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PZ Nachrichten

08.09.1997  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  08.09. Diätpillen-Prozeß hat begonnen
Nach zweijährigen Ermittlungen hat am Montag in Köln der sogenannte Schlankheitspillen-Prozeß gegen den Euskirchener Arzt Reinhard Jansen und zwei Apotheker aus dem Rheinland begonnen. Dem Arzt werden 13.902 Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vorgeworfen. Fast fünf Jahre lang soll er Rezepturen für gesundheitsgefährdende Schlankheitskapseln ausgestellt haben. Die Ermittlungsbehörde hatte zunächst vermutet, durch die Präparate seien mindestens zwei Patientinnen zu Tode gekommen. Zwischen der Verschreibung der Pillen und dem Tod der beiden Frauen ließ sich jedoch kein direkter Zusammenhang herstellen. Die beiden Apotheker, die die Präparate hergestellt und an Jansens Patienten verkauft haben, müssen sich zudem wegen der Herstellung von Diätkapseln für den belgischen Diätarzt Ivan Coesens vor Gericht verantworten. Coesens war nach Beginn der Ermittlungen in Sommer 1995 untergetaucht. Die Apotheker sollen mit den Diätpillen einen Jahresumsatz von rund einer Million Mark erzielt haben. Einer der beiden Apotheker bestritt am Montag die gesundheitsgefährdende Wirkung der Kapseln.

08.09. Kanada: Apotheker im Pharmanet
Während in Deutschland noch über die Vernetzung und die Erfassung der Patientendaten kontrovers diskutiert wird, hat in Kanada die Zukunft bereits begonnen, wie auf dem 57. Weltkongress der FIP in Vancouver deutlich wurde. Seit zwei Jahren sind in Britisch Kolumbien die Apotheken mit den Versicherungen via Computer im "Pharmanet" vernetzt. Alle Verschreibungen sind dort unter einem Patientenprofil abgelegt mit dem Ziel, das Risiko von Nebenwirkungen oder Interaktionen zu minimieren. Jede Apotheke hat die Möglichkeit, wenn der Versicherte mit einer Verschreibung in die Apotheke kommt, über die persönliche Kennkarte des Patienten aus der zentralen Datenbank, die übrigens von der Regierung finanziert wurde, das spezielle Patientenprofil auf sein System zu laden. Mit der Vernetzung soll auch der Arzneimittelmißbrauch unterbunden werden. Nach Auskunft der Apotheken hat sich dieses System bereits bewährt, nicht nur, weil die Bezahlung der Arzneimittel unmittelbar erfolgt, sondern weil bei den Patienten eine größere Arzneimittelsicherheit und Zufriedenheit erreicht wurde.. Bedenken zum Datenschutz, die bisher in Deutschland die umfassende Vernetzung der Patientendaten verhindern, spielen in Kanada offensichtlich kaum eine Rolle. Hauptziel sei es, die Arzneimittelsicherheit für den Patienten zu erhöhen.

05.09. NOHIV geht gegen Aids-Test-Verbot vor
Gegen das Auslieferungsverbot des Aids-Heimtests "NOHIV logic" hat die Vertriebsfirma NOHIV beim Verwaltungsgericht Gießen einen Eilantrag eingereicht. Das teilte der Sprecher der in Staufenberg bei Gießen ansässigen Firma, Joachim Heinze, am Freitag mit. Vom Verwaltungsgericht war keine Bestätigung zu erhalten, da die Geschäftstelle bereits für das Wochenende geschlossen hatte. NOHIV-Vizepräsident Wolfgang Buttgereit hatte bereits nach dem Auslieferungsverbot des Hessischen Gesundheitsministeriums am 28. August erklärt, die Firma habe Rechtsmittel eingelegt, Laut Heinze mußte der Antrag allerdings sorgfältig formuliert werden und sei deshalb erst jetzt an das Gericht gefaxt worden. Er ziele auf die Klärung der strittigen Frage der vom Ministerium behaupteten Zulassungspflicht des Tests ab. Diese Pflicht wird von NOHIV bestritten, Der von der kanadischen Firma Pace entwickelte Heimtest beruhe auf synthetischen Antikörpern. Er sei deshalb, so die Argumentation der Firma, nach dem deutschen Arzneimittelgesetz nicht zulassungspflichtig. Ursprünglich hatte der deutsche Pace-Vertriebspartner NOHIV den Heimtest ab dem 1. September auf den Markt bringen wollen. Er sollte rezeptfrei in den Apotheken verkauft werden. Die zentrale Stelle für die Zulassung von Aids-Tests, das Paul-Ehrlich-Institut im südhessischen Langen, hatte dagegen ein Auslieferungsverbot von "NOHIV logic" gefordert. Die Zuverlässigkeit eines solchen Tests sei fraglich, das Verfahren wegen möglicher Anwendungsfehler sehr unsicher. Dieser Auffassung hatte sich das Hessische Gesundheitsministerium angeschlossen und die Auslieferung des Tests für die rezeptfreie Vermarktung untersagt.

