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Amidaron senkt Todesrate nach Herzinfarkten

13.10.1997  00:00 Uhr

-Medizin

Govi-Verlag

Amidaron senkt Todesrate nach Herzinfarkten

Zwei placebokontrollierte randomisierte Studien in Nordamerika und Europa haben bei bestimmten Herzinfarktpatienten die Wirksamkeit des Antiarrhythmikums Amiodaron zur Vermeidung von Kammerflimmern und dadurch bedingte Todesfälle belegt. Hiermit unterscheidet sich Amiodaron von einer Reihe von Typ-1-Antiarrhythmika, die sich in Langzeitstudien auf diesem Gebiet nicht nur als unwirksam erwiesen, sondern sogar möglicherweise das Sterberisiko nach Herzinfarkt erhöhen.

Ventrikuläre Arrhythmien sind eine der Haupttodesursachen, nachdem ein Patient die akute Phase des Herzinfarktes überlebt hat. Obwohl die meisten klinischen Prüfungen mit Antiarrhythmika derartige ventrikuläre Arrhythmien als Einschlußkriterium benutzten, gibt es keinen Beweis, daß die Unterdrückung dieser Arrhythmien die Sterblichkeit vermindert hätte. Amiodaron besitzt mehrere potentiell günstige Wirkmechanismen, positive Wirkungen wurden in mehreren kleineren klinischen Prüfungen gezeigt.

Der wichtigste unabhängige Risikofaktor für die Sterblichkeit nach Herzinfarkt ist eine Linksherzinsuffizienz. In der jetzt abgeschlossenen European Myocardial Infarct Amiodarone Trial (EMIAT) wurde untersucht, ob Amiodaron die Sterblichkeit bei Patienten mit hohem Sterblichkeitsrisiko nach Herzinfarkt vermindert, wenn eine verminderte Ventrikelfunktion (Linksherzinsuffizienz) vorliegt. Die Patienten wurden unabhängig von vorliegenden ventrikulären Arrhythmien in die doppelblind randomisierte Studie aufgenommen.

Insgesamt wurden 1486 Herzinfarktüberlebende mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) von 40 Prozent oder weniger entweder mit Placebo oder mit 800 mg Amiodaron täglich über 14 Tage behandelt, gefolgt von 400 mg täglich für 14 Wochen und dann 200 mg täglich bis zum Ende der Studie. Die Patientengruppen wurden durchschnittlich über einen Zeitraum von 21 Monaten hinsichtlich des primären Zielparameters (Veränderung der Mortalität jeder Ursache) und der Sekundärparameter (kardiale Sterblichkeit und Arrhythmie-bedingte Sterblichkeit) beobachtet und ausgewertet. Die Auswertung der EMIAT-Studie ergab, daß Amiodaron nicht die Gesamtsterblichkeit (103 Todesfälle in der Amiodarongruppe, 102 in der Placebogruppe) oder die Sterblichkeit an kardialen Ursachen verminderte. Jedoch reduzierte es das Risiko von Arrhythmie-bedingter Sterblichkeit um 35 Prozent.

Die EMIAT-Ergebnisse unterstützen nicht den generellen Einsatz von Amiodaron bei allen Patienten mit verminderter linksventrikulärer Ejektionsfraktion nach einem Herzinfarkt. Dagegen weisen das fehlende proarrhythmogene Potential und die verminderte Arrhythmie-bedingte Todesrate Amiodaron als Therapie bei Patienten mit ventrikulären Arrhythmien nach einem Herzinfarkt aus.

Diese Schlußfolgerung wird auch durch die zweite große placebokontrollierte Studie mit dem Wirkstoff gestützt, die Canadian Amiodaron Myocardial Infarction Arrhythmia Trial (CAMIAT). Sie untersuchte die Wirkung von 10 mg Amiodaron/kg Körpergewicht täglich über zwei Wochen, gefolgt von einer Erhaltungsdosis von 200 bis 300 mg Amiodaron täglich über vier Monate und 200 mg an fünf bis sieben Tagen/Wochen über 16 Monate; einbezogen waren Post-Infarkt-Patienten mit häufigen oder wiederholten vorzeitigen ventrikulären Depolarisationen.

Bei den 1202 randomisierten Patienten reduzierte Amiodaron über den Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 1,8 Jahren das relative Risiko für ventrikuläre Arrhythmien mit der Notwendigkeit einer Wiederbelebung oder Arrhythmie-bedingte Todesfälle um 48,5 Prozent. Das absolute Risiko sank dabei am stärksten bei Patienten mit Herzversagen oder einem Herzinfarkt in der Vorgeschichte.

PZ-Artikel von Sabine H. Bodem, KarlsteinTop

 

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