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24.08.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  25.08. Viagra: Weg ist frei für EU-Zulassung
dpa. Der ständige EU-Arzneimittelausschuß mit Experten der 15 Mitgliedsländer hat sich mit Mehrheit für eine Zulassung von Sildenafil (Viagra®) ausgesprochen, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Damit kann das potenzsteigernde Präparat in den kommenden Wochen in der Europäischen Union zugelassen werden. Nach der positiven Stellungnahme des Ausschusses wird nun bis Mitte September mit einer endgültigen Genehmigung gerechnet. Wie es in EU-Kreisen hieß, stimmte Deutschland gegen eine Zulassung, setzte aber eine bessere Information auf dem Beipackzettel durch. So sollen Patienten deutlicher als bisher vorgesehen vor unerwünschten Wirkungen gewarnt werden. Sobald die neue Version in die elf offiziellen EU-Sprachen übersetzt ist, kann der für Industrie zuständige Kommissar Martin Bangemann die Genehmigung zur Vermarktung erteilen.

24.08. SPD: Gesundheitspolitik ist gescheitert
dpa. Die SPD hat einen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik gefordert. Die Politik der Bonner Koalition sei gescheitert, erklärten der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Rudolf Dreßler und der gesundheitspolitische Sprecher Klaus Kirschner, auf einer Konferenz "Eckpunkte sozialdemokratischer Gesundheitspolitik" am Montag in Bonn. Die Versicherten und vor allem die Patienten würden immer mehr belastet und der Gedanke der Solidarität ausgehöhlt. Die SPD-Politiker verwiesen auf die Zuzahlungen der Patienten, die inzwischen rund 20 Milliarden Mark betrügen. Die Zuzahlung werde systematisch als dritte Finanzierungssäule ausgebaut. Die von Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) beschlossene Stabilität der Versicherungsbeiträge sei damit eine Scheinstabiliät: Statt steigender Beiträge steigende Zuzahlungen. Das System der gesetzlichen Krankenversicherung hat nach Auffassung Dreßlers Reserven für die Finanzierung des medizinischen Fortschritts. "Wenn wir sicherstellen, daß der Gesundheitsanteil am Volkseinkommen in gleichem Umfang wachsen kann, wie das Volkseinkommen selbst wächst, dann haben wir einen vernünftigen Zielkorridor", sagte Dreßler.

24.08. VDAK will Balneo-Therapie bezahlen
dpa. Die Ersatzkassenverbände VDAK und AEV verlangen die Übernahme einer neuen ambulanten Behandlung der Schuppenflechte und Neurodermitis durch die gesetzlichen Krankenkassen. Wie der Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V. (VDAK) und der Arbeiter-Ersatzkassenverband e.V. (AEV) am Montag in Bonn erläuterten, handelt es sich dabei um eine kombinierte Bade- und Lichttherapie, die sogenannte Balneo-Phototherapie. Deren Wirksamkeit sei durch ein Modellprojekt der Ersatzkassen und der Universitätshautklinik in Kiel bestätigt worden, erklärte Werner Gerdelmann, Vorstandsmitglied von VdAK/AEV. Mit Hilfe der Balneo-Phototherapie werde der Grundsatz "ambulant vor stationär" umgesetzt. Lange Klinik- und Rehabilitationsaufenthalte könnten vermieden werden. Zudem sei die Behandlung für den Patienten "schonend und nebenwirkungsarm und im Vergleich zu anderen Therapien kostengünstiger", sagte Gerdelmann. Er sprach sich dafür aus, die ambulante Therapie nach Auslaufen der Erprobungsphase im Februar 1999 nahtlos in die vertragsärtzliche Versorgung zu integrieren.

21.08. BfArM verzögert Viagra-Zulassung
PZ. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat bei der EU-Kommission erneute Gespräche zum Zulassungsverfahren für Sildenafil (Viagra®) beantragt. Die europaweite Zulassung von Sildenafil war ursprünglich für Mitte September geplant. Der deutsche Antrag hat zur Folge, daß die ständige Kommission der europäischen Zulassungsbehörde erneut einberufen werden muß, berichtet die britische Zeitschrift Scrip in ihrer Ausgabe vom 7. August 1998. Dadurch könne die Markteinführung von Sildenafil bis nach den Bundestagswahlen verzögert werden, so das Magazin. In der Bundesrepublik herrscht bisher noch Unklarheit über die Erstattungsfähigkeit der Potenzpille. "Zu den Einzelheiten des laufenden Zulassungsverfahren möchten wir keine Stellungnahme abgeben", sagte eine Sprecherin des BfArM gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Auch der Hersteller Pfizer war nicht bereit, die Beweggründe des BfArM-Antrages zu kommentieren. "Wir denken, daß der Antrag auf das Zulassungsverfahren keinen Einfluß nehmen wird und Viagra wie geplant Mitte bis Ende September auf den Markt kommt", sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

21.08. Phytos stark von Richtlinien betroffen
PZ. Die Gesellschaft für Phytotherapie kritisiert, daß im Entwurf der neuen Arzneimittelrichtlinien (AMR) überproportional viele pflanzliche Arzneimittel aus der Erstattungsfähigkeit fallen sollen. In ihrer Stellungnahme im Rahmen des Anhörungsverfahrens zum AMR-Entwurf lehnt die Gesellschaft die geplanten "weiteren drastischen Einschränkungen" der Kostenübernahme durch die GKV ab und fordert, das Papier grundlegend zu überarbeiten. "Es ist nicht hinnehmbar, in welcher pauschalen Weise der Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen sich über die Anliegen von Ärzten und Patienten zur sachgerechten und anerkannten Behandlung sowie Linderung von Krankheitszuständen hinwegsetzt", erklärte Professor Dr. Fritz H. Kemper. Kemper ist Vorsitzender der Gesellschaft und arbeitet an der Universität Münster. Er sieht durch die Pläne den im Sozialgesetzbuch niedergelegten Grundsatz "Arzneimittel der besonderen Therapierichtung sind nicht ausgeschlossen" verletzt.

