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Qualität muß nachweisbar sein

29.09.1997
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Govi-Verlag

Qualität muß nachweisbar sein
Pharmacon Westerland

Qualitätssicherung spielt in allen Bereichen des Gesundheitswesens eine immer größere Rolle. Langfristig werden wohl auch die Apotheker ein standardisiertes Qualitätsmanagement etablieren müssen.

In den siebziger Jahren haben die Ärzte mit der Qualitätssicherung, zuerst noch auf freiwilliger Basis begonnen. Mit dem Gesundheitsreformgesetz ist 1989 erstmalig eine gesetzliche Verpflichtung der niedergelassenen Ärzte und Krankenhäuser ins Gesetz aufgenommen worden. Durch das Gesundheitsstrukturgesetz 1993 und das NOG 2 seien weitere Qualitätsstandards vorgeschrieben, faßte Dr. Christiane Eckert-Lill, ABDA, die Entwicklung der Qualitätssicherung auf dem Fortbildungskongreß der Bundesapothekerkammer in Westerland zusammen.

Sie erwartet, daß auch die Apotheker in Zukunft zu qualitätssichernden Maßnahmen verpflichtet werden. Heute schon müßten Krankenhäuser, die nach DIN EN ISO 9000 zertifiziert werden, auch ihre Krankenhausapotheke überprüfen lassen. Es sei nur eine Frage der Zeit bis auch krankenhausversorgende öffentliche Apotheken zertifiziert werden müssen. Damit werde der Einstieg in die Zertifizierung öffentlicher Apotheken gemacht und auch diejenigen, die kein Krankenhaus beliefern, müßten aus Wettbewerbsgründen nachziehen. Wenn etwa ein Pflegeheim ein zertifiziertes Qualitätsmanagement zur Voraussetzung für einen Vertragsabschluß mache, hätten die Bewerber keine Wahl. Eckert-Lill: "Immer wenn ein großer Kunde dies wünscht, müssen sich die Apotheken zertifizieren lassen."

Eine Beurteilung der Qualität von Produkten und Waren fällt grundsätzlich leichter als die von Dienstleistungen. So definiere das Arzneibuch bereits die Qualitätskriterien für Arzneistoffe, sagte Eckert-Lill. Schwieriger sei es, die Qualität der Beratung objektiv zu beurteilen. Wenn ein Kunde mit der Beratung zufrieden ist, bedeute dies nicht automatisch, daß sie auch nach objektiven Maßstäben gut war.

Unter Qualitätssicherung und -management werden in der Regel diejenigen Maßnahmen zusammengefaßt, die dazu dienen, Produkte oder Dienstleistungen in einer bestimmten Qualität anbieten zu können. Die zur Umsetzung des Qualitätsmanagements erforderliche Organisationsstruktur, die Verfahren, Prozesse, und Mittel werden in ihrer Gesamtheit als Qualitätsmanagementsystem (QMS) bezeichnet, so Eckert-Lill. Grundsätzlich sei jeder Betrieb bei der Gestalung seines QMS zwar frei, doch hätten sich die internationalen Normen nach DIN EN ISO 9000ff durchgesetzt. Ihre Anwendung sei jedoch nicht unumstritten, da nur die Norm 9004 die Beurteilung von Dienstleistungen ermögliche, während die Normen 9001 bis 9003, deren Erfüllung für eine Zertifizierung erforderlich ist, nur die Qualität von Produkten erfasse, führte Eckert-Lill weiter aus. Für die Etablierung eines Qualitätsmanagementsystems reiche es grundsätzlich nicht aus, alle Punkte der Reihe nach abzuarbeiten. Zentraler Bestandteil des QMS sei ein Qualitätsmanagement-Handbuch, in dem alle Schritte und Tätigkeiten sowie der jeweils dafür zuständige Apothekenmitarbeiter aufgeführt werden.

Nicht ganz preiswert

Wenn sich ein Apotheker zur Zertifizierung seiner Apotheke entscheidet, kann er sich von einem Beratungsunternehmen unterstützen lassen. Nach der Erfahrung von Eckert-Lill kostet die gesamte Zertifizierung dann etwa 20.000 bis 40.000 DM. Die abschließende Zertifizierung einer Apotheke sollte nicht durch dasselbe Unternehmen erfolgen, das die Beratung bei der Etablierung übernommen hatte, rät sie. Die Zertifizierung gilt übrigens nur für eine begrenzte Zeit. Wenn eine Apotheke ein Zertifikat bekommen hat, gilt dies nur für drei Jahre, dann muß es erneut überprüft werden.

Die hohen Kosten dürften einige Apotheker davon abschrecken, sich nach DIN EN ISO 9000ff zertifizieren zu lassen, zumal die bewerteten Kriterien nicht allen Anforderungen der Apotheke gerecht werden. Grundsätzlich sei jedoch eine Sicherung der Beratungsqualität und damit auch die Dokumentation des Nutzens der Apotheken notwendig. Deshalb hätten sich die Apothekerkammern Baden-Württemberg und Niedersachsen zu einem Pilotprojekt entschieden, in dem ein kostengünstigeres und stärker auf die Anforderungen in der Apotheke ausgerichtetes QMS getestet und etabliert werden soll. Eckert-Lill sieht langfristig keine Alternative zu einem QMS: "Apotheken müssen ihre hohe Qualität nachweisen können, wenn sie ihren Mehrwert gegenüber Versandhandels- oder Kettenapotheken belegen wollen."

PZ-Artikel von Christiane Berg, WesterlandTop

 

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