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Linolsäure steigert nicht das Krebsrisiko

28.09.1998
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-Medizin

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Linolsäure steigert nicht das Krebsrisiko

In der Nahrung enthaltene Linolsäure ist ins Gerede gekommen. Die essentielle omega-6-Fettsäure soll angeblich das Brustkrebsrisiko erhöhen. Was ist dran? Professor Dr. Günther Wolfram, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), gab Entwarnung für die ungesättigte Fettsäure. Studien zufolge gehe von den zur Zeit empfohlenen Mengen an Linolsäure kein erhöhtes Gesundheitsrisiko aus.

Besonders eine vor kurzem veröffentlichte Studie (Zock, Katan, 1998), in der eine Vielzahl verschiedener Untersuchungen zur Linolsäure und Krebs analysiert wurde, zeige eindeutig: Die Behauptung, Linolsäure fördere das Brustkrebsrisiko, ist nicht haltbar. Zum gleichen Schluß kam auch ein Expertengremium des American Institute for Cancer Research Mitte des letzten Jahres, so Wolfram.

Nach den Empfehlungen der DGE sollten höchstens 30 Prozent der gesamten Energiemenge über Fett aufgenommen werden; je ein Drittel sollen dabei die gesättigten, die einfach ungesättigten und die mehrfach ungesättigten Fettsäuren ausmachen. Das Verhältnis von omega-6-Fettsäuren (Linol- oder Arachidonsäure) zu omega-3-Fettsäuren (alpha-Linolen, Eicosapentaen- oder Docosahexaensäure) sollte optimalerweise bei fünf zu eins liegen. Dabei helfen ein- bis zweimal pro Woche Seefisch und Pflanzenöle wie Raps- oder Sojaöl.

Wolfram ist der Meinung, eine ausreichende Zufuhr von Linolsäure sei schon allein deshalb wichtig, weil dadurch quasi ein Gegengewicht zu den gesättigten Fettsäuren geschaffen werde. Diese überwiegend in tierischen Lebensmitteln vorkommenden Fette steigern nachweislich das Herz-Kreislauf-Risiko. Deshalb ist es für eine gesundheitsfördernde Ernährung nach wie vor wichtig, angemessene Mengen von Linolsäure und anderen mehrfach ungesättigten Fettsäuren aus Ölen und Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft aufzunehmen.

Und was ist mit konjugierten Linolsäuren, die von vielen Bodybuildern in Form von Kapseln für den Fettabbau und den Muskelaufbau genommen werden? Im Tierexperiment oder in Zellkulturen waren konjugierte Linolsäuren zumindest vielseitig effektiv: Sie bauten Fettgewebe ab und Muskeln auf, sie senkten den Cholesterolspiegel und den Blutzucker und waren in der Lage, tumoröse Zellen im Wachstum zu behindern.

Wie allerdings die konjugierten Linolsäuren hochdosiert auf den menschlichen Organismus wirken, ist noch nicht geprüft. Die Einnahme sei deshalb nicht ruhigen Gewissens zu empfehlen, sagte Wolfram.

Artikel von der PZ-Redaktion

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