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Die Versorgung neu organisieren und optimieren

29.09.1997
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Die Versorgung neu organisieren
und optimieren

Die Zukunft hat begonnen - neue Versorgungsformen sind keine Vision mehr. "Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Welt der Information und Kooperation", erklärte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) jetzt in Windhagen vor Journalisten. Cornelia Yzer präzisierte, wie sich der VFA die Entwicklung vorstellt und wünscht.

Yzer plädiert dafür, die erstarrte Gesellschaft und damit auch das Gesundheitswesen mit seinen überholten Versorgungsformen aufzubrechen. Die befürchteten Risiken einer Veränderung stammten ihrer Meinung nach eher aus ungewissen Vermutungen denn aus klaren Analysen. Sie ist überzeugt, daß neue Versorgungsformen mehr Chancen als Risiken bieten, wenn wir es richtig anpacken.

Die Neustrukturierung richtig anpacken heißt für den VFA: Eine Gesamtbetrachtung ist der Beobachtung einzelner Schritte vorzuziehen. Also integrierte Versorgung statt sektoraler Abgrenzung. Eine alleinige Koppelung von Honoraren und Arzneimitteln würde in eine Sackgasse führen. In einem Konzept der integrierten Versorgung hätten die forschenden Arzneimittelhersteller ihre Rolle:

o Die forschenden Arzneimittelhersteller werden mit der Entwicklung innovativer Arzneimittel die Grundlage für therapeutische und organisatorische Innovationen bereitstellen.

o Sie agieren verstärkt als Kooperationspartner für Anbieter und Nachfrager im Gesundheitswesen.

o Sie können bei bestimmten Indikationen mit Disease-Management-Konzepten als eigenständige Anbieter nachgefragt werden.

Für diese Schritte bräuchten alle Beteiligten Mut, um ihre und andere Handlungs- und Entscheidungsspielräume zu erweitern und damit eine gleichberechtigte Wahrnehmung der Optionen zu ermöglichen. "Dabei müssen sich die Beteiligten - ob Kassen, Ärzte, Apotheker, pharmazeutische Industrie oder andere Akteure - darüber im klaren sein, daß das kurzfristig mit Einbußen im eigenen Bereich einhergehen kann", so Yzer, die davon überzeugt ist, daß sich auf Dauer die bessere Lösung durchsetzt.

Modelle haben derzeit einen zu engen Fokus

Strukturverträge und Versorgungsformen haben nach Yzers Überzeugung in Deutschland noch einen viel zu engen Fokus. Die vordringlichste Frage dürfe nicht lauten: Wie sparen wir an Arzneimitteln? Wir müßten vielmehr fragen: Wie können wir die Gesamtbehandlung optimieren und dabei die Qualität erhalten oder verbessern und die Gesamtkosten senken? Dabei müsse man sich von einer sektoralen Betrachtung trennen, die reine Kostenmanagement-Diskussion überwinden und zu einem integrierten Kosten- und Qualitätsmanagement kommen. Die forschenden Arzneimittelhersteller werden die Kassen als einen ihrer Kunden auffassen und ihnen innovative Arzneimittel anbieten. Sie werden aber auch organisatorische Innovationen entwickeln, den Kassen offerieren und sie im Versorgungsmanagement beraten. "Dieses Gesamtpaket wird entscheidend über ihre zukünftige Position am Markt bestimmen", so Yzer.

Hess: Regreßdruck ist für Ärzte unerträglich

Als unerträglich empfinden die Vertragsärzte den wachsenden ökonomischen Druck und die immer stärker werdende Reglementierung der vertragsärztlichen Tätigkeit, sagte Dr. Rainer Hess, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Noch mehr Reglementierung und Budgetierung würde das System endgültig zum Scheitern bringen. Es müsse daher nach Wegen gesucht werden, die den Konkurrenzdruck unter den Vertragsärzten systematisch abbauen und ökonomische Anreize für ein wirtschaftliches Verordnungsverhalten an die Stelle von Regreßdrohungen und Reglementierungen setzen.

Mit der gesetzlichen Grundlage in § 73 a SGB V zum Abschluß von Strukturverträgen habe der Gesetzgeber einen Anreiz für Ärzte geschaffen. Vernetzte Praxisstrukturen könnten die Konkurrenzsituation zwischen einzelnen Praxen aufheben, bei den medizinischen Geräten sparen und Krankenhauseinweisungen vermeiden. Eine unter Qualitätsgesichtspunkten getroffene Entscheidung, auf welchen Arzneimittelschatz man in einem solchen Praxisnetz zurückgreifen wolle, könne ebenfalls Wirtschaftlichkeitreserven mobilisieren.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, WindhagenTop

 

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