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Bleiben Sie am Ball

29.09.1997
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-Editorial

Govi-Verlag

Bleiben Sie am Ball

von Hans-Günter Friese
Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände


Schon Hippokrates stellte 400 vor Christus fest, daß Non-Compliance ein allgemeines Problem im Gesundheitswesen darstellt. Betrachtet man die herkömmliche Definition, so wird Compliance wie folgt beschrieben: Gehorsam des Patienten, ärztliche Anweisungen zu befolgen.

Die meisten Studien zeigen jedoch, daß mindestens ein Drittel aller Patienten non-compliant sind, das heißt, ihr verordnetes Arzneimittel nicht oder unkorrekt einnehmen. Eine Untersuchung des Zentrums für Sozialpolitik in Bremen mit 6000 Patienten ergab, daß 40 Prozent der Patienten von ihrem behandelnden Arzt "nie" oder lediglich "manchmal" über die Wirkung von Medikamenten informiert und ein Drittel aller Patienten regelmäßig auf Nebenwirkungen hingewiesen werden.

Die Gründe für Non-Compliance können vielschichtig sein. Das Arzneimittel ist beispielsweise zu teuer oder nicht sofort erhältlich. Der Patient erhält zu viele Arzneimittel, das falsche Arzneimittel, hat Angst vor Nebenwirkungen. Möglich ist auch, daß der Patient die Therapie ablehnt, weil er durch Medien, Familienangehörige oder Kollegen beeinflußt wird oder weil der Patient ungenügend beraten und schlecht betreut wurde.

An dieser Stelle kann der Apotheker einen großen Trumpf ausspielen und maßgeblich zur Förderung der Compliance beitragen. Ihm ist es möglich, durch gezielte Fragen die Ursachen für die Nichtbefolgung (Non-Adherence) der Arzneimitteltherapie herauszufinden, deren Stimmigkeit zu beurteilen und arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen. Kurz gesagt: den Patienten pharmazeutisch zu betreuen. Nicht zu vergessen, ja ein ganz wesentlicher Faktor zur Beeinflussung der Compliance ist, daß der Apotheker auch nicht-medikamentöse Aspekte im Gespräch mit dem Patienten berücksichtigen muß. Was für einen Lebensstil führt der Patient? Welche Einstellung hat der Patient bezüglich seines Arzneimittels und wie steht er zu seiner Krankheit? Ist er bereit, aktiv an der Verbesserung seines Gesundheitszustandes mitzuwirken?

Halten wir also zusammenfassend fest: Wird der Patient im Sinne der Pharmazeutischen Betreuung und unter Berücksichtigung der patientenbezogenen Perspektiven umfassend informiert und kontinuierlich betreut, so werden nicht nur die Compliance, sondern auch die Lebensqualität des Patienten verbessert.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie wissen wollen, wie der Apotheker die Umsetzung von Pharmazeutischer Betreuung aktiv gestalten und in die Apothekenpraxis einbeziehen kann, so möchte ich Sie nochmals darauf aufmerksam machen und herzlich einladen, am 2. ABDA-Symposium Pharmazeutische Betreuung (Pharmaceutical Care) am 22. und 23. November 1997 in Frankfurt am Main teilzunehmen. Bleiben Sie am Ball, es lohnt sich! Top

 

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