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13.10.1997  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  13.10. DAG fordert Arbeitsplatz ohne Rauch
Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) hat sich für den gesetzlichen Anspruch von Arbeitnehmern auf einen rauchfreien Arbeitsplatz ausgesprochen. "Nach neuen medizinischen Untersuchungen haben Menschen, die 10 bis 15 Jahre in stark verrauchten Räumen arbeiten, ein fast doppelt so hohes Lungenkrebsrisiko wie nicht oder nur gering Belastete", erklärte DAG-Bundesvorstandsmitglied Lutz Freitag am Sonntag in Hamburg. Ein Nichtraucherschutzgesetz müsse die Arbeit der Betriebsräte rechtlich abstützen, die dem Passivrauchen am Arbeitsplatz in den letzten Jahren erfolgreich den Kampf angesagt hätten. Ein im Bundestag eingebrachtes Gesetz zum Schutz der Nichtraucher ist quer durch alle Fraktionen umstritten.

13.10. In Schwangerschaft auf Alkohol verzichten
Alkohol ist die häufigste nichtgenetische Ursache einer geistigen Entwicklungsverzögerung beim Kind. Daß Alkhol in der Schwangerschaft tabu sein sollte, hat sich anscheinend immer noch nicht herumgesprochen: Denn immerhin kommen jedes Jahr 2200 Kinder in der Bundesrepublik mit dem Vollbild einer Alkoholembryopathie zur Welt, nannte Professor Dr. Hermann Löser, Universitätsklinik Münster, auf einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte und Pharmazeuten Zahlen. Hinzu kommen noch tausende von Kindern mit Alkoholeffekten, die ohne sichtbare Veränderungen wie Hirnleistungsschwächen, Lern- oder Verhaltensstörungen aufwachsen. Studien haben ergeben, daß die Mütter entweder alkoholabhängig sind, episodenhaft exzessiv oder auch gewöhnlich trinken. Eine Dosis, in der Alkohol noch sicher verträglich ist, ist bis heute nicht bekannt. Selbst ein durchschnittlicher täglicher Konsum von nur 15 Gramm reinen Alkohols hält Löser "für nicht unschädlich". Nach Löser ist also selbst "das Gläschen in Ehren" tabu. Die Alkoholmenge wirke sich bei jeder Frau anders aus. Der Schweregrad einer Hirnfunktionsstörung beim Kind korreliere nicht linear mit der genossenen Alkohlmenge. Zahlreiche andere Faktoren spielen mithinein: zelluläre und metabolische Anpassungsmechanismen, Alter der Mutter, Trinkdauer oder Ernährungszustand. Im übrigen hat Nikotin einen additiven Effekt.

13.10. Grüne lehnen Gentechnik auch in Medizin ab
Für die Grünen ist die Gentechnik grundsätzlich tabu, das gilt auch für deren Einsatz in der Medizin. "Das reduzierte biologisch-mechanische Menschenbild der Gentechnik gefährdet die grundlegenden Werte der Demokratie, die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit", hieß es in einer veröffentlichten Erklärung von Bündnis 90/Die Grünen anläßlich eines dreitägigen Kongresses zur Gen-Medizin in Berlin. Die bevorzugte Förderung alternativer Konzepte in der Medizin bleibe das Ziel grüner Gesundheitspolitik. In der Medizin gebe es vielversprechende Konzepte, die ohne Gentechnik auskämen, hieß es. Dazu gehören nach Ansicht der Grünen alle Ansätze, Krankheiten im sozialen Kontext zu untersuchen ebenso wie Verfahren der Naturheilkunde. Auch bei der Ursachenforschung und der Umweltmedizin gebe es Nachholbedarf. Die Grünen forderten zudem höhere Sicherheitsstandards in der Gentechnik sowie ein umfassendes Verbot der Patentierung von Genen.