05.09. Roggenbrot gegen Kolonkrebs
Epidemiologische Studien sprechen für eine schützende Wirkung ballaststoffreicher Kost gegen Dickdarmkrebs. Wie der Mechanismus der präventiven Wirkung aussehen könnte, wird nach und nach aufgedeckt. Der unlösliche Anteil der Ballaststoffe sorgt für ein höheres Stuhlvolumen, vermindert die Transitzeit und verkürzt damit die Kontaktzeit fäkaler toxischer Verbindungen mit der Mukosa. Die lösliche Fraktion der Faserstoffe (beim Roggenbrot im Vergleich zu anderen Brotsorten relativ hoch) wird durch Fermentation in kurzkettige Fettsäuren wie Essig-, Propion- und Buttersäure überführt. Dabei "könnte Butyrat eine Schlüsselrolle bei Dickdarmkrebs spielen", sagte Professor Dr. Walter Feldheim, Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde, Universität Kiel, auf einer vom Nordisk Industrifond unterstützten Veranstaltung. Butyrat ist an Teilung und Differenzierung der Mukosazellen des Dickdarms beteiligt und könnte daher einen Schutzfaktor gegen Kolonkrebs darstellen.

05.09. Zeitung: Krankenkassen machen Schulden
Einige Krankenkassen in Ostdeutschland und Berlin finanzieren nach Informationen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Freitagsausgabe) einen Teil ihrer Ausgaben rechtswidrig über Kredite. Die betroffenen Kassen, darunter die Berliner Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) sowie Betriebskrankenkassen, hätten keine gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen mehr, sondern hohe Schulden. Mittlerweile seien insgesamt Schulden der ostdeutschen Krankenkassen von mehr als 1,14 Milliarden Mark aufgelaufen. Nach Informationen der Zeitung hat der zuständige Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium, Manfred Zipperer, alle Arbeits- und Sozialministerien in den neuen Ländern in einem Brief darauf hingewiesen, daß eine Kreditfinanzierung laufender Ausgaben "rechtlich nicht zulässig ist". Zipperer verlangt dem Zeitungsbericht zufolge ein Einschreiten der ostdeutschen Landesaufsichtsbehörden.

04.09. Experten fordern mehr Sicherheit von Blut
Blut und Blutprodukte sind nach Einschätzung von Experten in Deutschland so sicher wie noch nie. Das Risiko, durch Blut oder Blutprodukte Infektionserreger auf Patienten zu übertragen, sei erheblich verringert worden, stellte Reinhard Kasper vom Bundesgesundheitsministerium am Donnerstag in Frankfurt fest. "Es besteht aber immer noch ein, wenn auch geringes, Restrisiko", sagte der Experte für Arzneimittel in einer wissenschaftlichen Fortbildungstagung. Auch menschliches Fehlverhalten bedeute ein nicht auszuschließendes Restrisiko. Deshalb sollten neue Testverfahren und qualitätssichernde Maßnahmen erprobt sowie der Grad der Selbstversorgung verbessert werden. "Es muß ein gesundheitspolitisches Ziel sein, zu einer nationalen Selbstversorgung mit Blut und Blutprodukten zu kommen". Damit könnte eine Unabhängigkeit von Importen aus Drittländern erreicht werden, in denen unvorhergesehene Epidemien auftreten. Auch das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt verlangt einen höheren Standard bei Blutimporten aus Drittländern und eine Senkung des Verbrauchs von Blutprodukten.

