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Friese: Es gibt zur Apotheke keine Alternative1

14.09.1998  00:00 Uhr

-Politik

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Friese: Es gibt zur Apotheke keine Alternative
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. Tag der Apotheke

"Die Apotheke ist stets erreichbar. Es gibt zu ihr keine Alternative", rief ABDA-Präsident Hans-Günter Friese bei der Festveranstaltung zum ersten bundesweiten Tag der Apotheke am 10. September in der Bonner Redoute aus. Vor etwa 200 Gästen überzeugte der Repräsentant von rund 50.000 Apothekern in 21.500 öffentlichen Apotheken, in Krankenhäusern, Industrie und anderen Bereichen mit seiner Darstellung, was Apotheken heute anders als früher bieten und wie sie ihre Dienstleistungen noch ausbauen werden.

Die Zufriedenheit der Kunden mit dem Leistungsspektrum der Apotheken schlägt sich heute schon zum Beispiel im Deutschen Kundenbarometer nieder. 1997 belegten die Apotheken Rang zwei hinter den deutschen Urlaubsregionen. Friese verschwieg nicht: Die Krankenkassen haben lediglich den 13. Platz erreicht. Die Deutschen schätzen demnach dieses System der wohnortnahen Arzneimittelversorgung. Sie erkennen an, daß sie auch mit selten verordneten Präparaten zeitnah, im Regelfall innerhalb eines halben Tages, versorgt werden. "Trotz seltener immer wieder einmal auftauchender Probleme trägt auch der Nacht- und Notdienst dazu bei, das positive Gesamtbild der Apotheke zu festigen", so Friese.

Andere Untersuchungen hätten aber gezeigt, daß ein Teil der Bevölkerung nicht über die ganze Spannweite des tatsächlichen Dienstleistungsangebotes der Apotheken informiert sei, "die mit 132.000 Beschäftigten übrigens mehr Menschen Arbeit geben als der gesamte Volkswagenkonzern an allen seinen deutschen Standorten", ergänzte der ABDA-Präsident. Die Apotheke sei heute weit mehr als ein reiner Abgabeort für Arzneimittel. Sie sei eine soziale, kommunikative Drehscheibe, in der der Kunde und Patient umfassende Beratung zu Arzneimitteln und anderen Gesundheitsfragen bekommt. Gesundheitstests, Vorsorgemaßnahmen, Arzneimittelprüfungen und nicht zuletzt die Beratung seien zentrale Dienstleistungen, die nirgendwo anders im Sinne einer guten Arzneimittelversorgung und Arzneimittelsicherheit erbracht werden.

Verantwortungsvolle Rolle bei der Gesundheitsreform

In der Gesundheitsreform hat die Apothekerschaft in besonderem Maße Verantwortung getragen. Der Berufsstand ist nach Frieses Worten zu Sparmaßnahmen herangezogen worden, nicht zuletzt, weil der Arzneimittelmarkt transparent ist und die Verdienstspannen gesetzlich geregelt sind. Dabei habe er aber nie seine Aufgabe vernachlässigt. Bundesgesundheitsminister Seehofer habe in letzter Zeit immer wieder betont, daß keine weiteren Einsparungen in diesem Sektor mehr zu realisieren seien - zumal sich das deutsche Arzneimittelpreisniveau im europäischen Vergleich im Mittelfeld bewege.

Der ABDA-Präsident stellte fest, daß sich die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen derzeit unter einer wirksamen gesellschaftlichen Kontrolle befänden. Der Anteil der Arzneimittelausgaben an den Gesamtausgaben der GKV sei von fast 16 Prozent im Jahr 1992 auf zwölf Prozent im Jahr 1997 zurückgefahren worden. Die absoluten GKV-Ausgaben für Arzneimittel lagen 1997 unter denen des Jahres 1992. Die Wertschöpfung der Apotheken bei Arzneimitteln sank im gleichen Zeitraum von 22,6 auf 21,4 Prozent, der Anteil des Apothekenrohertrages an den Gesamtausgaben der Krankenkassen von 3,5 auf 2,7 Prozent. "Wenn in anderen Leistungsbereichen ähnlich gespart worden wäre, hätten die Kassen 1997 einen Überschuß von fast 60 Milliarden DM erzielt, und die Kassenbeiträge könnten heute bei zehn Prozent statt bei 13 Prozent liegen", sagte Friese unter Beifall.

