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28.09.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  29.09. BPI befürchtet Diskussion um Positivliste
PZ. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) rechnet nach dem Wahlsieg der SPD mit einer neuen Debatte über die Arzneimittel-Positivliste. Seine Organisation bereite sich intern bereits darauf vor, so Verbandsvorsitzender Professor Dr. Hans Rüdiger Vogel. Sowohl Sozialdemokraten als auch Bündnis 90/Die Grünen hätten vor der Wahl unmißverständlich zu erkennen gegeben, daß sie im Falle einer rot-grünen Koalition dieses seit langem geforderte Instrument in die Praxis umsetzten. Die Ansicht des Verbandschefs wird von Bonner Beobachtern geteilt. Allerdings wird in diesem Zusammenhang auch an die zahlreichen Schwierigkeiten erinnert, an denen das 1992 interfraktionell vereinbarte "unabhängige Arzneimittelinstitut" als fachliches Bewertungsgremium schließlich scheiterte und deshalb wieder aufgelöst wurde. Daher sei kurzfristig nicht mit einer Arzneimittel-Positivliste zu rechnen.

28.09. Impfaktion gegen Virusgrippe angelaufen
dpa. Der neue Grippeimpfstoff für diesen Winter steht bereit. Das Robert-Koch-Institut, Berlin, forderte am Montag gefährdete Personen auf, sich gegen Influenzaviren impfen zu lassen. Empfohlen wird die Schutzimpfung für alle über 60jährigen sowie für Menschen mit chronischen Lungen-, Herz-Kreislauf- und Leber-Nieren-Erkrankungen. Die Aufforderung richtet sich auch an Diabetiker und Patienten mit Blutarmut (Anämie) und Immunschwäche. Die Impfung sollte in den nächsten Wochen erfolgen und kann von jedem Haus- und Betriebsärzt vorgenommen werden. Der Impfschutz beginnt frühestens nach einer Woche und besteht mindestens zehn Monate. Da sich Grippeviren ständig verändern, wurden neue Impfvarianten hergestellt. Produziert und auch in Deutschland zugelassen wurde die Variantenkombination A/Sydney/5/97(H3N3), A/Beijing/262/95(HIN1) und B/Beijing/184/93.

26.09. Gewinnanstieg beim ARZ Haan
PZ. Ein positives Resümee des ersten Geschäftsjahr als Aktiengesellschaft zog der Vorstandsvorsitzende des Apothekenrechenzentrums (ARZ) Haan, Rainer Lorenzen. Mit einem Umsatz von 38,341 Millionen DM 1997 habe das Rechenzentrum sein Vorjahresergebnis um 1,9 Millionen DM übertroffen, bilanzierte Lorenzen auf der Hauptversammlung am 26. September in Düsseldorf. Damit habe das ARZ auch als Aktiengesellschaft das kontinuierliche Wachstum seit 1993 fortgesetzt. Im ersten Jahr nach dem Gesundheitsstrukturgesetz hatte das Unternehmen einen Umsatz von 26, 938 Millionen DM erwirtschaftet. Das Betriebsergebnis im operativen Geschäft lag 1997 bei 6,289 Millionen DM und damit etwa 5 Prozent über dem Vorjahresergebnis von 5,956 Millionen DM. Ein wesentlicher Grund für die Ergebnisverbesserung sei das strikte Kostenmanagement und die moderate Steigerung bei Personalkosten und beim Mehraufwand für bezogene Waren und Leistungen, sagte Lorenzen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Gsechäftstätigkeit stieg sogar um fast 10 Prozent auf 6,937 Millionen DM.

28.09. AVR: Gericht entscheidet gegen Kassen
PZ. Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen nicht an der Verbreitung des Arzneiverordnungsreports (AVR) mitwirken. Dies sei das Ergebnis des ersten Hauptsacheverfahrens beim Landgericht Düsseldorf, das das BPI-Mitgliedsunternehmen Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel angestrengt hatte, teilt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) mit. Die bisherigen Entscheidungen betrafen Einstweilige-Verfügungs-Verfahren. Der BPI hat das am 25. September verkündete Urteil gegen den umstrittenen Arzneiverordnungsreport (AVR) ausdrücklich begrüßt. Der Verband sieht sich damit seine von Anfang an vertretene Auffassung, wonach der AVR zur Steuerung des Arzneimitteltmarkts dienen sollte, vom Landgericht Düsseldorf bestätigt. Einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft, wie den gesetzlichen Krankenkassen, sei es daher verwehrt, an der Verbreitung von Arzneimittellisten und Substitutionsempfehlungen mitzuwirken. Offen ist derzeit noch, ob die Krankenkassen in die Berufung gehen.

