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Neurohormon könnte Cortisol ersetzen

14.09.1998  00:00 Uhr

-Pharmazie

Govi-Verlag

Neurohormon könnte Cortisol ersetzen

Zwar aus den Pharmakologie-Vorlesungen bekannt, doch bisher therapeutisch nicht in Erscheinung getreten: Die Rede ist von Proopiomelanocortin, kurz POMC. Das könnte sich in naher Zukunft ändern.

POMC ist ein opiatartiges Neurohormon und die gleichzeitige Vorstufe von Melanotropin und den Endorphinen. Auf einer Zwischenstufe spaltet sich zudem ACTH (Corticotrophin) ab. So sind denn die aus POMC gebildeten Substanzen für Immunabwehr, Schmerzregulierung und die Pigmentierung der Haut verantwortlich. Diese Eigenschaft möchte man sich medikamentös zu Nutze machen.

Daß sich POMC in Laborversuchen entzündungswidrig verhält, sei bewiesen, sagte der Direktor der Hautklinik Münster, Professor Dr. Thomas Luger, in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur dpa. Ob es auch beim Menschen wirkt, werde derzeit an der Universitätsklinik Münster untersucht. Mit den Testergebnissen sei noch in diesem Jahr zu rechnen.

Nach Angaben Lugers kann die richtige Dosis des Neurohormons möglicherweise Fieber senken und Hautkrankheiten wie Neurodermitis verhindern. "Bisher dachten alle Experten, POMC werde ausschließlich von der Hirnanhangsdrüse produziert. Jetzt wissen wir, daß nahezu alle Organe das Hormon herstellen können, also auch die Haut." Als Spritze oder Salbe verabreicht, funktioniere POMC ähnlich wie Cortison. "POMC hat aber keine schädlichen Nebenwirkungen", betonte der Wissenschaftler. Cortison dagegen kann Impotenz, Diabetes, Bluthochdruck und Grauen Star auslösen.

Bisher noch Zukunftsmusik, aber nach den Ausführungen Lugers denkbar: "Werden die Empfängerzellen für das POMC-Produkt Melanotropin mittels Gentherapie verändert, könnte man den Hauttyp und damit die Anfälligkeit für Hautkrebs steuern."

PZ-Artikel von Elke Wolf, Oberusel
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