"Die Arzneimittelversorgung der Zukunft" - eine Diskussion

Die Apotheker haben die Folgen der gesundheitspolitischen Veränderungen wie kein anderer zu spüren bekommen, erklärte Regina Schmidt-Zadel (SPD) bei der Podiumsdiskussion. Die Patienten hätten Frust und Sorgen in den Apotheken abgeladen. Eine Weiterentwicklung des Gesundheitswesens ist ihrer Meinung nach nur mit und nicht gegen die Apotheker denkbar. So könne die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens verbessert werden. Nach Meinung der Politikerin müßten auch die Apotheker einen Sitz im Bundesausschuß Ärzte/Krankenkassen, dieser zentralen Institution in der Gesundheitspolitik, haben. Sie dürften nicht am Katzentisch des Gesundheitswesens sitzen. Künftig müßten die Patienten mehr als bisher über den Apotheker in das System der Pharmazeutischen Betreuung eingebunden werden. Die Positivliste stehe im Programm, regionale Einkaufsmodelle würden bei Wahlsieg aber nicht im ersten Schritt umgesetzt.

Die Liberalen wollen den unabhängigen, freiberuflichen Apotheker, sagte Jürgen Möllemann (FDP). Die flächendeckende Arzneimittelversorgung muß weiter von den öffentlichen Apotheken und nicht von den Krankenhausapotheken sichergestellt werden. Die FDP steht für den einheitlichen Apothekenabgabepreis, ist aber gegen Kettenapotheken und Versandhandel. Es ist zwar richtig, daß die Apotheke Kosten verursachen; dennoch sparen sie gesamtwirtschaftlich und unter Sicherheitsaspekten gesehen unter dem Strich Geld ein. Durch die Europäisierung dürfen die Apotheken nicht ins Hintertreffen gelangen, so Möllemanns Thesen. Den Trend zur Europäisierung könne man nicht aufhalten, man könne ihn aber gestalten. Die Rolle der Krankenkassen müßten auf die Rolle von Dienstleistern zurückgeführt werden.

Wolfgang Lohmann (CDU/CSU) verwies auf den gesundheitspolitischen Erfolg seiner Partei, die das Versandhandelsverbot in der 8. Novelle des Arzneimittelgesetzes festgeschrieben hat. Im Zusammenhang mit Blut-, Blutprodukten und Aids sei in erschreckender Weise deutlich geworden, was geschehen kann, wenn der sichere Weg der Arzneimitteldistribution verlassen werde. Insofern könne er nichts von dem mittragen, was über andere Vertriebswege als den bewährten diskutiert werde. Das alte Feindbild müsse endlich aus den Köpfen verschwinden: "Bei den Apothekern ist nichts mehr zu holen", und das in Deutschland praktizierte Verteilungssystems gehöre schließlich nicht zu den teuersten.

ABDA-Präsident Friese hob zum Abschluß der kurzen Diskussion, die keine Arena des Wahlkampfes sein sollte, auf die "balance of power", das Kräftegleichgewicht im Gesundheitswesen ab. Entscheidend sei, daß nach der Bundestagswahl das Oligopol der Krankenkassen nicht noch gestärkt werde.

Deutschsprachige Nachbarn begehen Tag der Apotheke

Dem Tag der Apotheke haben sich auch die deutschsprachigen Nachbarn Österreich, Schweiz, Luxemburg und Südtirol angeschlossen. In der Bonner Redoute lag neben der von der ABDA herausgegebenen Zeitschrift zum Tag der Apotheke eine 24seitige Zeitschrift der Schweizer aus. In zahlreichen Beiträgen stellen die eidgenössischen Apotheker ihre Ansprüche und Leistungen rund um die Beratung dar. Der Beitrag "Die Apotheke: nützlich, aber zu wenig genutzt" faßt die Ergebnisse einer Umfrage zusammen, die für die Schweiz ähnliche Zustände beschreibt wie sie auch in Deutschland herrschen: "96 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer finden die Beratung in Apotheken nützlich. Aber nur ein Viertel nimmt die Beratung auch in Anspruch". Typisch schweizerisch dagegen: "Jeder zweite würde Medikamente auf Rezept keinesfalls im Kaufhaus oder in der Drogerie einlösen, 60 von 100 Personen lassen sich verordnete Medikamente auf keinen Fall per Postversand schicken", heißt es.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, BonnTop

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