Pharmazeutische Zeitung online

Erstattung von Lifestyle-Medikamenten

31.08.1998
Datenschutz bei der PZ

-Politik

Govi-Verlag

Erstattung von Lifestyle-Medikamenten

Fast 40 Prozent der Bundesbürger sind dafür, daß die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Kosten für Lifestyle-Medikamente übernehmen sollte, wenn sie vom Arzt verordnet wurden. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg. Von den unter 30jährigen plädieren sogar 46 Prozent für die Kostenübernahme. Dagegen haben sich 63 Prozent der über 50jährigen, also überdurchschnittlich viele Ältere, gegen eine Erstattung dieser Präparate zu Lasten der Kassen ausgesprochen.

Insgesamt sind 59 Prozent aller Befragten dagegen, daß die gesetzlichen Versicherungen dafür die Kosten übernehmen sollten. Nach Angaben der DAK halten diese Versicherten Lifestyle-Medikamente für reinen Luxus.

Die Frage ist nur, welche Arzneimittel das betrifft. Nach Einschätzung der DAK, gehören dazu offensichtlich Viagra und Xenical. Das seien nämlich "Medikamente, die nicht in erster Linie der Behandlung von Krankheiten dienen, sondern vor allem das Leben angenehmer machen sollen", so die Kasse.

Daß für einen kranken Impotenten die Fähigkeit, den Geschlechtsverkehr dank Viagra ausüben zu können, sein Leben angenehmer macht, ist für die DAK offensichtlich Grund genug, die Erstattung in Frage zu stellen. Nach dieser Logik sind Impotenz und Fettleibigkeit eigentlich keine Krankheiten, sondern nur unangenehm. Die Betroffenen sind im Prinzip gesund, die GKV nicht zuständig.

Entsprechend interpretiert der DAK-Vorstandsvorsitzende Hansjoachim Fruschki das Umfrageergebnis: "Wenn eine Mehrheit der Bürger nicht will, daß die Krankenkassen Zeitgeistmedizin finanzieren, bestätigt uns das." Aufgabe der Kassen müsse es auch zukünftig bleiben, für medizinisch notwendige Behandlungen zu zahlen. "Wer aber Lifestyle-Medizin zu Lasten der Kassen will, gefährdet die Versorgung", schreibt Fruschki den Impotenten und Fettleibigen ins Stammbuch. Der medizinische Fortschritt bei der Behandlung von Aids, Krebs und anderen Krankheiten dürfe nicht durch teure Medikamente für die im Prinzip Gesunden gefährdet werden.

Festzuhalten bleibt: Angesichts der sehr subjektiven und abwertenden DAK-Umfragevorgabe zur Lifestyle- oder Zeitgeistmedizin ist es doch bemerkenswert, daß sich immerhin vier von zehn Versicherten für die Kostenübernahme durch die GKV aussprechen.

PZ-Artikel von Karl H. Brückner, BonnTop

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa