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14.09.1998  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  15.09. BKK Post erstattet sanfte Medizin
PZ. Die BKK Post erstattet ab sofort die Kosten für die Behandlung ihrer Versicherten mit bestimmten Naturheilverfahren. Einzige Voraussetzung, so Vorstandsvorsitzender Götz Emrich: "Die Behandlung muß von Vertragsärzten verordnet und auch durchgeführt werden." So will die größte geöffnete Betriebskrankenkasse Deutschlands künftig für Homöopathie, Akupunktur und Neuraltherapie, aber auch für Ernährungstherapie, Eigenblut-Behandlung und Anthroposophische Medizin aufkommen. "Wir machen hier den Spagat", so Einrich gegenüber der Presse, "einerseits schwören viele Menschen auf die sanfte Medizin. Gleichzeitig bemängeln auf der anderen Seite Kritiker das Fehlen von wissenschaftlichen Belegen über den Erfolg der alternativen Medizin." Die BKK Post, bei der rund 650 000 Bundesbürger krankenversichert sind, beruft sich bei ihrem Vorstoß auf das Sozialgesetzbuch, das verschiedene Heilverfahren besonders schätze.

14.09. Schmall: Extra Leistung - extra Honorierung
PZ. Schmall erwartet, daß zukünftig nicht mehr alle Leistungen der Apotheker über die Abgabe von Arzneimitteln honoriert werden können. Die Arzneimittelpreisverordnung sei zu einer Zeit erlassen worden, zu der die Unterstützung der Ärzte in der Pharmakotherapie und Pharmazeutische Betreuung noch kein Thema waren. Abgesehen von der Kappung im hochpreisigen Bereich blieben die Apothekenzuschläge seit 20 Jahren unverändert. Mittlerweile müßten Apotheker eine ganze Reihe von zusätzlichen Leistungen erbringen. Es sei an der Zeit, darüber nachzudenken, wie diese Tätigkeiten honoriert werden könnten. Wenn der Apotheker dabei helfe, Behandlungskosten zu reduzieren, müsse er auch selbst von den Einsparungen profitieren. Eine Abkehr von der Arzneimittelpreisverordnung bedeutet dies freilich nicht. Sie ist als Honorarsystem für die Apotheker unverzichtbar. Schmall kritisierte deshalb auch die Versuche von Krankenkassenfunktionären, den einheitlichen Abgabepreis für Arzneimittel auszuhebeln.

14.09. POMC könnte Cortison ersetzen
dpa. "Das sogenannte POMC-Hormon hat entzündungshemmende Wirkung und verhindert Kontaktallergien", ist der Direktor der Hautklinik Münster, Thomas Luger, überzeugt. An der Universitätsklinik Münster werde derzeit klinisch untersucht, ob eine Therapie mit Proopiomelanoncortin (POMC) auch beim Menschen wirkt. "In Laborversuchen hat sich schon gezeigt, daß das POMC-Hormon Enzündungszellen hemmt", sagte Luger. Die richtige Dosis des Neurohormons kann möglicherweise Fieber senken und Hautkrankheiten wie Neurodermitis verhindern. "Bisher dachten alle Experten, POMC werde ausschließlich von der Hirnanhangsdrüse produziert. Jetzt wissen wir, daß nahezu alle Organe das Hormon herstellen können, also auch die Haut." Als Spritze oder Salbe verabreicht, funktioniere POMC ähnlich wie Cortison. "POMC hat aber keine schädlichen Nebenwirkungen", betonte der Wissenschaftler. POMC ist die gleichzeitige Vorstufe von ß-Endorphin und Melanotropin. So sind denn die aus POMC gebildeten Substanzen für Immunabwehr, Schmerzregulierung und die Pigmentierung der Haut verantwortlich. "Werden die Empfängerzellen für diese Hormone mittels Gentherapie verändert, könnte man den Hauttyp und damit die Anfälligkeit für Hautkrebs steuern."

