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Wenn Ausstieg mißlingt, dann Umstieg auf light

25.08.1997
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-Medizin

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Wenn Ausstieg mißlingt, dann Umstieg auf light

Längst ist bekannt, daß nur etwa jeder zehnte Raucher den endgültigen Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit schafft. Suchtforscher Jack Henningfield kam nach Auswertung der vorhandenen wissenschaftlichen Daten zu dem ernüchternden Schluß: "Der größte Teil der Tabakabhängigen wird niemals von der Zigarette loskommen." Daher stellt sich die Frage, was jene Raucher für ihre Gesundheit tun können, die ihre Angewohnheit letztendlich nicht aufgeben können.

Seriöse wissenschaftliche Studien weisen den Weg: Wer den Totalausstieg nicht schafft, sollte auf Leicht- oder Ultraleichtzigaretten umsteigen. Doch diese Lösung wird mit Schlagzeilen wie „Der Trend zu Light-Zigaretten, eine Mogelpackung?" behindert. Einige Nikotingegner bestreiten, nach dem Motto "vor dem Feind Nikotin keinen Schritt zurückweichen", daß der Umstieg auf Leichtzigaretten sinnvoll sei.

Doch diese einst offene Frage ist längst entschieden. Wissenschaftliche Tests, die unter der Leitung von Professor Neal L. Benowitz in enger Zusammenarbeit mit der US-Gesundheitsbehörde (NIH) durchgeführt und in JAMA (Journal of the American Medical Association) veröffentlicht wurden, zeigten bereits vor über zehn Jahren, daß die Nikotin- und Teeraufnahme bei den Leichtrauchern trotz aller bestehenden Manipulationsmöglichkeiten um etwa 50 Prozent unter derjenigen lag, die bei den Rauchern stärkerer Zigaretten gemessen wurde. Außerdem konnte die Aufnahme von Kohlenmonoxid um rund ein Drittel vermindert werden. Die Wissenschaftler forderten daher, daß Raucher, die auf die Zigaretten nicht ganz verzichten können, bis zum Vorliegen weiterer wissenschaftlicher Daten vorsichtshalber auf Leichtzigaretten umsteigen sollten.

Die 1986 noch fehlenden Daten stellte Jahre später eine Arbeitsgruppe um den Epidemiologen Professor Nicholas J. Wald vom St. Bartolomeus Hospital Medical College in London zusammen. Wald untersuchte zwischen 1967 und 1982 vier Gruppen von insgesamt 56.255 Männern, darunter 12.400 Raucher. Die Auswertung der 2742 registrierten Todesfälle ergab eindeutige Befunde: Die im Zusammenhang mit dem Rauchen beobachtete Sterblichkeit an typischen Raucherkrankheiten lag bei den Konsumenten von Filterzigaretten um 9 Prozent niedriger als bei Rauchern filterloser Zigaretten.

Das Sterberisiko sank außerdem parallel zum Rückgang des jeweiligen "Teergehalts" der gerauchten Zigaretten. Lag dieser bei lediglich 15mg (derartige Zigaretten gelten heute als stark) so ging die Sterblichkeit an Lungenkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall sowie chronischer Raucherbronchitis im Vergleich zu den 30mg Zigaretten um jeweils ein Viertel zurück.

Mittlerweile sind in Deutschland Ultraleichtzigaretten auf dem Markt, die nur noch 2mg oder 1mg Kondensat enthalten. Da die Arbeitsgruppe um Wald einen parallelen Trend von Schadstoffkonzentration und Sterberisiko nachweisen konnte, dürften die heute erhältlichen Ultraleichtzigaretten die Überlebenschancen jener Raucher, die den Totalverzicht auf die Zigarette nicht schaffen, verbessern.

PZ-Artikel von Jochen Kubitschek, Waddewitz
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