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01.09.1997
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PZ +++ Nachrichten +++  01.09. Apotheker fürchten um Existenz
Die Apotheker im Südwesten fürchten zunehmend um ihre Existenz. Neue Zuzahlungsregeln, der Versandhandel aus dem Ausland und der Verkauf von Medikamenten in Supermärkten führten dazu, daß die wirtschaftliche Situation immer schwieriger werde, sagte Andreas Schworck, Sprecher des Landesapothekerverbandes, in einem dpa-Gespräch. "Die Apotheker werden immer weiter ins Abseits gedrängt, der klassische Vertriebsweg ist gefährdet". Die neuen Zuzahlungsregeln für Medikamente, in deren Folge sich die Preise für ein Rezept auf neun, elf oder 13 Mark erhöhten, hätten zur Folge, daß viele Kunden ihre Rezepte gar nicht mehr einreichten. "Medizinisch notwendige Behandlungen fallen so unter den Tisch", sagt Schworck. Die Apotheken verzeichneten Umsatzeinbußen in zweistelliger Höhe. Einen "Markt der Zukunft" sieht der Verbandssprecher jedoch in der zunehmenden Selbstversorgung der Patienten mit Medikamenten: "Viele Kunden gehen nicht mehr zum Arzt, sondern sofort zum Apotheker, wenn sie sowieso denselben Preis für Medikamente zahlen müssen".Hier sei der Apotheker als pharmazeutischer Berater gefragt.

01.09. Knochenmarkspende braucht mehr Akzeptanz
Die Niedersächsische Krebsgesellschaft und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) streben gemeinsam eine bessere Akzeptanz der Knochenmarkspende für Leukämie-Kranke an. Weil Geldspenden das Projekt zusätzlich fördern würden, hat die Krebsgesellschaft am Montag einen Betrag von 10 000 Mark zur Verfügung gestellt. "Wir benötigen dringend mehr Menschen, die sich für eine Spende zur Verfügung stellen und natürlich mehr Geld", sagte Dr. Marlena Robin-Winn von der MHH. Allein die notwendige Typisierung einer Blutprobe koste bereits 100 Mark.

01.09. Kassenwechsel: 30. September ist Stichtag
Pflichtversicherte der gesetzlichen Krankenkassen müssen - wenn sie wegen der Veränderungen zum 1. Juli zu einer anderen Krankenkasse wechseln wollen - die Mitgliedschaft bei ihrer alten Krankenkasse bis zum 30. September kündigen. Wichtig sei, daß die Kündigung bis zu diesem Tag bei der alten Krankenkasse vorliege, heißt es in einer Pressemitteilung der Berliner Verbraucherzentrale. Um diesen Eingang zu belegen, sollte man die Kündigung per Einschreiben/Rückschein versenden oder sich bei einer persönlichen Abgabe den Empfang quittieren lassen.

01.09. Neues IUS zur Kontrazeption eingeführt
Seit 1. September ist in Deutschland ein Levonorgestrelhaltiges Intra-Uterin-System auf dem Markt, das die Vorteile oraler Kontrazeptiva und kupferhaltiger Intra-Uterin-Pessare (IUPS) verbinden soll. Das neue System ist nach Herstellerangaben besonders für Frauen geeignet, die bereits Kinder geboren haben. Es wird wie ein IUP in die Gebärmutter eingeführt und soll bis zu fünf Jahre lang täglich 20µg des Gestagens Levonorgestrel freigeben, wie der Hersteller Schering mitteilt. Die Regelblutung werde kürzer, leichter und weniger schmerzhaft, die kontrazeptive Zuverlässigkeit komme einer Sterilisation gleich heißt es weiter. Nach Entfernen des IUS - Handelsname Mirena® - stelle sich die Fertilität rasch wieder ein. Das bereits in verschiedenen europäischen Staaten eingeführte Intra-Uterin-System besteht aus einem T-förmigen Kunststoffträger, der 52mg Levonorgestrel enthält.

29.08. Alzheimerforschung muß noch aufholen
Beim ersten Deutschen Alzheimer Kongreß vom 4. bis 6. September in Stuttgart informieren 50 Dozenten über den neuesten Stand der Forschung und Therapie dieser Demenzerkrankung. Erwartet werden 600 Betroffene, pflegende Angehörige, Mediziner und Pflegekräfte. Ein Hauptanliegen des Kongresses ist die Aufklärung der Öffentlichkeit. Man brauche einen Prominenten, der an der Krankheit leide, berichtete der Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Jens Bruder, im Vorfeld des Kongresses. Das „Outing" des ehemaligen US-Präsidenten und Alzheimer Patienten Ronald Reagan habe zumindest in den USA viel bewegt. In Amerika liefen 30 Forschungsprojekte, hier in Deutschland sei es nur ein einziges, so Bruder. Jeder vierte Mensch im Alter über 80 und jeder dritte über 90 Jahren sei bereits an Alzheimer erkrankt. Nach Einschätzungen der Wissenschaftler wächst die Zahl der Kranken. Bis zum Jahr 2005 rechne man mit 1,2 Millionen Betroffenen.