14.09. Jungmediziner verzichten auf Doktortitel
dpa. Die Zahl der Promotionen bei den Medizinern hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Von den 31- bis 35jährigen Ärztinnen und Ärzten haben 46 Prozent keinen Doktortitel, ergeben die neuesten statistischen Zahlen, die jetzt in München von der Landesärztekammaer veröffentlicht wurden. Bei den 36- bis 40jährigen Medizinern liegt der Anteil ohne akademischen Doktortitel immer noch bei 27 Prozent, während von den 41- bis 45jährigen Ärzten fast 80 Prozent einen Doktortitel tragen.

11.09. Xenical startet mit Lieferschwierigkeiten
dpa.Bereits am ersten Tag derVerfügbarkeit der Orlistat-haltigen Pille wurden deutlich mehr Xenical-Rezepte auf den HV-Tisch gelegt als erwartet. Das teilt das Herstellerunternhemen Hoffmann-La Roche mit. Trotz Bevorratung des Großhandels hätten bereits am Donnerstag einige Nachbestellungen von Apotheken vom Großhandel nicht mehr bedient werden können. Der Lieferengpaß werde so schnell wie möglich behoben, heißt es aus Grenzach-Wyhlen.

11.09. Hormon gegen Herzinsuffizienz
PZ. Das Hormon Nesiritide hat sich als ein wirksames neues Therapieprinzip bei der akuten Herzschwäche, der akuten dekompensierten kongestiven Herzinsuffizienz (CHF), erwiesen. Unter Nesiritide bessern sich die Atembeschwerden der Patienten, und die Pumpleistung des Herzens nimmt signifikant zu, hieß es auf dem Kongreß der European Society of Cardiology in Wien. Nesiritide ist die gentechnisch hergestellte Form des Hormons B-Typ Natriuretisches Peptid (BNP), das im menschlichen Körper vorwiegend in der linken Herzkammer synthetisiert wird. Unter der BNP-Einwirkung erweitern sich die arteriellen und venösen Blutgefäße, erhöht sich die Natrium- und Urinausscheidung; der Plasmaspiegel des Hormons Aldosteron, das die Flüssigkeitsausscheidung hemmt, wird gesenkt.Im Frühjahr 1998 wurde Nesiritide (Natrecor®) zur Zulassung in den USA eingereicht, im nächsten Jahr soll Europa folgen.

11.09. Umsätze in Apotheken sind gestiegen
dpa. Der Umsatz im Einzelhandel pendelte sich in den ersten sieben Monaten 1998 mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent praktisch auf das Vorjahresniveau ein. In jeweiligen Preisen legte der Umsatz um 0,3 Prozent zu. Etwas mehr Hoffnung für die Branche bringt der reale Juli-Umsatz, der um 1,6 Prozent über dem 97er Niveau liegt, informiert das Statistische Bundesamt, Wiesbaden. Deutliche Zuwachsraten verzeichneten im Juli nur die Apotheken und der Facheinzelhandel mit medizinischen, orthopädischen und kosmetischen Artikeln mit einem Umsatzplus von real 7,9 Prozent. Positiv liefen die Geschäfte auch im Versandhandel (plus 1,2 Prozent) und im Einzelhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren (plus 2,7 Prozent). Bekleidungsgeschäfte (minus 0,7 Prozent) und der Handel mit Möbeln und Hausrat (minus 0,6 Prozent) verbuchten dagegen Einbußen.

10.09. Breite Ablehnung der GKV-Vorschläge
PZ. Die Thesen der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur künftigen Entwicklung des deutschen Gesundheitswesens finden bei den Leistungsanbietern ein weitgehend negatives Echo. Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie sieht beispielsweise in Ketten- und Versandapotheken keinen geeigneten Reformbeitrag. Die derzeitigen Vertriebsstrukturen stellten sicher, daß Medikamente jedes Herstellers bundesweit verfügbar seien. Die öffentliche Apotheke sei der Garant für eine hochwertige Arzneimittelversorgung. Der Bundesfachverband der Arzneimittelhersteller lehnte die Positionen der Krankenkassen-Spitzenverbände zur künftigen Medikamenten-Versorgung ebenfalls ab. Sie gefährdeten Therapiefreiheit und -sicherheit. Auch den von Kassenseite geforderten Preisverhandlungen für Arzneimittel außerhalb des Festbetragssystems erteilte die Organisation eine strikte Absage. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft beurteilten in einer ersten Reaktion die ihren Sektor betreffenden Positionen der GKV-Spitzenverbande ebenfalls äußerst kritisch.

