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Alles Essig beim Essig

05.10.1998  00:00 Uhr

-Medizin

Govi-Verlag

Alles Essig beim Essig

Manche Kunden schwören auf ihre morgendliche Dosis Obstessig, vermischt mit lauwarmem Wasser. Aber eigentlich ist alles nur Einbildungssache, meldet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Essig hilft nach Einschätzung der DGE weder beim Abnehmen, noch hat er eine heilende Wirkung. "Ein mögliches Wohlbefinden nach dem Verzehr von Essig hat eher psychologische Ursachen", sagte der wissenschaftliche Leiter der DGE, Helmut Oberritter, in Frankfurt am Main.

Eine Gewichtsreduktion sei meist auf eine Umstellung der Ernährung, nicht aber auf den Verzehr von Essig zurückzuführen. Die meisten Bücher zum Thema Essig enthielten Rezepte mit energiereduzierter Kost. "Wer sich danach ernährt, hat gute Chancen, auch ohne Essig Gewicht zu verlieren."

Essig werde in vielen Zeitschriften und Verbraucherratgebern zu Unrecht als "Allround-Heilmittel aus der Natur" angepriesen, warnte die DGE. So solle ein Trunk aus Essig und Honig desinfizieren, entgiften, entschlacken und äußerlich Akne, Schuppenflechte oder Hautverletzungen heilen helfen. Mit Ausnahme der antibakteriellen Wirkung seien die versprochenen Effekte von Apfel-, Obst- oder Weinessig wissenschaftlich nicht haltbar. Essig und Honig würden im Stoffwechsel letztlich zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut, ohne besondere Effekte im Körper in Gang zu setzen.

Für den Offizinalltag relevant: Bei Menschen mit einem Mangel an Magensäure könne Essig unter Umständen das Völlegefühl nach dem Essen mindern, sagte Oberritter. Menschen mit empfindlicher Haut oder Ekzemen sollten keinen Essig an ihre Haut lassen, weil die Säure diese reizen kann. Wer unbedingt Essig trinken möchte, kann dies nach Darstellung der DGE ohne Bedenken tun: "Bei normalem Verzehr treten keine Unverträglichkeitserscheinungen auf."

Artikel von der PZ-Redaktion

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