03.09. AK Nordrhein: Mattenklotz wiedergewählt
Der Duisburger Apotheker Karl-Rudolf Mattenklotz ist in seinem Amt als Präsident der Apothekerkammer Nordrhein bestätigt worden. Auf der konstitutionierenden Sitzung der Delegiertenversammlung am 3. September in Neuss erhielt Mattenklotz 71 von 114 abgegebenen Stimmen. Für den Duisburger Apotheker beginnt damit die zweite Legislaturperiode als Kammerpräsident. Zum Vize-Präsidenten wurde Harald Schmitz, Mühlheim an der Ruhr, gewählt. Er erhielt ebenfalls 71 Ja-Stimmen.

03.09. Rituximab zur Therapie von Lymphdrüsenkrebs
Einen neuen Ansatz zur Therapie maligner Lymphome verspricht der monoklonale Antikörper Ritubimax. In den USA ist mit einer Zulassung zur Behandlung von Patienten mit einem niedrig-malignen Non Hodgkin-Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) noch 1997 zu rechnen. In Deutschland ist die Einführung Mitte 1998 geplant. Rituximab bindet spezifisch an das auf nahezu allen reifen B-Zellen vorhandene CD20 Antigen. Es bindet menschliches Komplement, bewirkt dadurch die komplementvermittelte Zytolyse menschlicher B-Zellen und induziert in B-Zellen den Zelltod, die sogenannte Apoptose. Bei verschiedenen Krebserkrankungen des Blutsystems sind diese B-Zellen entartet. Durch die spezifische Bindung des anti-CD 20-Antikörpers Rituximab an die reifen B-Zellen werden diese ganz gezielt erreicht und zerstört.

03.09. Zulassungserweiterung für Stavudin
Die europäische Zulassungsbehörde EMEA hat den Reverse-Transkriptase-Hemmer Stavudin (d4T) jetzt auch zur First-line-Therapie bei HIV-infizierten Erwachsenen sowie bei infizierten Kindern ab drei Monaten zugelassen. Damit kann das Präparat zur primären Kombinationstherapie eingesetzt werden, die in der Regel aus zwei Nukleosidanaloga und einem Proteasehemmer besteht. Den vorliegenden Daten zufolge erwies sich d4T als gut verträgliches Basismedikament, teilt der Hersteller Bristol-Myers Squibb in einer Pressenotiz mit. Die Zulassungserweiterung gehe auf die gute klinische Wirksamkeit von d4T und das günstige Resistenzprofil einschließlich geringer Kreuzresistenz zu anderen AIDS-Medikamenten zurück, heißt es weiter. In den aktualisierten US-Therapierichtlinien seien d4T-haltige Basiskombinationen bereits Standard. Als vorteilhaft wird auch die nur zweimal täglich erforderliche Gabe einer Kapsel Stavudin gewertet.

03.09. Mißstände in italienischen Apotheken
Eine Untersuchung, die die Verbraucherorganisation Salutest kürzlich veröffentlichte, hat Mißstände bei der Beratung und der Abgabe von Arzneimitteln in italienischen Apotheken aufgedeckt. Apotheker gaben Medikamente ab, ohne weitere Fragen zu stellen oder Hinweise zur Anwendung und zu Risiken zu geben. In einigen Fällen wurden verschreibungspflichtige Medikamente verkauft, ohne daß der Kunde ein Rezept vorweisen konnte. Für den Patienten war es beim Aufsuchen der Apotheke oft nicht klar, ob es sich bei der ihn beratenden Person um einen approbierten Apotheker oder um eine Hilfskraft handelte. Nur etwa drei Viertel der Personen hinter dem Handverkaufstisch waren durch ihren weißen Kittel und eine Anstecknadel der Apothekerkammer als Apotheker erkenntlich, wie es gesetzlich vorgesehen ist. Die Untersuchung wurde anhand genau festgelegter Fragemuster in 145 Apotheken durchgeführt. Dabei ging es um gesundheitliche Störungen wie Verstopfung, Schmerzen und grippale Infekte. Die Beurteilung der Beratung erfolgte anhand von Expertenmeinungen und aktueller wissenschaftlicher Literatur.
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