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Das Salus-Haus wählt die Natur zum Partner

08.09.1997  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Das Salus-Haus wählt die Natur zum Partner

Das lateinische Wort Salus bedeutet Wohlsein. Und der Gesunderhaltung hat sich der Firmengründer Dr. Otto Greither 1916 verschrieben - mit seiner "Salus-Kur" und Erzeugnissen, die ohne chemische Zusätze hergestellt und weitgehend naturbelassen sind. Für seinen Sohn, den heutigen Firmeninhaber Otto Greither, hat Salus auch etwas mit Umweltschutz und Rohstoffgewinnung aus kontrolliert biologischem Anbau zu tun.

Direkt hinter dem Firmenschriftzug folgt das Wort Naturarzneimittel. Auf der Produktepalette stehen die verschiedensten Kräuter- und Früchtetees, Elixiere, Tonika, Tropfen sowie Heilöle und Cremes, Tabletten, Kapseln oder Dragees mit Pflanzeninhaltsstoffen. Salus-Erzeugnisse sind in Apotheken und Reformhäusern zu kaufen. Apothekenexklusive Ware wird über ein Zwischenlager der Duopharm, Bad Aibling, an den Großhandel ausgeliefert.

Vom Anbau der Heilkräuter über die Rückstandskontrolle bis hin zur Produktion liegt alles in Salus-Hand. Vorzugsweise werden Heilkräuter aus kontrolliert biologischem Anbau oder aus kontrollierter Wildsammlung eingesetzt. Nur wenn aus diesen Quellen keine Kräuter zu beziehen sind, arbeitet die Produktionsabteilung mit konventionell angebauter Ware.

Im Salus-Haus erreichte 1996 der Bioanteil bei den Rohstoffen 27 Prozent, für 1997 sind rund 40 Prozent anvisiert. Quelle für rund 30 Pflanzenarten sind die Farmen in Südchile mit insgesamt 600 Hektar Fläche. Dort sind die Böden nie intensiv bewirtschaftet worden und daher frei von künstlichen Düngern, Pflanzenschutzmitteln, wie das Unternehmen hervorhebt.

Die Grundlagen für den Anbau von Kräutern nach ökologischen Methoden wurden auf dem heimischen Betriebsgelände in Bruckmühl in einem Versuchskräutergarten erarbeitet. Hier versuchen Gärtner vom Aussterben bedrohte Arten wie das Tausendgüldenkraut oder den Bergfrauenmantel zu kultivieren.

Auch für die weitere Verarbeitung hat sich die Firma die Ökologie auf die Fahnen geschrieben. Das beginnt schon in der Kältekammer, in der die Rohstoffe durch flüssigen Stickstoff auf bis zu minus 80 Grad Celsius abgekühlt werden, damit alle Insekten, Larven und Eier unschädlich gemacht werden. Auf Begasungschemikalien wird verzichtet. Weitere Beispiele sind die Stromversorgung zu 78 Prozent durch Wasserkraft oder seit 1993 die Umstellung der Honiganlieferung von Einwegfässern auf Tankzüge. Bei soviel Umweltbewußtsein kam 1996 die Belohnung in Form einer EG-Öko-Audit-Zertifizierung.

Ein Blick zurück In die Geschichte


Von Umweltschutz hat der Firmengründer Greither noch nichts gehört, wohl aber von naturbelassenen Arznei- und Lebensmitteln. Er wußte um die Bedeutung alkalireicher Kost, denn "alle Körperflüssigkeiten wie Blut, Lymphe, Harn sollen leicht alkalisch sein. Als basenreich gelten Früchte und Gemüsenahrung. Die reichliche Fleischkost führt zu Säureüberschuß", schrieb er in seinem am Anfang des 20. Jahrhunderts erschienenen Buch "Gesund durch dich selbst".

Selbst schwer an Gicht erkrankt, fand Greither durch Selbstversuche heraus, daß viele Beschwerden auf Störungen des Verdauungssystems beruhen. Er schwor auf eine möglichst intakte Darmflora, denn "wir leben nicht von dem, was wir essen, sondern von dem, was wir verdauen". Um die Darmflora ins Gleichgewicht zu bringen, entwickelte er die Salus-Kur mit Tees, Heilmoor und -erde, Greitherna-Tabletten, Salus-Öl.

Greither gründete 1916 in München das Salus-Werk. Aus dieser Zeit stammt das erste Firmensignet: der Mann mit dem Schild, der die heranfliegenden Pfeile der Krankheit abwehrt. Noch heute ziert der Kämpfer einige Umkartons und Beipackzettel. Greither erweiterte nach und nach sein Angebot und richtete in ganz Deutschland Salus-Verkaufs- und Auskunftstellen ein. Nach dem Krieg gingen daraus viele der heutigen Reformhäuser hervor.

Kurz vor seinem Tod 1930 benannte Greither sein Werk in Salus-Haus um. Der 2. Weltkrieg legte den Betrieb völlig lahm. 1945 baute der 20jährige Sohn Otto Greither zusammen mit seinem Bruder, ein paar ehemaligen Mitarbeitern und engen Freunden die Firma an alter Stelle wieder auf und leitet sie bis heute. Seit 1968 ist Bruckmühl, Landkreis Rosenheim, die neue Heimat des Werkes. Mittlerweile hat das Unternehmen etwa 240 Mitarbeiter.

Zwischenzeitlich hat das Unternehmen verschiedene Firmen übernommen. 1960 stand der Erwerb der Wiesbadener Floradix Arzneimittelfabrik auf dem Programm. Auch heute noch werden Salus-Erzeugnisse aus warenzeichenrechtlichen Gründen unter der Firmierung Floradix vertrieben. Ab 1978 wurde die Lebensmittelsparte ausgebaut; die Firma Dr. Dünner kam hinzu. 1986 stand weiterer Markenzuwachs mit diätetischen Nahrungsmitteln der Quickvital Natur-Diät-Waren-GmbH ins Haus.

Kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands gelang es Greither, mit der Firma Schoenenberger in Magstadt einen der Hauptmitbewerber um den Reformhausmarkt zu erwerben. Er bekam so die Marken Schoenenberger, Extracta, Olbas und Hensel.

Mit rund 1500 verschiedenen Artikeln schwimmt das Unternehmen momentan auf Expansionskurs. Der Umsatz liegt bei 160 Millionen DM, wovon der Exportanteil 35 Prozent beträgt. Ausländische Niederlassungen hat Salus nicht. Der Export erfolgt von Bruckmühl aus in sechzig Länder. Stolz ist das Unternehmen auf seine Kräutertonika: Exportschlager und auch in Deutschland der meist verkaufte Artikel ist der eisenhaltige Kräuterblutsaft.

PZ-Artikel von Elke Wolf, Oberursel
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