruppen. So nahmen beispielsweise topische Antivarikosa um 13 Prozent und Antiarteriosklerotika natürlicher Herkunft um 15 Prozent ab.

07.10. Neue medizinische Kohle
PZ. 150.000 bis 200.000 Vergiftungen werden jährlich in Deutschland gemeldet. Eine neue Kohlesuspension soll eine Ausbreitung des Giftes im Körper verhindern. Die häufigsten Intoxikationen erfolgen mit Haushaltschemikalien, Pflanzen, durch Medikamentenmißbrauch, sagte Professor Dr. L. Sacha Weilemann während eines Pressegespräch der Firma Merck anläßlich der Einführung von Ultracarbon® eingeladen hatte. Die medizinischen Kohle sei zur primären Giftelimination in verschiedensten Vergiftungsfällen geeignet, werde als Suspension eingenommen und könne deshalb leichter angewendet werden als gewöhnliche Kohletabletten, so Weilemann. Eine primäre Giftelimination sei in jedem Fall notwendig. Das Universaladsorbens verhindere, daß das Gift vom Körper resorbiert wird und dort systemisch wirken kann. Provoziertes Erbrechen und Magenspülungen würden demgegenüber als Primärmaßnahmen in den Hintergrund treten. Besonders Kinder und Jugendliche, die häufig Opfer von Vergiftungen werden, profitierten von dem neuen Produkt, erklärte Dr. Wolfgang Jonitz von der Informationszentrale für Vergiftungen, Freiburg.

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