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Wann sollte die Umstellung auf Euro erfolgen?

14.09.1998  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Wann sollte die Umstellung auf Euro erfolgen?

Für den Handel bedeutet der Stichtag für den Beginn der Währungsunion, daß zwei Währungen ab dem 1. Januar 1999 parallel Geltung erhalten. Der Euro existiert zunächst nur als Buchwert. Für Unternehmen und Einzelfirmen stellt sich die Frage, wann der beste Zeitpunkt für eine firmeninterne Umstellung ist. Empfiehlt es sich, möglichst früh Buchhaltung, Computer, Preislisten et cetera umzustellen oder sollte der Übergangszeitraum ausgeschöpft und die Umstellung möglichst lange hinausgezögert werden?

Während der dreijährigen Übergangsphase gilt der Grundsatz, daß die Umstellung auf den Euro durch den Staat nicht erzwungen, aber auch nicht behindert werden darf. Jeder kann somit frei entscheiden, wann er sein Unternehmen auf den Euro umstellen möchte. Dies bedeutet auch, daß ab dem Geschäftsjahr 1999 die Bilanzierung wahlweise in Euro oder DM erfolgen kann. Eine entsprechende Änderung des § 244 Handelsgesetzbuchs (HGB) ist mit dem Euro-Einführungsgesetz erfolgt. Für die Zukunft ist geregelt, daß der Jahresabschluß in Euro aufzustellen sei. Eine Bilanzierung bis zum Ende der Übergangsphase ist gleichwohl wahlweise aufgrund Artikel 42 EGHGB in DM möglich. Von einer internen Währungsumstellung während des Jahres ist aus praktischen Gründen abzuraten. Vielmehr empfiehlt es sich, einen bestehenden Jahresabschluß umzuwandeln in eine Euro-Eröffnungs- beziehungsweise Umstellungsbilanz.

Einführungserlaß ist in Vorbereitung

Die Haltung der Finanzverwaltung ging bislang dahin, mit der Einführung des Euro möglichst lange zu warten. Da jedoch mehrere Unternehmen einen frühzeitigen Wechsel planen, mußte auch die Finanzverwaltung reagieren. Derzeit ist ein Euro-Einführungserlaß in Vorbereitung, welcher bis Ende 1998 durch das Bundesfinanzministerium fertiggestellt sein soll. Regelungspunkte sind unter anderem der Ausgleich technischer Rundungsdifferenzen, die interne Datenverwaltung et cetera.

Anders als die Bilanzierung hat die Abgabe der Steuererklärungen nach derzeitigem Stand bis zum 31. Dezember 2001 in DM zu erfolgen, anschließend ausdrücklich in Euro. Entscheidend ist dabei nicht der Zeitpunkt der Einreichung, sondern der Besteuerungszeitraum. Dies gilt auch dann, wenn der Steuerpflichtige Konten in Euro führt und die Rechnungsstellung in Euro erfolgt. Demzufolge weisen auch die Steuerbescheide die Besteuerungsgrundlagen für die Zeiträume bis zum 31. Dezember 2001 in DM aus.

Geschäftspartner kontaktieren

Die Währungsumstellung wirkt sich während der Übergangsphase nicht nur auf Unternehmen mit Kunden und Lieferanten im Ausland aus, sondern auch auf national oder sogar nur regional tätige Betriebe. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) hat ergeben, daß mit zunehmender Unternehmensgröße die Akzeptanz der Währungsunion steigt und eine möglichst frühzeitige Umstellung angestrebt wird. Bei Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern hingegen ist nur bei rund einem Drittel der Wunsch nach einem pünktlichen Start der Währungsunion vorhanden. Apotheken sollten jedoch Kontakt mit ihren Geschäftspartnern aufnehmen und abklären, wann eine Umstellung in deren Betrieb auf den Euro geplant ist. Größere Unternehmen, wie zum Beispiel die Pharmakonzerne, werden sicherlich frühzeitig umstellen und Rechnungen und Angebote in Euro stellen.

Aufgrund einer Vereinbarung der Verbände der gesamten deutschen Kreditwirtschaft und der Bundesbank kann zwar wahlweise in DM oder Euro angewiesen und gutgeschrieben werden. Gleichwohl sollte sich der Handel frühzeitig mit der neuen Währung vertraut machen, um Transparenz und Übersicht zu bewahren.

Zusammengefaßt: Während der Übergangsphase sind die Rechnungslegung, Kontenführung und Bilanzierung in beiden Währungen möglich. Wann die Einführung des Euro im einzelnen Unternehmen sinnvoll ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern ist einzelfallabhängig. Es empfiehlt sich daher, mit Geschäftspartnern und Kollegen Kontakt aufzunehmen. Gerade zu Beginn der Übergangsphase läuft sicher vieles noch nicht reibungslos und wird die Akzeptanz der neuen Währung bei Kunden und Kollegen nur schrittweise erfolgen. Da kleinere Unternehmen, welche nur regional oder national tätig sind, nicht in demselben Maß wie internationale Wirtschaftsunternehmen von der Markttransparenz und der Vereinfachung des internationalen Zahlungsverkehrs von der Währungsunion profitieren, ist meines Erachtens eine Teilnahme "ab der ersten Stunde" nicht empfehlenswert. Zwar sollte nicht bis zum letzten Tag der Übergangsphase abgewartet werden, da eine Umstellung unter Zeitdruck die Gefahr von Fehlern beinhaltet. Es kann jedoch nur von Vorteil sein, sich zunächst abwartend zu verhalten , um aus den eventuellen Fehlern anderer zu lernen und um eine größere Akzeptanz der neuen Währung bei Kunden sowie eine gewisse Routine in der Verwaltung auszunutzen.

Die Abrechnung mit den Krankenkassen kann im übrigen bereits ab dem 1. Januar 1999 in Euro erfolgen. Auch hier besteht jedoch während der gesamten Übergangsphase Wahlfreiheit.

PZ-Artikel von Werner Pöhlmann, NürnbergTop

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