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Neuer Therapieansatz bei Herzinsuffizienz

05.10.1998  00:00 Uhr

-Pharmazie

Govi-Verlag

Neuer Therapieansatz bei Herzinsuffizienz

Die Herzinsuffizienz kann vielleicht schon bald nach einem neuen Therapieprinzip behandelt werden. Das legen zumindest Studien nahe, die vor kurzem auf dem Europäischen Kardiologen-Kongreß in Wien vorgestellt wurden. Im Mittelpunkt des Interesses steht das Hormon Nesiritide.

Nesiritide ist die gentechnische Variante des Hormons B-Typ Natriuretisches Peptid (BNP), das im Organismus vorwiegend in der linken Herzkammer synthetisiert wird. Unter BNP-Einwirkung erweitern sich die arteriellen und venösen Blutgefäße, die Natrium- und Urinausscheidung erhöhen sich; der Plasmaspiegel des Hormons Aldosteron, das die Flüssigkeitsausscheidung hemmt, wird gesenkt.

An der doppelblinden, placebokontrollierten Studie nahmen 127 Patienten teil, die vor und nach einer sechsstündigen Nesiritide-Infusion untersucht wurden. Bei einer Dosierung von 0,03 µ/kg/min des Natriuretischen Hormons verbesserten sich der Allgemeinzustand und die Werte aller klinischen Symptome bei 70 Prozent der Patienten innerhalb von sechs Stunden signifikant. In der Placebogruppe war dies in der Selbsteinschätzung nur bei 15 Prozent der Fall. Es gab in der Untersuchung keinen Patienten, der überhaupt nicht auf Nesiritide ansprach. Auch andere klinische Parameter besserten sich signifikant. Der pulmonale Kapillardruck, ein Maß für die Blutansammlung in den Lungenvenen, sank nach der Nesiritide-Infusion im Vergleich zur Placebogruppe um 35 Prozent. Der kardiale Index, der die Pumpfunktion des Herzens beurteilt, stieg um 21 Prozent. Die Urinausscheidung war gegenüber Placebo signifikant gesteigert; der Plasma-Aldosteronspiegel nahm ab.

Im Frühjahr 1998 wurde Nesiritide (Natrecor®) zur Zulassung in den USA eingereicht, teilt Bayer in einer Presseinformation mit. Im nächsten Jahr soll Europa folgen.

Artikel von der PZ-Redaktion
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