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Rosiglitazon in der Monotherapie

08.09.2003
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Typ-2-Diabetes

Rosiglitazon in der Monotherapie

von Brigitte M. Gensthaler, München

Seit Anfang September ist Rosiglitazon europaweit auch zur peroralen Monotherapie bei Typ-2-Diabetikern zugelassen. Dies gilt besonders für übergewichtige Patienten, die Metformin nicht vertragen.

Bereits drei Jahre lang wird das Thiazolidindion, das wie Pioglitazon als Insulinsensitizer wirkt, in Kombination mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen bei Typ-2-Diabetikern eingesetzt.

Doch die Gruppe der Glitazone kann erheblich mehr, als die Blutglucose (nüchtern und postprandial) und den Langzeitblutzucker HbA1C zu senken. Die Wirkstoffe greifen an vielen Stellen günstig in das metabolische Syndrom – gekennzeichnet durch Insulinresistenz, Hyperglykämie, Hyperlipidämie, Hypertonie und Adipositas – ein. Damit könnten sie das kardiovaskuläre Risiko der Diabetiker reduzieren und den progredienten Verlust der Betazellfunktion aufhalten, erwartet Privatdozent Dr. Andreas Hamann vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Die mit Rosiglitazon erreichte HbA1C-Senkung sei in Studien auch nach 30 Monaten Therapie erhalten geblieben, sagte der Internist bei einer Pressekonferenz der Firma GlaxoSmithKline in München. Trotz einer normnahen Glucoseeinstellung seien Hypoglykämien unter Glitazonen, ebenso wie unter Metformin und a-Glucosidasehemmern, in der Praxis nicht zu befürchten. Dies zeigen die Daten von 2526 Patienten, die in Studien Rosiglitazon als Monotherapie oder Placebo erhalten hatten. Unter Verum wurde bei 0,6 Prozent der Patienten, unter Unterzuckerung dokumentiert. Erwünscht ist auch die Blutdruck senkende Wirkung der Stoffgruppe. Unter Praxisbedingungen sinkt der systolische Druck unter Rosiglitazon um 6 mmHg, der diastolische um 2 mmHg, berichtete der Internist und GSK-Mitarbeiter Dr. Tjark Reblin. Zudem ändere sich das Lipidprofil: HDL-Cholesterol steigt je nach Ausgangswert um 10 bis 25 Prozent. Allerdings, jedoch in geringerem Ausmaß, nimmt auch LDL-Cholesterol zu, wobei der Anteil der besonders atherogenen small dense-LDL-Partikel zurückgehe. Der Spiegel an C-reaktivem Protein nahm in Rosiglitazon-Studien deutlich ab. Dieses Protein gilt als Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit und Prädiktor für Herzinfarkt und Schlaganfall und ist mit einer Insulinresistenz assoziiert. Nachgewiesen ist zudem ein Rückgang einer Mikroalbuminurie unter Glitazonen. Die Antidiabetika könnten demnach vor einer Nephropathie schützen.

Weiterer Pluspunkt: Die Glitazone senken die Aktivität des Plasminogen-Aktivator-Inhibitors-1 (PAI-1), der thrombotische Ereignisse fördert. Die Arzneistoffe verbessern die Fibrinolyse und vermindern damit das thromboembolische Risiko.

Ob die Wirkstoffe das Herz- und Gefäßrisiko der Diabetiker in der Praxis tatsächlich senken, wird derzeit in großen Langzeitstudien überprüft. Erste Ergebnisse sollen in zwei Jahren vorliegen. Top

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