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Identitätsprüfung von 17alpha-Estradiol

31.08.1998
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Govi-Verlag

Identitätsprüfung von 17alpha-Estradiol

Die Alopecia androgenetica ist bei Männern und Frauen die häufigste Form des Haarausfalls. Ursache ist die Stimulation der Follikel durch das Hormon 5a-Dihydrotestosteron (5a-DHT) und eine dadurch hervorgerufene Störung der periodischen Haarbildung. Haarwurzelanalysen ergaben, daß sich die Zyklen unter dem Einfluß von 5a-DHT verkürzen und somit die Haarfollikel früher erschöpfen. Als Endergebnis fallen vermehrt Haare aus (1, 2).

Die Therapie der Alopecia androgenetica geht davon aus, durch Gabe von Estrogenen über eine Enzymhemmung die lokale 5a-DHT-Konzentration zu senken. Zu diesem Zweck ist 17alpha-Estradiol besonders geeignet, da es im Vergleich zum natürlichen 17beta-Estradiol weitaus geringere hormonell bedingte systemische Nebenwirkungen verursacht. Externa mit 17alpha-Estradiol sind als Fertigarzneimittel verfügbar. Zusätzlich werden Lösungen auf ärztliche Verordnung als Rezepturarzneimittel hergestellt.

Der Wirkstoff 17alpha-Estradiol ist derzeit noch nicht monographisch beschrieben und wird auf der Basis von Firmenspezifikationen gehandelt. Zur Prüfung auf Identität nach § 6 Apothekenbetriebsordnung eignet sich das nachfolgend beschriebene Verfahren:
  1. Schmelztemperatur (2.2.14): 222 bis 226 °C. Kommentar: Die potentielle Verwechslung 17beta-Estradiol-Hemihydrat schmilzt zwischen 175 und 180 °C. Für zwei Handelsmuster von 17alpha-Estradiol wurden Schmelztemperaturen von 223 und 224 °C ermittelt (Literaturwerte: 220 bis 223 °C [3], 225 °C [4]).
  2. In einer flachen Schale aus Glas werden etwa 2 mg Substanz mit 2 ml Schwefelsäure R versetzt. Es entwickelt sich im Tageslicht eine grünlichgelbe Färbung, im UV 365 eine grünliche Fluoreszenz. Diese Lösung wird vorsichtig zu 2 ml Wasser R gegeben; die Mischung färbt sich im Tageslicht orange. Kommentar: 17beta-Estradiol fluoresziert unter den genannten Bedingungen im UV 365 bläulich.
  3. Die Prüfung erfolgt mit Hilfe der Dünnschichtchromatographie (DAC-Probe 11) unter Verwendung von Kieselgel 60 Fertigplatten R-DAC. Untersuchungslösung: 2 mg Substanz werden in 2 ml Methanol R gelöst. Referenzlösung: 2 mg 17alpha-Estradiol, dessen Identität bekannt ist, werden in 2 ml Methanol R gelöst. Auf die Platte werden getrennt je 2 µl der Lösungen aufgetragen. Die Chromatographie erfolgt mit einer Mischung aus 69 Volumteilen Butylacetat R, 30 Volumteilen Petroläther R und einem Volumteil Essigsäure 98 Prozent R. Die Platte wird an der Luft getrocknet, mit ethanolischer Schwefelsäure R besprüht, drei Minuten lang bei 110 °C erhitzt und nach dem Erkalten im Tageslicht und im UV 365 ausgewertet. In den Chromatogrammen der Untersuchungslösung und der Referenzlösung tritt im Tageslicht im mittleren Drittel jeweils ein orangefarbener Fleck mit dem gleichen Rf-Wert und der gleichen Intensität auf. Im UV 365 erscheinen die Flecke gelb.
  4. Kommentar: Der Fleck des 17alpha-Estradiol hat einen hRf-Wert von etwa 60 und färbt sich unter den angegebenen Bedingungen nach etwa zwei Minuten orange. Ein eventuell als Verwechslung vorliegendes 17beta-Estradiol liegt mit einem hRf-Wert von etwa 55 knapp unterhalb des a-Epimers. Innerhalb der vorgeschriebenen Erhitzungszeit von drei Minuten ist ein Fleck von 17beta-Estradiol noch fast farblos, später färbt sich auch dieser Fleck orange.

Literatur
(1) Wolf, E., Haarausfall hat Beratungsbedarf. Pharm. Ztg. 142, Nr. 43 (1997) 3832.
(2) Orfanos, C. E., Vogels, Lokaltherapie der Alopecia androgenetica mit 17alpha-Estradiol. Dermatologica 161 (1980) 124 - 132.
(3) Budavari, S. (Hrsg.), Merck Index, 12th Edition, Merck & Co. Inc., Whitehouse Station, NJ, USA 1996.
(4) Kuhnert-Brandstätter, M., Thermomicroscopy in the Analysis of Pharmaceuticals, Pergamon Press, Oxford 1971.

Anschrift des Verfassers:
Dr. Karsten Albert
Deutscher Arzneimittel-Codex
Carl-Mannich-Straße 20
65760 Eschborn

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