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Chronische Hepatiden machen Probleme

21.09.1998
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Chronische Hepatiden machen Probleme

Die therapeutischen Möglichkeiten bei Leberentzündungen sind begrenzt. Fatal ist dies vor allem bei den chronisch verlaufenden Formen der Hepatitis. Professor Dr. Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover, gab auf der Fortbildungsveranstaltung der Bundesapothekerkammer in Westerland einen Überblick, welchen Schaden die verschiedenen Virustypen anrichten, und welche Behandlungsoptionen bestehen.

"Das Alphabet der Hepatitisviren reicht mittlerweile bis zum Buchstaben G." Als Krankheitserreger seien vor allem die Typen A bis E interessant, sagte Manns. Während die Hepatitisviren A und C sowie D und E RNA-Viren sind, liegt das Erbgut des Hepatitis-B-Virus (HBV) auf einem DNA-Molekül.

Der Schweregrad einer Hepatitis A, sei in erster Linie vom Alter des Kranken abhängig, erklärte Manns. Während die Krankheit bei Kindern und Jugendlichen zumeist symptomlos verläuft und vollständig ausheilt, muß bei älteren Patienten mit Komplikationen gerechnet werden. Bei den über 50jährigen sterben immerhin 2,7 Prozent der Infizierten. Nach dem Abheilen der Krankheit verfügt der Körper über eine vollständige Immunität. Ebenfalls sicheren Schutz gewährt die Impfung, die mit einer HBV-Imfung kombiniert werden kann. Hepatitis A verläuft immer akut.

Die Infektion mit HEV verläuft ebenfalls nur akut. Allerdings ist die Wahrscheinlich im Deutschland an Hepatitis E zu erkranken gleich Null, das Virus komme nur in den Tropen vor, erläuterte Manns. Wie die Hepatitis A heilt die Krankheit in der Regel vollständig aus. In einem von hundert Fällen komme es allerdings zum akuten Leberversagen. Ein Impfstoff steht noch nicht zu Verfügung. Nach Manns Informationen wird zur Zeit eine Vakzine entwickelt.

Wesentlich gefährlicher als die beiden akuten Hepatitis-Formen sind die chronischen B, C und D. Die Hepatitis B bezeichnete Manns als eine der wichtigsten Geschlechtskrankheiten, denn Sexualkontakte sind neben gemeinsam benutzte Drogenspritzen der häufigste Infektionsweg. Zudem haben bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte und Krankenschwestern oder -pfleger ein erhöhtes Risiko.

Nach Manns Angaben verläuft eine HBV-Infektion in fünf bis zehn Prozent der Fälle chronisch. Von diesen entwickelt jeder vierte eine Leberzirrhose. Chronische Verläufe gebe es in erster Linie bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Einen sicheren Schutz vor einer Infektion bietet der Kombi-Impfstoff gegen HAV und HBV.

Indirekt schützt der Impfstoff auch gegen das Hepatitis-D-Virus, denn Voraussetzung für eine HDV-Infektion ist eine Hepatitis-B-Erkrankung. Hepatitis D sei eine Superinfektion, die einen noch aggressiveren Verlauf habe als B, sagte Manns. Bis zu 90 Prozent der Infektionen würden chronisch. Dabei sterben die Patienten im allgemeinen im Stadium der Zirrhose. Aufgrund der schnellen Progression seien Krebsfälle selten.

Auch bei einer Infektion mit dem HCV ist das Risiko eines chronischen Verlaufes sehr hoch. Je nach Untersuchung wird die Wahrscheinlichkeit mit 0,5 bis 0,8 angegeben. In der akuten Phase verläuft die Krankheit meist symptomlos. Wird die Krankheit chronisch, steigt nicht nur das Risiko einer Zirrhose dramatisch an, sondern auch die Gefahr an Leberkrebs zu erkranken. Übertragen wird das HCV durch gemeinsam genutzte Spritzen, Tätowierungen und wahrscheinlich auch beim Piercing, sexuelle Übertragungen sind dagegen selten.

Manns wies darauf hin, daß 65 Prozent der Lebertumoren auf Virusinfektionen zurückzuführen seien. Früher hätten Ärzte den Leberkranken unterstellt, sie seien Alkoholiker, dies sei jedoch nachweislich falsch..

Für die Therapie der Virushepatiden stehen Interferon-alpha 2a, 2b sowie die natürliche Variante zur Verfügung. Bei HCV-Infektionen ist die Responderquote mit 50 Prozent allerdings relativ gering. Zu einer vollständigen Heilung kommt es sowohl bei HBV als bei HCV selten. Allerdings belegen Studien, daß bei beiden Infektionen die Progression zu Leberzirrhose und -krebs verlangsamt wird. Das Therapieregime ist bei beiden Infektionen gleich. Über sechs Monate werden dreimal pro Woche 3 bis 6 Millionen Einheiten gegeben. Bei HCV-Infektionen seien die Mediziner mittlerweile dazu übergegangen, nach drei Monaten den Therapieerfolg zu kontrollieren. Bei Non-Respondern werde die Therapie dann abgebrochen, bei Respondern werde sie auf ein Jahr ausgedehnt.

Die Versuche, Non-Responder mit Ribavirin weiter zu behandeln, beurteilt Manns kritisch. Die Substanz habe zumindest in der Monotherapie nicht den erwarteten Erfolg gezeigt. Hinweise gebe es allerdings darauf, daß die Kombination von Interferon-alpha mit Ribavirin bei Non-Respondern die Progression verlangsamt. Responder, die einen Rückfall erleiden, sollten nach Manns Erfahrung ebenfalls mit der Kombination behandelt werden. In einer schwedischen Studie konnten 40 Prozent der Rückfallpatienten mit Interferon plus Ribavirin langfristig geheilt werden. Von den Patienten, die Interferon plus Placebo erhielten, wurden nur 20 Prozent wieder gesund.

In naher Zukunft stehe mit dem HIV-Medikament Lamivudin auch für immunsupprimierte Hepatitispatienten eine Therapie zur Verfügung, sagte Manns weiter. Die Therapie mit dem Interferon-alpha sei bei Immunsupprimierten nicht möglich, da die Substanz das Immunsystem anregt. Lamivudin blockiert bei der Virusreplikation die Kettenverlängerung und stoppt so die Vermehrung. In Studien konnte Lamivudin während der Therapie die Viruslast senken, nach dem Absetzen gab es allerdings häufig einen Rebound.

PZ-Artikel von Daniel Rücker, WesterlandTop

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