29.08. Mückenschutz bei Floridareisen
Nachdem am 26. August bekannt wurde, daß möglicherweise zwei Menschen in Florida/USA an einer durch Mückenstiche übertragenen Encephalitis erkrankt sind, rät jetzt das Auswärtige Amt in Bonn bei Floridareisen zu verstärktem Schutz vor Mücken. Mückenschutzmittel sowie hautbedeckende Kleidung und Moskitonetze seien unbedingt empfehlenswert. Außerdem sollten besonders in den Abend- und Nachtstunden stehende Gewässer gemieden werden. Das Fremdenverkehrsamt Florida wies jedoch darauf hin, daß die Encephalitis-Gefahr nur in einzelnen Regionen des Bundesstaates bestehe und von einer Epidemie derzeit keine Rede sein könne. 1990 erkrankten bei einer Epidemie mehr als 220 Menschen; elf starben. Symptome sind Kopf- und Muskelschmerzen sowie Fieber und Übelkeit.

29.08. Kein Heimtest zur HIV-Diagnostik
Sicherheit, Genauigkeit und Reproduzierbarkeit des Aids-Heimtests NOHIV logic der Firma NOHIV Inc., Staufenberg, der ab September in Apotheken erhältlich sein sollte, können zur Zeit nicht beurteilt werden. Da der Test auf dem Nachweis von Antikörpern beruht, ist er nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zulassungspflichtig. Dem Paul-Ehrlich-Institut liegen aber noch keine Unterlagen zu dem Präparat vor; eine Zulassung wurde nicht erteilt. Demnach ist der Test nicht verkehrsfähig. Die zuständige Landesbehörde hat mittlerweile die erforderlichen Maßnahmen ergriffen. Bereits 1996 hatte die Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker eine Pressemitteilung des BMG zur Problematik von HIV-Heimtests wiedergegeben: "Der Nationale Aids-Beirat, der das BMG berät, ist der Auffassung, daß die Diagnose einer HIV-Infektion nur aufgrund zweier voneinander unabhängiger Tests gestellt werden kann. Dabei muß der zweite Test eine Westernblot-Analyse oder ein ähnliches Verfahren sein. Nur so können Fehldiagnosen ausgeschlossen werden. Darüber hinaus müssen ärztliche Beratung und psychosoziale Hilfe schon mit der Diagnosestellung beginnen. Test und Beratung dürfen nicht getrennt werden, weil die Erkenntnis einer möglichen HIV-Infektion den Patienten in psychische Not stürzen kann. Auch aus epidemiologischer Sicht sind Heimtests abzulehnen, da mit ihnen die Laborberichtspflicht unterlaufen wird." Zu bedenken ist auch, daß HIV-Antikörper erst etwa 3 bis 6 Monate nach der Infektion nachgewiesen werden können. Während dieser serologischen Latenzzeit, die Laien vielfach unbekannt ist, fallen Antikörper-Tests trotz vorliegender HIV-Infektion negativ aus.

27.08. Fresenius: Einstieg in Home-Care-Markt
Am 26. August meldete das Bad Homburger Unternehmen Fresenius den Erwerb des europäischen und kanadischen Home-Care-Geschäfts von Caremark International, Chicago/USA. Die Übernahme muß von den zuständigen Kartellbehörden noch genehmigt werden. Wie Fresenius weiter mitteilt, erzielten die Caremark-Gesellschaften in Großbritannien, den Niederlanden, Kanada und Deutschland 1996 einen Umsatz von 122 Millionen DM mit positivem Ergebnis. Sie versorgen mit 315 Mitarbeitern rund 6000 Patienten mit Produkten und Dienstleistungen für die ambulante Infusions- und Ernährungstherapie. Fresenius will sich mit der Übernahme neue Home-Care-Märkte erschließen und das Dienstleistungsangebot verstärken, so Dr. Matthias Schmidt, Vorstand des Unternehmensbereichs Pharma.

27.08. BMG und Experten warnen vor neuem Aids-Test
Vor einem neuen Aids-Test, den Patienten auch zu Hause durchführen können, warnen Ärzte und Apotheker. Die Zeitschrift "Neue Revue" stellte das Produkt am 27. August in Hamburg erstmals vor. Der Heimtest soll schon in den nächsten Wochen auf dem deutschen Markt erhältlich sein. Bereits vor der Einführungspressekonferenz sorgte die Ankündigung für Unruhe bei Ärzten, Apothekern und im Bundesamt für Sera und Impfstoffe, Langen. Ein solcher Heimtest kann fatale Konsequenzen haben. "Ein positives Ergebnis kann Patienten in psychische Not stürzen, ein negativer Testausgang kann sie in falscher Sicherheit wiegen", erklärte ein Sprecher der Apothekerkammer Hamburg. Nach Angaben der "Neuen Revue" handelt es sich bei dem NOHIV LOGIC-Test um die Entwicklung einer kanadischen Firma namens Pace Diagnostic Inc. Das Bundesgesundheitsministerium in Bonn hält ebenfalls an den Bedenken gegen den Eigentest fest. Die für den Betroffenen notwendige Koppelung von HIV-Test und individueller ärztlicher Betreuung sei nicht gegeben. So sei bei einem Heimtest bei fehlerhafter Durchführung mit falschen Ergebnissen zu rechnen. Abgelehnt wird der Heimtest auch aus epidemiologischer Sicht, weil damit die Meldepflicht unterlaufen werde.
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