10.10. Virologen: Hepatitis B ist ausrottbar
Hepatitis B kann nach Ansicht von Virologen ausgerottet werden. Voraussetzung sei eine "Durchimpfung" von mindestens 80 Prozent der Bevölkerung, sagte Hans Wilhelm Doerr, Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, bei einer Konferenz in Berlin. Ab sofort werden Säuglinge in Deutschland routinemäßig gegen den Hepatitis-B-Virus geimpft. Bei den Erwachsenen sollten sich unbedingt medizinisches Personal, Prostituierte und Fernreisende impfen lassen, sagte er. In Deutschland tragen etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung das Virus.

10.10. Berufsgerichtsverfahren gegen Ellis Huber
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin hat bei der Berliner Ärztekammer ein Berufsgerichtsverfahren gegen Kammerpräsident Ellis Huber beantragt. Begründet wird der Antrag mit Äußerungen Hubers in mehreren Interviews. Er hatte einem Teil der Berliner niedergelassenen Ärzte vorgeworfen, sie würden bei der Honorarabrechnung mogeln. Nach Ansicht der KV schädigt Huber damit das Ansehen der Ärzteschaft. Huber warf der KV in einer Stellungnahme vor, sie wolle offenbar mit dem Verfahren "die Profiteure des jetzigen Systems schützen". Nach Huber benachteilige ein ungerechtes und verwirrendes Honorarsystem die gewissenhaft arbeitenden Ärzte und begünstige die Abrechnungskünstler. Die Sprecherin der Ärztekammer zeigte sich "sehr überrascht über den scharfen Kurs der KV". Der Beschluß der KV, gegen Huber berufsrechtlich vorzugehen, sei politisch brisant, weil die Kammer gegen ihren eigenen Präsidenten ermitteln müsse. Huber präzisierte unterdessen in einem Brief an den KV-Vorsitzenden Manfred Richter-Reichhelm, daß zehn bis 20 Prozent der Kassenärzte vom Honorarverteilungssystem korrumpiert würden.

10.10. Brustkrebs Folge von Hormonsubstitution
Eine Hormonbehandlung in den Wechseljahren erhöht einer neuen Studie zufolge das Brustkrebsrisiko. Das berichtet das britische Medizinjournal "Lancet" (Bd. 350, S. 1047). Das relative Risiko steige pro Jahr der Hormoneinnahme um 2,3 Prozent. Nach fünfjähriger oder längerer Therapie sei es im Durchschnitt rund ein Drittel größer als bei Frauen nach den Wechseljahren, die keine Hormone einnehmen. In der Gruppe der untersuchten Frauen habe die durchschnittliche Einnahmezeit elf Jahre betragen. Fünf Jahre nach Absetzen der Hormone habe sich das Risiko wieder dem von Frauen angeglichen, die keine Hormone genommen hatten. In Europa und den USA gebe es bei 50- bis 70jährigen Frauen ohne Hormonbehandlung etwa 45 Fälle von Brustkrebserkrankungen auf 1000 Frauen, heißt es in der Studie, die unter der Leitung von Professor Dr. Valerie Beral vom Imperial Cancer Research Fund in Oxford durchgeführt wurde. Die Wissenschaftler vermuten, daß Hormontherapien positive Auswirkungen der Menopause wie ein vermindertes Brustkrebsrisiko verhindern. Dem stehen jedoch die gesundheitlichen Vorteile für Herz und Knochen gegenüber.