25.09. BAH für prozentuale Selbstbeteiligung
PZ. Die Hersteller von Selbstmedikationspräparaten halten die Selbstbeteiligung bei Rezepten für sinnvoll. Auf der Jahresversammlung des Bundesfachverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH) betonte Vorsitzender Johannes Burges, eine angemessene Selbstbeteiligung des Versicherten bei Arzneimitteln sei notwendig. Eine prozentuale Selbstbeteiligung sei aber besser als starre Zuzahlungen, weil sie die Verordnung preiswerter Arzneien fördere. Burges forderte die Krankenkassen auf, Anreize für den Versicherten zum sparsamen Gebrauch der Leistungen zu schaffen. Dazu gehörten Beitragsrückerstattung oder Beitragsvorteile. Die Entscheidung dürfe aber nicht allein in der Verantwortung der Kassen liegen, deren Monopol müsse von einem Rechtsanspruch des Versicherten abgelöst werden.

25.09. Dringend gegen Röteln impfen
PZ. Nach wie vor verfügen 10 bis 15 Prozent aller 20- bis 30jährigen Frauen über keinen Rötelnschutz. In Deutschland treten deshalb jährlich 50 bis 100 Rötelnembryopathie auf, meldet das Pharmaunternehmen Chiron Behring. Ein nicht unerheblicher Teil der indizierten Schwangerschaftsabbrüche gehe auf das Konto einer Infektion im ersten Trimenon. Die STIKO empfiehlt deshalb jedem Jugendlichen zwei Impfungen mit einer kombinierten Masern-Mumps-Röteln-Vakzine (MMR) bis zum 18. Lebensjahr. Auch allen Mädchen und jungen Frauen, die bereits an Masern, Mumps oder Röteln erkrankt sind, sollten sich unbedingt ein zweites Mal impfen, heißt es in der Pressemeldung. Der Gynäkologe sollte den Impfschutz überwachen.

25.09. Cortison-Osteoporose ist vermeidbar
PZ. Die Osteoporose ist die am meisten gefürchtete Komplikation einer Langzeittherapie mit Corticoiden. Daß aber Corticoide auch einen knochenprotoktiven Effekt haben können, ist eine relativ neue Erkenntnis. Durch gleichzeitige Hemmung der Knochenbildung und Stimulation der Knochenresorption kommt es während der ersten Monate einer Cortisontherapie zu einem beschleunigten Knochenverlust. Daher sollte generell zu Anfang einer Behandlung ein individuelles Präventionskonzept aufgestellt werden. "Mit Hilfe der Osteodensitometrie und gezielten Laboruntersuchungen kann man das individuelle Frakturrisiko abschätzen und vorbeugende Maßnahmen einleiten", empfiehlt Professor Dr. Johann D. Ringe, Internist und Rheumatologe aus Leverkusen. Bei relativ hoher Corticoid-Dosis und schlechten Knochenwerten muß mit Bisphosphonaten, Calcitonin oder Vitamin-D-Metaboliten entgegengesteuert werden. Bei einer Low-dose-Therapie reicht nach Ringe die Stimulation der Osteoblasten mit einer Fluorid-Calcium-Behandlung aus.

25.09. Zahlreich Apotheken nutzen Beratungsaktion
PZ. Mehr als die Hälfte aller deutschen Apotheken haben eine oder mehrere genutzt MGDA-Beratungsaktionen, wie die MGDA-Geschäftsstelle meldet. Zentrales Thema ist immer die pharmazeutische Beratungskompetenz der Apotheken. Die Aktionen wurden teilweise durch Marktforschung begleitet, die den wirtschaftliche Erfolg für die Apotheken und Industriepartner ebenso bestätigt wie die Durchführbarkeit erfolgreicher gemeinsamer, thematisch sich konzentrierender Aktionen. Für die aktuelle Beratungsaktion "Gesundheit durch Wärme", die vom 9. bis 21. November in den Apotheken laufen werden soll, zeichnet sich gleichfalls ein erfolgreicher Verlauf an. Informationen erhielten alle Apotheken im September. Interessenten können das Aktionspaket noch bis zum 2. Oktober 1998 bei der MGDA, Fax 06196/928603 anfordern. Ausgeliefert wird es spätestens am 6. November. Industriepartner ist dieses Mal Beiersdorf, thematisiert wird die lokale Schmerztherapie mit ABC.