21.08. "Pharmaindustrie verschläft Wandel"
vwd. Die Pharmaindustrie ist auf die sich dramatisch ändernden Marktbedingungen im Vertrieb "nur unzureichend" vorbereitet, so das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Mercuri International. Insbesondere in puncto Service gelte es die herkömmlichen Ärzteschulungen durch moderne Servicekonzepte zu ergänzen. Die Rolle der Pharmareferenten müsse sich einschneidend vom "reinen Arzneiverkäufer" hin zum Praxisberater wandeln. Der Untersuchung von Mercuri nach werden sich die Entscheidungsstrukturen auf dem deutschen Pharmamarkt in den nächsten Jahren grundlegend ändern. Institutionen wie Krankenkassen, Versicherungen und Patientenverbände gewinnen an Einfluß und steigen zu den wichtigen, Gesprächs- und Verhandlungspartnern der pharmazeutischen Industrie auf. Zum Alltag werden der Studie zufolge bald schon Kooperationen zwischen den verschiedenen Anbietern von Gesundheitsleistungen und integrative Konzepte wie etwa vernetzte Praxen gehören. Auf diese Veränderungen sei die Pharmaindustrie nur "ungenügend eingestellt", ergab die Befragung von weit über 100 Ärzten und Managern von über 35 pharmazeutischen Unternehmen.

20.08. Erster Ärzteverband kritisiert Richtlinien
PZ. Der Hartmannbund hält den Entwurf der neuen Arzneimittel-Richtlinien für "nicht genehmigungsfähig". Das vom Bundesausschuß Ärzte/Krankenkassen vorgelegte Papier sei "allein von wirtschaftlichen Überlegungen diktiert und läßt jeglichen Einsatz für eine von der Sozialgesetzgebung ausdrücklich geforderte humane und bedarfsgerechte Patientenversorgung vermissen", erklärte der Gesamtvorstand des Ärzteverbandes in Bonn. Man sei empört darüber, daß ärztlich-medizinische Erfordernisse, insbesondere in der hausärztlichen Versorgung, "lediglich zweitrangig berücksichtigt" werden. Der Vorrang wirtschaftlicher Überlegungen werde insbesondere dadurch deutlich, daß der bisherige Verordnungsgrundsatz "therapeutischer Nutzen geht vor Kosten" in dem neuen Entwurf nicht mehr festgeschrieben sei. Der therapeutische Handlungsspielraum der Ärzte werde so nach Auffassung des Hartmannbundes "in unerträglicher Weise" eingeengt. An Bundesgesundheitsminister Seehofer appelliert der Verband deshalb, den Entwurf zurückzuweisen und eine patientengerechte Version "zwingend einzufordern".

19.08. Selen hilft wohl bei Prostatakrebs
dpa. Das Spurenelement Selen schützt vor einem Fortschreiten von Prostatakrebs. Darauf lasse eine Studie von Wissenschaftlern der Harvard Universität schließen, die im jüngsten "Journal of the National Cancer Institute" veröffentlicht wurde, berichtete die Tageszeitung "The New York Times" am Mittwoch. An der Untersuchung hatten sich mehr als 33.000 Amerikaner beteiligt. Teilnehmer mit dem höchsten Selen-Gehalt im Blut hatten deutlich seltener fortgeschrittenen Prostatakrebs als Männer mit dem niedrigsten Anteil, hieß es. Bereits vor zwei Jahren hatten Forscher der Universität von Arizona dem Mineral Selen krebsbekämpfende Wirkung zugesprochen. Die erste Studie fand, daß Selen das Risiko von Prostatakrebs um 63 Prozent, von Darm- und Rektalkrebs um 58 Prozent und das von Lungenkrebs um 45 Prozent senken kann. Selen fördert die Elastizität von Gewebe und unterstützt die Sauerstoffzufuhr zum Herz. Die Gründe für seine tumorbremsende Wirkung sind bisher nicht bekannt.

19.08.Zahnersatz: Kassen warnen Seehofer
dpa. Die Angestellten-Krankenkassen haben Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) davor gewarnt, die Probleme bei der Honorierung von Zahnersatz durch "Herumkurieren an Symptomen" beheben zu wollen. Der Vorstandsvorsitzende Kassenverbandes, Herbert Rebscher, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochsausgabe), die von Seehofer geplante vorherige Genehmigung der Heil- und Kostenpläne durch die Kassen sei nur eine "Flickschusterei mit fragwürdiger praktischer Wirkung". Solange es wegen der Kostenerstattung ein privates Vertragsverhältnis zwischen Zahnarzt und Versichertem gebe, seien die Einflußmöglichkeiten der Kassen eingeschränkt. Seit Jahresanfang müssen Patienten Kronen, Brücken und Gebisse direkt mit dem Zahnarzt abrechnen. Eine Kassenstudie hatte ergeben, daß mehr als 28 Prozent der Zahnarztrechnungen zu hoch sind. Rebscher betonte, nach acht Monaten negativer Erfahrungen mit der Kostenerstattung beim Zahnersatz könne die Konsequenz auch für Minister Seehofer nur heißen, zum Sachleistungsprinzip zurückzukehren. Nur auf diesem Wege könnten Politik und Krankenkassen den Patienten Qualität und Wirtschaftlichkeit bei angemessenen Kosten garantieren. Die Kostenerstattung habe sich als Modell zur Optimierung der Einnahmen der Zahnärzte zu Lasten der Versicherten erwiesen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Ersatzkassen.Top

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