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21.09.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  22.09.Seehofer: Eilverordnung zu Designerdrogen
PZ. Fünf in der einschlägigen Szene bisher unbekannte Designerdrogen aus der Ecstasy-Gruppe sollen unverzüglich verboten und staatlicher Kontrolle unterstellt werden. Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer kündigte dazu heute in Bonn eine Eilverordnung seines Ressorts an. Sie betrifft unter anderem die Stoffe 4-Methylthioamfetamin und Mebroqualon. Damit reagiert der Ressortchef auf Hinweise aus dem Bundeskriminalamt, nach denen sich Dealerbanden in den Besitz chemischer Vorprodukte gebracht haben sollen und daraus neuartige Ecstasy-Produkte mit einem hohen Schadenspotential herstellten. Der CSU-Politiker hat den Entwurf seiner Eilverordnung inzwischen den beteiligten Ministerien zugeleitet. Die zunächst auf ein Jahr befristete Vorschrift bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates und dürfte deshalb kurzfristig wirksam werden.

21.09. Keine Entschädigung für Perfect Body
PZ. Eine dreiste Betrugskampange in Apotheken, die sich im Sommer 1996 zugetragen hat und durch die 200 Betriebe geschädigt wurden, endete jetzt mit einer rechtskräftigen Verurteilung des Betrügers Egon Braun zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Im Juni 1996 erhielten zahllose Apotheken den Anruf einer unbekannten Kundin, die sich nach dem Reizstrommassagegerät Perfect Body erkundigte. Das Gerät war über die Firma Braun aus Pulheim bei Köln nur gegen Scheck oder Nachnahme zu beziehen. Darauf ließen sich Apotheken ein, doch die angebliche Kundin holte das Gerät in keinem einzigen Fall ab. Als die Anrufserie bekannt wurde, warnten die Landesapothekerverbände und der DAV vor weiteren Anrufen. Etlichen Apothekern gelang es so, rechtzeitig übergebene Schecks sperren zu lassen. 90 Apotheker wurden daraufhin von Anke Braun, der Inhaberin des Unternehmens, auf Kaufpreiszahlung verklagt. Geschädigten, die sich nicht sofort gegen den Betrug gewehrt haben, ist mit dem Urteil leider nicht geholfen. Sie können die gezahlten Beträge nicht zurückverlangen, weil die Eheleute inzwischen vermögenslos sind.

21.09. Alzheimer mit Entzündungshemmern stoppen
PZ. Bestimmte antiinflammatorische Substanzen können möglicherweise die Progression der Alzheimer Krankheit verlangsamen. Bei der Alzheimer Krankheit spielen Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle. Joachim Bauer, Universität Freiburg, fand in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten aktivierte immunkompetente Zellen wie Mikroglia und Astrozyten. Mikroglia-Zellen, die die beiden Cycloooxygenasen (COX)I und II, enthalten, produzieren Prostaglandin E2. Dieses Produkt der Arachidonsäure-Kaskade induziert offensichtlich in den Astrozyten die Produktion des Cytokins Interleukin(IL)-6. IL-6 fand Bauer in hohen Konzentrationen in den Amyloid-Plagues. Im Tiermodell konnte der Freibruger Wissenschaftler zeigen, daß Interleukin-6 die Progression der Alzheimer-Demenz beschleunigt. Zusammen mit seinen Kollegen an der Psychiatrischen Universitätsklinik testete er die Wirkung verschiedener antiinflammatorischer Substanzen auf Astrozyten Zellkulturen. Einige neue Stoffe hätten dabei eine deutliche Wirkung gezeigt, sagte Bauer. So seien die nichtsterioidalen Antirheumatika Tepoxalin und Tenidap potente Hemmer der IL-6-Expression. Ihren Einsatz bei Alzheimer-Patienten hält Bauer deshalb für sinnvoll.

21.09. Psoriasis: Sphingonsin-1-Phosphat hilft
PZ. Sphingosin-1-Phosphat (S-1-P) hemmt die Proliferation von Hautzellen und eignet sich deshalb zur Behandlung der Psoriasis. Nach den Ergebnissen von B. Kleuser, Institut für Pharmazie in Berlin, ist der Einsatz von S-1-P zur Behandlung der Psoriasis möglicherweise effektiver als die Therapie mit Vitamin D3. Die intrazelluläre Produktion von S-1-P aus Sphingolipid wird durch Vitamin D3 induziert. Wie Kleuser berichtete, werde durch die Vitamin D3-Gabe allerdings auch ein weiterer Arm des Sphingolipid-Stoffwechsels angeregt, die Ceramid-Produktion in humanen Keratinozyten. Ceramid und S-1-P wirken in Keratinozyten antiproliferativ, allerdings wirke Ceramid apoptotisch, S-1-P nicht, sagte Kleuser auf einem Kongreß der European Federation of Pharmaceutical Sciences in Mailand. Gleichzeitig steigert S-1-P die Expression der Transglutaminase, einem Enzym, das die Differenzierung vom Kerationozyten anregt. In der Kombination aus antiproliferativer differenzierender Wirkung sieht Kleuser die Erklärung für die größere Potenz von S-1-P im Vergleich zu Vitamin-D3-Analoga.