24.09. Kooperation zum Nutzen der Patienten
PZ. Ärzte und Apotheker in Westfalen-Lippe haben ihre Zusammenarbeit intensiviert. Die enge Kooperation müsse vor allem den Patienten dienen, erklärten die Standesvertreter beider Heilberufe auf einer Pressekonferenz am 24. September in Münster. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten Apothekerkammer und -verband Westfalen-Lippe sowie die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung, daß "eine Kooperation von Ärzten und Apothekern der Sicherstellung einer optimalen Arzneimitteltherapie des Patienten im Kontext schwieriger gesundheitsökonomischer Rahmenbedingungen dient. Verbesserung der Arzneimitteltherapie und Senkung der Krankheitskosten sind konkrete Zielvorstellungen." Bereits heute gibt es nach Angaben von Hans-Günter Friese, Präsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und der ABDA, rund 20 lokale Qualitätszirkel, in denen Ärzte und Apotheker über neue Arzneistoffe, die Qualität von Generika oder Nebenwirkungen diskutierten. Durch die Gesprächskreise habe sich die gegenseitige Akzeptanz der Heilberufler im Kammerbereich deutlich verbessert, so Friese.

23.09. Viagra an Londoner Bahnhöfen
dpa. Die Potenzpille Viagra ist seit Mittwoch in britischen Apotheken gegen ärztliches Rezept erhältlich. Interessenten können sich auch bei einem Privatunternehmen an drei Bahnhöfen direkt untersuchen lassen und die Pille sofort erwerben. Die Auslieferung von Viagra in die Apotheken war nach amtlicher Zulassung am 15. September vorbereitet worden, teilte ein Sprecher von Pfizer UK, der britischen Niederlassung des amerikanischen Pharmakonzerns, am Mittwoch mit. An den drei Fernbahnhöfen bietet die außerhalb des staatlichen Gesundheitswesens operierenden Kette Medicenter eine fachärztliche Untersuchung, Bluttests und Viagra an. Für die einstündige Untersuchung und die Tests werden 120 Pfund (360 Mark) in Rechnung gestellt. Im Fall von Potenzstörungen werde die Behandlung mit der Pille zum Preis von zusätzlich 15 Pfund (45 Mark) angeboten. Die Kette erwartet starkes Interesse vor allem von den Pendlern, die täglich aus dem Umland in die britische Hauptstadt kommen.

23.09. Apotheker beim Modellversuch im Ried
PZ. Apotheker im südhessischen Ried haben sich zu einer eigenen Apothekerqualitätsgemeinschaft zusammengeschlossen, um mit den Ärzten kooperieren zu können. Seit etwa 15 Monaten läuft im hessischen Ried "die ärztliche Qualitätsgemeinschaft", ein Modellvorhaben der KV Hessen und der hessischen Ersatzkassen. Die Apotheker wurden erst gar nicht gefragt. Um trotzdem Paroli zu bieten und zumindest partiell kooperieren zu können, haben sich die Kollegen vor Ort zu einer eigenständigen Qualitätsgemeinschaft entschlossen, informierte Otto Späth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes (HAV), auf der Jahreshauptversammlung. Es habe allerdings zahlreicher, langwieriger Gespräche und Verhandlungen zwischen HAV, KV und VDAK und letztendlich massiver Beschwerden der Apotheker im Ried bedurft, um diese Entwicklung in Gang zu setzen. Späth: "Eins muß man klar sagen: Wenn es allein nach der KV Hessen ginge, dann wären die Apotheker als Gesprächspartner wohl außen vor."

23.09. Antipsychotika werden häufiger verordnet
PZ. Etwa ein Drittel der Patienten eines Allgemeinarztes würde ein Psychiater als psychisch krank bewerten, sagte Dr. Stoffen Raas, Ärztlicher Direktor das Psychischen Krankenhauses Eichberg, Eltville. Ein Viertel der deutschen Bevölkerung leidet an behandlungsbedürftigen psychischen Störungen, und sieben Millionen Menschen gehen jährlich wegen psychiatrischer Diagnosen zum Arzt. Das schlägt sich in den Verordnungszahlen für Psychopharmaka nieder: Deutsche Ärzte zückten 1997 viel häufiger den Rezeptblock als noch im Vorjahr. So hat der Markt an Antidepressiva in diesem Zeitraum um 11,3 Prozent zugelegt. Während im Vorjahr der Apothekenumsatz für Antidepressiva bei 434 Millionen Mark lag, sei er 1997 auf 484 Millionen Mark gestiegen. Arzneimittel zur Behandlung der Schizophrenie verzeichneten 1997 eine Umsatzsteigerung von 8,8 Prozent auf 357 Millionen Mark. Dagegen ist bei den Tranquilizern der Umsatz rückläufig (von 120 auf 123 Millionen Mark).Top

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