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Montelukast im Test bei Kinderasthma

25.08.1997
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Montelukast im Test bei Kinderasthma

Die Entwicklung der Leukotrien-Antagonisten verspricht eine Erweiterung der Therapiemöglichkeiten bei Asthma. Dr. Leonardo Fabbri von der Universität Ferrara, Italien, betonte anläßlich der Jahrestagung der Europäischen Akademie für Allergologie und klinische Immunologie auf Rhodos, daß der protektive Effekt dieser Substanzen gegen broncho-konstriktorische Stimuli wie beispielsweise Anstrengungsbelastung, Allergen- oder Kaltluftexposition in mehreren Studien belegt worden sei.

Bereits in den frühen 80er Jahren wurden Leukotriene als Mediatoren der "slow reacting substance of anaphylaxis" bekannt. Sie werden unter dem Anreiz von IgE, Endotoxinen und weiteren Phagozyten-Stimuli unter anderem in Mastzellen, Makrophagen, Phagozyten und Granulozyten exprimiert. Sie sind die Auslöser von zahlreichen, für die Pathophysiologie der Allergie bedeutsamen Phänomenen wie Steigerung der Gefäßpermeabilität mit Ödembildung, Schwellung und vermehrte Schleimproduktion in den Bronchien, Kontraktion und Proliferation glatter Muskelzellen und Migration von Eosinophilen in die Bronchialschleimhaut.

Im Rahmen der Forschung zu Leukotrien-Synthese-Inhibitoren und Cysteinyl-Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten entwickelte das MSD Frosst Centre in Kanada den Leukotrien-D4-Rezeptor-Antagonisten Montelukast. In mehreren klinischen Untersuchungen wurde mittlerweile nachgewiesen, daß an Pollen-, Tierhaar- oder Hausstaubmilbenallergie leidende Asthmapatienten aller Altersgruppen unter der Substanz eine deutliche Verbesserung ihrer expiratorischen Sekundenkapazität (FEV1) zeigten. Fabbri ergänzte, daß darüber hinaus der Bedarf an einer begleitenden Therapie mit Beta-Agonisten reduziert werden konnte. Montelukast ist bisher noch in keinem Land zugelassen. Die deutsche Zulassung ist für das erste Halbjahr 1998 geplant.

"Alle bisher durchgeführten Studien legen die Vermutung nahe, daß die Leukotrien-Synthese-Inhibitoren und Cysteinyl-Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten ein spezifisches Wirkprinzip antiasthmatischer Substanzen darstellen", resümierte Fabbri. Professor Dr. Jean Bousquet von der Universitätsklinik Montpellier erinnerte bei einer von MSD Sharp & Dohme unterstützten Veranstaltung daran, daß 40 bis 70 Prozent aller asthmatischen Kinder noch als Erwachsene an Symptomen des Respirationstraktes leiden. Dies trifft vor allem auf diejenigen zu, die einen schweren Erkrankungsgrad und niedrige FEV1-Werte aufweisen. Selbst Bronchodilatatoren und Steroide konnten bisher bei vielen Asthmatikern die Progression in Richtung irreversibler Atemwegsobstruktion nicht aufhalten.

Professor Dr. William Storms vom Klinikum der Universität Colorado, USA, präsentierte die Ergebnisse zweier klinischer Studien, in die Asthmapatienten im Alter von 6 bis 14 Jahre eingebunden waren - eine Altersgruppe, in der eingeschränkte Compliance und Anwendbarkeit von Inhalationsmitteln keine Seltenheit sind.

Die Untersuchungen mit Montelukast (als Kautablette mit Kirschgeschmack) ergaben eine gute Verträglichkeit und damit auch Patientenakzeptanz. Sowohl der Parameter für die Bronchialobstruktion (FEVI) wie die patientenrelevanten Endpunkte Lebensqualität, Beurteilung des Heilverlaufs durch die Eltern, täglicher Bedarf von Beta-Agonisten sowie die Zahl der registrierten Asthmaanfälle zeigten eine signifikante Besserung. Die Frequenz der registrierten Nebenwirkungen lag in der Größenordnung der Placebogruppe. Wie bei erwachsenen Asthmatikern konnte auch bei Kindern einer anstrengungsbedingten Bronchialobstruktion vorgebeugt und der Entzündungsparameter Bluteosinophilie positiv beeinflußt werden.

PZ-Artikel von Jochen Kubitschek, Rhodos
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