08.10. Forscher warnen vor neuer Grippe-Epidemie
Nach dem Fund eines unbekannten Grippeerregers warnen Wissenschaftler vor einer möglichen neuen Epidemie. In den Atemwegen eines im Mai in Hong Kong gestorbenen dreijährigen Kindes entdeckte eine internationale Forschergruppe Grippeviren vom Typ A, die bislang unbekannt waren und nun von dem Team analysiert werden, berichtet die jüngste Ausgabe des britischen Wissenschaftsjournals Nature (Bd. 389, Nr. 6651, S. 554). Nach der Zusammensetzung seiner Außenhülle bezeichnen die Wissenschaftler das neue Virus als H5N1-Stamm. Die Forscher unter Leitung von Albert Osterhaus, Erasmus-Universität Rotterdam, betonen, daß derartige Neukombinationen in der Vergangenheit mehrmals zu schweren, weltweiten Epidemien geführt haben. Darunter 1918 die Spanische Grippe (Stamm H1N1), 1957 die Asiatische Grippe (H2N2) und 1968 die Hong-Kong-Grippe (H3N2). Jede dieser drei großen Epidemien forderte Millionen von Todesopfern. Ob der neue H5NI-Stamm ebenfalls derartige Auswirkungen haben wird, lasse sich noch nicht sagen. Die Wissenschaftler fordern deshalb eine intensive weitere Beobachtung durch die WHO.

08.10. Ausschuß berät Nichtraucherschutzgesetz
Eine breite Mehrheit der geladenen Sachverständigen sprach sich bei einem Hearing des Bundestagsgesundheitsausschusses für einen wirksamen Nichtraucherschutz auf gesetzlicher Basis aus. Zahlreiche Mediziner wiesen dabei auf die negativen Konsequenzen des Passivrauchens für die Betroffenen hin. Schon wer nur gelegentlich einer Tabak-Exposition ausgesetzt sei, habe bereits ein um rund 60 Prozent höheres Herzinfarkt-Risiko zu tragen. Besonders bedroht sei die Gesundheit von Schwangeren sowie Kindern und Jugendlichen. Einzelne Wissenschaftler vertraten dazu im Gegensatz allerdings die Meinung, es gebe keine wissenschaftlich fundierten Beweise für Zusammenhänge zwischen einzelnen Krankheiten und dem Passivrauchen. Auch Vertreter der Tabakindustrie widersprachen dem Ruf der Mediziner nach einem wirksamen Nichtraucherschutz. Derzeit liegen dem Bundestag dazu zwei Gesetz-Entwürfe vor. Über sie will das Parlament noch in dieser Legislaturperiode entscheiden.

08.10. Stada geht an die Börse
Vom 29. Oktober an werden die Aktien der Stada Arzneimittel AG im amtlichen Handel der Wertpapierbörsen in Frankfurt und Düsseldorf notiert. Das gab Hartmut Retzlaff, Vorstandsvorsitzender der Stada Arzneimittel AG, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt bekannt. „Durch den Gang an die Börse schaffen wir ein solides Fundament für das weitere Wachstum des Stada-Konzerns sowohl in Deutschland als auch international und erhöhen gleichzeitig die Attraktivität unserer Aktie", sagte Retzlaff. Durch die Emission neuer stimmrechtsloser Vorzugsaktien wird das Kapital der Aktiengesellschaft um nominal 16,75 Millionen DM auf 67 Millionen DM erhöht. Darüberhinaus werden Optionsscheine auf stimmrechtslose Vorzugsaktien mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2002 ausgegeben. Insgesamt wird das Bankenkonsortium unter der Führung von Trinkaus & Burkhardt 335.000 stimmrechtslose Vorzugsaktien zum Preis von 302 DM bei einem Nennwert von je 50 DM sowie 215.000 Optionsscheine zum Preis von 45 DM ausgeben.Vom 10. Oktober an können die bisherigen Stada-Aktionäre Vorzugsaktien im Bezugsverhältnis drei zu eins sowie Optionsscheine im Verhältnis fünf zu eins zeichnen. Die Bezugsfrist für Neuaktionäre beginnt am 22. Oktober und endet am 24. Oktober. Die Stada erwartet eine hohe Nachfrage nach den neuen Vorzugsaktien und Optionsscheinen. Zur Zeit sind etwa 11.000 Aktionäre - davon 80 Prozent Apotheker und Ärzte - im Besitz von über einer Million vinkulierter Namensaktien. Für alle an Stada-Aktien Interessierten gibt es eine kostenlose Info-Hotline unter der Nummer 0130-726825.Top


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