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Heroin vom Staat hilft Drogenabhängigen

31.08.1998
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-Medizin

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Heroin vom Staat hilft Drogenabhängigen

In Deutschland ist die Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige umstritten. Aus medizinischer Sicht scheint jedoch einiges dafür zu sprechen. Nach den Ergebnissen einer Schweizer Studie profitieren Heroinabhängige, die mehr als zwei Jahre an der Nadel hängen, eindeutig von einer kontrollierten Heroinabgabe.

An der Studie, die 1995 in Genf begann, nahmen 51 Langzeit-Drogenabhängige teil. 27 Personen erhielten über ein halbes Jahr täglich 480 mg Heroin, während 24 Personen mit Ersatzdrogen, im allgemeinen Methadon, behandelt wurden.

Von der Therapie profitierten die Teilnehmer aus der Heroingruppe wesentlich stärker als diejenigen aus der Methadongruppe. Ihre geistige Verfassung besserte sich, die Zahl der Suizidversuche war wesentlich niedriger als in der Methadongruppe, und sie hatten weniger Schwierigkeiten, am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, faßt Studienleiter Dr. Thomas Perneger die Studienergebnisse zusammen.

Nur ein Abhängiger aus der Heroingruppe besorgte sich zusätzlich Drogen auf der Straße, während von den Probanden aus der Methadongruppe immerhin 10 (44 Prozent) zusätzlich Heroin und andere Substanzen bei Straßendealern kauften. Aus diesem Grund waren in der Heroingruppe drogenbedingte Straftaten und Prostitution wesentlich seltener als in der Methadongruppe. Für die Gesellschaft sei dieser Aspekt besonders wichtig, schreibt Perneger.

Erstaunt waren die Genfer Ärzte allerdings über die geringe Bereitschaft der Probanden aus der Kontrollgruppe, nach Versuchsende in die Heroingruppe zu wechseln. Nur neun der 24 Abhängigen wollten sich den täglichen Schuß in der Klinik setzen.

PZ-Artikel von Daniel Rücker, Eschborn

Quelle: Perneger, T., et al., British Medical Journal, Vol. 317, 4. Juli 1998, S. 13-18

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