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Arzneimittel und Nahrung

28.09.1998
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Govi-Verlag

Arzneimittel und Nahrung

Pharmakokinetische und pharmakodynamische Wechselwirkungen von Arzneimittein und Nahrung zeigte Privatdozent Dr. Horst Wunderer, München, auf. Aus einer Einnahme von Medikamenten zur Mahlzeit resultiert immer eine verzögerte Resorption, betonte er. Ist diese bei Akutbehandlung, zum Beispiel von Schmerzen mit Analgetika oder bei Gabe von Hypnotika, nicht erwünscht, so ist prinzipiell die Nüchterneinnahme zu empfehlen.

Unbedingt 1 bis 2 Stunden vor oder notfalls 2 bis 3 Stunden nach der Mahlzeit sollten magensaftresistente formstabile Tabletten oder Kapseln eingenommen werden. Bei Einnahme direkt nach dem Essen dauere es möglicherweise 10 bis 12 Stunden, bis diese den Magen verlassen. Werden mehrere Mahlzeiten im Laufe des Tages eingenommen, so besteht die Gefahr einer Kumulation und Überdosierung.

Verminderung der Bioverfügbarkeit

Wunderer zeigte auf, daß Nahrung die Bioverfügbarkeit von Ciprofloxacin auf 67 Prozent, von Penicillin auf 63, Furosemid auf 56, Didanosin auf 53, Norfloxacin auf 52, Penicillamin auf 49, Erythromycin auf 43, Eisen auf 42, Tetracyclin auf 41, Estramustin auf 36, Indinavir auf 22 und Oxytetracyclin auf 16 Prozent vermindert. Calcium in Milch oder Mineralwässern beeinflußt die Bioverfügbarkeit aller Biphosphonate, der Gyrasehemmer Ciprofloxacin und Norfloxacin, von Tetracyclin, Oxytetracyclin und Estramustin. Gerbstoffe vermindern die Resorption von Maprotilin und von Eisen-II-Salzen. Ballaststoffe wirken sich bei Doxepin, Desipramin, Amoixicillin, Penicillin und Lovastatin negativ aus.

Steigerung der Bioverfügbarkeit

Die gleichzeitige Aufnahme von Nahrung steigert die Bioverfügbarkeit von Mefloquin auf 140, Dixyrazin auf 160, Propranolol auf 163, Itraconazol auf 170, Spironolacton auf 171, Acitretin auf 190, Cefluroximaxetil auf 197, Vinpocetin auf 200, Erythromycinethylsuccinat auf 200, Griseofulvin auf 220, Atovaquon auf 330, Methoxsalen auf 385 und Albendazol auf 500 Prozent. Durch Blockade des First-Pass in der Dünndarmwand steigert Grapefruitsaft die Bioverfügbarkeit einiger Dihydropyridin-Calciumantagonisten, von Ciclosporin und Lovastatin.

Retardpräparate

Immer zum gleiche Zeitpunkt, sprich: im gleichen Abstand zur Mahlzeit sollten Retardpräparate eingenommen werden, deren Resorption vorrangig durch die Galenik bestimmt wird. Unabhängig von den Eigenschaften des Wirkstoffes kann Nahrung eine Steigerung oder eine Verminderung der Bioverfügbarkeit aus Retardformulierungen verursachen beziehungsweise überhaupt keinen Einfluß haben, so Wunderer.

Pharmakodynamische Wechselwirkungen: Der irreversible unspezifische MAO-Hemmer Tranylcypromin hemmt den Abbau von Tyramin aus der Nahrung und führt in Konzentrationen von wenigen Milligramm zu Vasokonstriktionen und Blutdrucksteigerung bis hin zur Blutdruckkrise mit ihren Folgen. Der Verzicht auf Nahrungsmittel, deren Tyramingehalt pro Einzelportion über 6 mg liegt, ist angezeigt. Deutlich sicherer sind die selektiven MAO-Hemmer Modobemid und Selegilin, führte der Referent aus.

Bei oralen Antikoagulantien vom Cumarintyp, die als Vitamin-K-Antagonisten wirken, ist Vorsicht geboten vor allem bei Gemüsearten wie Broccoli, Rosenkohl, Spinat und Weißkraut. Sie enthalten Vitamin K in Mengen, die sich störend auf die Wirkung der Antikoagulantien auswirken können.

PZ-Artikel von Christiane Berg, Westerland
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