17.09. Bronchien nötig wie die Luft zum Atmen
PZ. Bei mehr als 6 Millionen Betroffenen und 11 Milliarden DM Kosten im Jahr ist die chronische Bronchitis eine Volkskrankheit. Um darauf aufmerksam zu machen, findet am 26. September der 1. Deutsche Lungentag unter der Schirmherrschaft von Christiane Herzog statt. Sechs gemeinnützige Fachgesellschaften, darunter beispielsweise die Deutsche Atemwegsliga, die Christiane Herzog Stiftung oder der Bundesverband der Pneumologen, wollen mit dem Deutschen Lungentag das Wissen über die chronische Bronchitis in der Bevölkerung aufbessern. Dazu werden bundesweit über eine Woche verteilt mehr als 100 Veranstaltungen mit Informationsmöglichkeiten und vielen praktischen Tips für Betroffene angeboten. In Rheinland-Pfalz sind die Events auf Bad Ems und Mainz konzentriert, wo gestern auch die Pressekonferenz stattfand.Hauptanliegen der Organisatoren ist es, der Bevölkerung klarzumachen, daß Rauchen der Hauptrisikofaktor für eine chronische Bronchitis ist. In 90 Prozent der Fälle zerfrißt der blaue Dunst die Bronchien.

16.09. Beitragssenkung in Pflegeversicherung winkt
dpa. Wegen anhaltend hoher Überschüsse in der Privaten Pflegeversicherung können viele Versicherte zum 1. Januar 1999 mit einer Beitragsentlastung von etwa 1,2 Milliarden Mark jährlich rechnen. Begünstigt werden voraussichtlich alle Mitglieder bis zum Alter von etwa 55 Jahren, kündigte der Verbandschef der privaten Krankenversicherer (PKV), Hans Christoph Uleer, an. Er wies allerdings auch darauf hin, daß die Pflegekassenbeiträge für ältere PKV-Versicherte, deren Pflege-Beiträge "nicht risikogerecht" kalkuliert seien, durch die Neukalkulation um monatlich etwa 1,28 Mark angehoben werden sollen. Am Höchstbeitragssatz von 1,7 Prozent bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der PKV werde sich dagegen nichts ändern. Die Bemessungsgrenze dürfte am 1. Januar um 75 Mark steigen. In der gesetzlichen Pflegeversicherung der Krankenkassen ist bislang nicht an eine Senkung des einheitlichen Pflegesatzes von 1,7 Prozent gedacht, zumal dafür eine Gesetzesänderung notwendig wäre.

16.09. WHO untersucht Krebsgefahr durch Handys
dpa. Die Internationale Agentur für Krebsforschung will bis zum Jahr 2003 klären, ob der Gebrauch eines Mobiltelefons das Risiko von Hirnkrebs und anderen Tumoren am Kopf erhöht. Die Studie soll in neun Ländern, darunter auch Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien, an mehr als 3 000 Patienten mit Hirntumoren und ebenso vielen Kontrollpersonen durchgeführt werden. Das kündigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Laut WHO gibt es bisher keinen Beweis für eine Krebsgefahr durch Mobiltelefone. Allerdings erkranken Menschen, die durch ihren Beruf häufig Hochfrequenz-Energien aus anderen Quellen als dem Mobiltelefon ausgesetzt sind, leichter an Leukämie oder Hirntumoren als andere.

16.09. Viagra-Alternativen emsig beforscht
dpa. Zur Konkurrenz könnten Alpha-Blocker werden, die wie Sildenafil in die Chemie der Erektion eingreifen. Sie lösen die im Normalfall zusammengezogene Muskulatur, sorgen für eine bessere Durchblutung und richten so das Glied auf. In Mexiko ist unter dem Namen "Z-Max" bereits ein Mittel von Schering-Plough auf dem Markt; die Zulassung in den USA läuft. Im Gehirn setzt dagegen Apomorphin an, eigentlich ein Brechmittel, wie Professor Dr. Gerd Ludwig, Chef der Urologie der Städtischen Kliniken Frankfurt/Main, erläutert. Es stimuliert Nervenzentren, um eine Erektion auszulösen. Das Mittel werde derzeit in den USA klinischen Versuchen unterzogen. 70 Prozent der Männer sollen damit "akzeptable Erektionen" haben. Wie die Ärzte Zeitung berichtet, hätten bis zu 17 Prozent über Übelkeit geklagt, drei Viertel von ihnen stuften sie allerdings als mäßig ein. Nach Auffassung des Präsidenten des Berufsverbandes der Urologen, Klaus Schalkhäuser, werden mindestens zwei Jahre vergehen, ehe Viagra Konkurrenz bekommt. Auch Pfizer selbst forscht weiter: Die Firma kündigte an, mit einer "Potenz-Waffel" die Wirkzeit auf Minuten zu verkürzen und Nebenwirkungen wie Kopfscherzen und Sehstörungen abzuschaffen.Top

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