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Onkologie: Fortschritte in Teilbereichen

13.10.1997  00:00 Uhr

-Medizin

Govi-Verlag

Onkologie: Fortschritte in Teilbereichen

In der Onkologie gibt es auf einigen Gebieten durchaus Fortschritte zu verzeichnen. Das gilt zum einen für das Mammakarzinom, mehr aber noch für Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. So können mittlerweile immerhin sieben von zehn Kindern mit Krebserkrankung völlig geheilt werden, wie bei der Europäischen Krebskonferenz (ECCO), organisiert von der Deutschen Krebsgesellschaft in Berlin, deutlich wurde.

Das Thema "Krebs bei Kindern" werde allerdings in der Öffentlichkeit überschätzt, hieß es in Berlin; bösartige Tumoren seien im Kindesalter vergleichsweise selten. Laut Professor Dr. Herbert Jürgens, Münster, erkranken hierzulande pro Jahr rund 1800 Kinder und Jugendliche. Das entspricht etwa 14 von 100 000 Kindern oder einer Inzidenz von 2,25/100 000 Einwohner. Damit machen Krebserkrankungen bei Kindern nur etwa ein Prozent der bösartigen Tumoren aus. Eine Veränderung der Inzidenz läßt sich dabei nicht feststellen.

Krebserkrankungen bei Kindern unterscheiden sich deutlich von denen bei Erwachsenen. So sind praktisch nie die Oberflächen innerer Organe betroffen. Bei Kindern stehen vielmehr Systemerkrankungen sowie solide Tumoren im Vordergrund. Die häufigsten Formen sind somit Lymphome und Leukämien und bei den soliden Tumoren solche des Gehirns, des peripheren vegetativen Nervensystems, der Niere, der Weichteile, der Muskulatur und der Knochen.

Beeindruckende Heilungschancen

Ihre Heilungschancen sind abhängig von der Tumorart "insgesamt beeindruckend", sagte der Pädiater. Rund 75 Prozent aller krebskranken Kinder können nach seinen Worten geheilt werden, wobei mit über 80 Prozent die besten Chancen bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL), bei Keimzelltumoren, Morbus Hodgkin, Nephroblastom, Hodgkin-Lymphom sowie Retinoblastom bestehen. Eine etwa 60prozentige Heilungschance haben das Ewing-Sarkom, Osteosarkome und Weichteilsarkome. Etwas ungünstiger sieht es bei der akuten myeloischen Leukämie, dem Neuroblastom und den ZNS-Tumoren aus; bei ihnen werden derzeit Heilungschancen von rund 50 Prozent erreicht.

Grundlage dieser vergleichsweise guten Ergebnisse ist nach Jürgens die Tatsache, daß Kinder fast immer nach einem standardisierten Therapieschema in einem spezialisierten Zentrum behandelt werden; hinzu kämen deutliche therapeutische Fortschritte.

So wird sehr oft eine Kombinationsbehandlung durchgeführt, um den Tumor zu eliminieren. Als Beispiel nannte Jürgens die kombinierte Chemotherapie mit zusätzlicher Operation oder Bestrahlung. Außerdem setzen die Onkologen zunehmend auf Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation. Die klassische Knochenmarkstransplantation mit der Übertragung von Spender-Knochenmark wird inzwischen vorwiegend bei Rückfall oder nur in besonderen Risikosituationen bei akuter und chronischer Leukämie praktiziert. Allerdings bleibt nach Jürgens noch zu beweisen, ob die neueren Verfahren tatsächlich bessere Heilungsraten liefern.

Mammakarzinom-Früherkennung bleibt A und 0

Auch bei der Heilung von Brustkrebs sehen die Onkologen Fortschritte, was aber primär an der besseren Aufklärung der Frauen und den besseren diagnostischen Möglichkeiten liegen dürfte. Beides hat zur Folge, daß die Tumoren früher erkannt werden und somit per se deutlich bessere Heilungschancen bestehen. Nach wie vor stellt der Brustkrebs aber die häufigste Krebserkrankung der Frauen in der westlichen Welt dar. Rund 40 000 Patientinnen erkranken pro Jahr allein in Deutschland am Mammakarzinom, etwa 15 000 sterben. Überschätzt wird nach Professor Dr. Rolf Kreienberg, Ulm, die genetische Komponente des Karzinoms: "Sie zeichnet eindeutig nur für etwa fünf Prozent der Fälle verantwortlich." Fortschritte bei der Therapie liegen nach seinen Worten darin, daß mittlerweile nur noch bei einem Drittel der Frauen eine Brustamputation durchgeführt werden muß, zwei Drittel der Fälle können brusterhaltend operiert werden. Dann allerdings ist eine zusätzliche Strahlentherapie unverzichtbar. Unter Umständen muß auch eine Chemo- oder Hormontherapie erfolgen, um bereits ausgestreute Krebszellen zu eliminieren und Metastasen vorzubeugen. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei Mammakarzinom nach Kreienberg derzeit bei 50 Prozent. 30 Prozent der Frauen überleben die Diagnose länger als zehn Jahre, und 25 Prozent gelten als geheilt. Im individuellen Fall entscheidet dabei offenbar der Zeitpunkt der Diagnosestellung über die Prognose. Die Früherkennung bleibt nach Kreienberg beim Mammakarzinom das absolute A und 0.

PZ-Artikel von Christine Vetter, Berlin

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