09.09 Kassen machen unerfreuliche Vorschläge
PZ. Die Krankenkassen werden nicht müde, die Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes zu fordern. Die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) appellieren an den nächsten Deutschen Bundestag, bei den Sparbemühungen im Gesundheitswesen die Vertriebswege für Arzneimittel nicht außer Acht zu lassen. Das Verbot des Fremd- und Mehrbesitzes von Apotheken gehöre ebenso auf den Prüfstand wie wirtschaftlichere Vertriebsformen für pharmazeutische Produkte. Das gegenwärtige System konserviere eine "ineffiziente und atomistische Struktur" im Arzneimittelhandel. Gleichzeitig setzen sich die Spitzenorganisationen der Krankenkassen dafür ein, den Markt in unverzichtbare, unumstrittene und sonstige Medikamente einzuteilen.

09.09. Regreß: Fehlen den Kassen die Daten?
dpa.Nach Auskunft des Sprechers der Kraichgauer Ärzteschaft, Geert Wenzel, sollen Nordbadens Ärzte wegen Honorarüberschreitungen zur Kasse gebeten werden. Doch scheinen die Krankenkassendaten nicht die besten zu sein. Auf den einzelnen Mediziner könnten Nachzahlungen in sechsstelliger Höhe zukommen. Er kündigte Proteste der Ärzteschaft und Praxisschließungen noch vor der Bundestagswahl an. Höchst unzufrieden zeigt sich der Ärztesprecher mit dem Datenmaterial der Krankenkassen. So hätten die Ärzte erst Anfang September Hinweise zu Überschreitungen der Richtgrößen im ersten Quartal 1998 erhalten. Zwei weitere Quartale seien inzwischen so gut wie "abgehakt". Empfohlene "individuelle Beratungsgespräche" der Ärzte mit den Kassenärztlichen Vereinigungen könnte es aber wegen mangelnder Daten seitens der Kassen nicht geben. Laut Wenzel sind die Daten nicht nur zu spät gekommen. "Die groben Zahlen stimmen auch nicht mit unseren Daten überein."

09.09. WHO-Umbau im November abgeschlossen
dpa .Der von der neuen Generalsekretärin Gro Harlem Brundtland angekündigte Umbau der Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll bereits Anfang November abgeschlossen sein, So sollen die Leiter der einzelnen WHO-Programme künftig nicht mehr völlig unabhängig arbeiten. Auch die Regional-Direktoren müssen Macht abgeben. Wie Donas Gahr Store, Leiter von Brundtlands persönlichem Beraterstab am Mittwoch in Genf berichtete, will seine Chefin etwa die nationalen WHO-Leiter künftig selbst ernennen, dies war bisher eine Aufgabe der jeweiligen Regional-Direktoren gewesen. Um die Reformen innerhalb der oft wegen ihrer Ineffizienz gescholtenen Organisation schnell vorantreiben zu können, hat Brundtland die Mitgliedstaaten aufgefordert, insgesamt zehn Millionen Dollar in einen "Erneuerungs-Fonds" einzuzahlen. Als Beispiel für die neue projektorientierte Arbeitsweise der WHO nannte Store das Malaria-Programm. Es sieht eine konkrete Zusammenarbeit verschiedener UN-Organisationen mit der Weltbank und Regierungen in Afrika vor. Eine komplette Ausrottung der Krankheit sei momentan utopisch. Durch bessere Medikamente, imprägnierte Moskitonetze und Aufklärung könne die Krankheit jedoch zurückgedrängt werden.Top

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