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Resistenzen bei Antibiotika

21.09.1998
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Resistenzen bei Antibiotika

Pharmacon Westerland

Die Therapie von Infektionen erschöpft sich nicht nur im Einsatz von Antibiotika. Sie ist eine interdisziplinäre Aufgabe, bei der auch der Pharmazeut eine verantwortliche Rolle spielen sollte, so Dr. Margret Seewald vom Institut für medizinische Diagnostik in Berlin, einer privatwirtschaftlich geführten Institution, die sich neben der reinen mikrobiellen Diagnostik unter anderem auch auf die Analyse regionaler Resistenzbesonderheiten spezialisiert hat. Diese Analysen spielen insbesondere als Beratungsunterlagen in Qualitätszirkeln eine wichtige Rolle bei der Entscheidung über den Einsatz von Antibiotika. Häufig erlaubt die klinische Situation des Patienten es nicht, auf eine Resistenzbestimmung vor Therapiebeginn zu warten. In diesen Fällen darf trotzdem nicht ungezielt, sondern muß kalkuliert behandelt werden. Seewald bezeichnete dieses Vorgehen als Infektionsmanagement.

Als Konsequenz der breiten Anwendung und unter dem Selektionsdruck der Wirkungslücken von Antibiotika, begegnen den Therapeuten immer mehr multiresistente Keime. Verschiedenste Mechanismen bewirken diese herabgesetzte Antibiotikaempfindlichkeit: Veränderung der Bindeproteine, Verzögerung beziehungsweise Verhinderung des Transportes in die Bakterienzelle und Bildung von b-Laktamasen. Als Problemkeime zählte die Referentin auf: Staphylokokkus aureus, Enterokokken und Enterobakterien. In den Kliniken käme hinzu, daß das Auftreten von Problemkeimen, sogenannte multiresistente Hospitalkeime, durch weitere Faktoren begünstigt würde: ältere und/oder abwehrgeschwächte Patienten, der gleichzeitig erhöhte Antibiotikabedarf und der Mangel an Hygiene, insbesondere nicht ausreichende Händedesinfektion. Die Auswertung von Sensibilitätsprüfungen sei deshalb ein unverzichtbarer Eckpfeiler für die Erkennung lokaler Resistenzbesonderheiten und für die Auswahl einer Substanz zur kalkulierten Chemotherapie. Die Qualität solcher Keimstatistiken hänge allerdings entscheidend von der Qualität der eingeschickten Materialien zur bakteriologischen Diagnostik und im weiteren von der Qualität der Laboranalytik ab. Nur mit validen Statistiken ließen sich lokale oder regionale Trends in der Selektion und der Resistenzentwicklung in Abhängigkeit vom Patientenklientel und den eingeführten Antibiotika ableiten.

Sorgen bereiteten in der Klinik und im ambulanten Bereich zur Zeit Staphylokokken bei Risikopatienten, vor allem bei Diabetikern. Eine gesteigerte Resistenz lasse sich auch bei Enterobacter-Stämmen gegenüber Chinolonen feststellen. Auch Pseudomonas aeruginosa-Stämme zeigten in 13 Prozent Resistenz gegenüber Ciprofloxacin. Aus diesen Zahlen leitet Seewald die Empfehlung ab, den Einsatz von Chinolonen in der Klinik und im niedergelassenen Bereich herunterzufahren. Relativ wenig Resistenz wird bei Carbapenemen beobachtet, die nach Meinung der Referentin noch als Monotherapeutikum eingesetzt werden können. In allen anderen Fällen empfiehlt sie, insbesondere bei multiresistenten Keimen, eine Kombinationstherapie.

Antibiotikaresistenz ist für die Referentin ein Qualitätsindikator. Nur durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit aller auf dem Gebiet der Infektiologie Tätigen, dazu gehörten auch die Pharmazeuten, ließen sich standardisierte Diagnose-, Prophylaxe-, Therapie- und Hygieneverfahren unter Berücksichtigung hausspezifischer Bedürfnisse erarbeiten, die allerdings einem Antibiotikaaudit unterzogen werden müßten. Nach Meinung Seewalds kann nur auf einem solchen Weg der Eskalation der Resistenzprobleme entgegengetreten werden.

PZ-Artikel von Hartmut Morck, WesterlandTop

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