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Apothekenketten sind keine Lösung

25.08.1997
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-Editorial

Govi-Verlag

Apothekenketten sind keine Lösung

von Dr. Dieter Thomae
Vorsitzender des Auschusses für Gesundheit
des Deutschen Bundestages


Die OECD-Studie der Jahre 1996/1997 für Deutschland widmet der Gesundheitsreform einen breiten Teil. Die jüngsten Maßnahmen der Bundesregierung werden von den Experten als ein weiterer Schritt zur Integration des Gesundheitswesens bewertet. Insbesondere die Verzahnung zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor sowie den Bereichen Rehabilitation und Langzeitpflege verdient eine besondere Beachtung. Wir sind also auf gutem Wege.

Kritik wird allerdings an dem mangelnden Wettbewerb zwischen Leistungsanbietern im Rahmen der Selbstverwaltungsstruktur des Gesundheitssystems geübt. So wird dem Staat eine wichtige Rolle bei der Festlegung des rechtlichen und vertraglichen Rahmens zur Förderung von Verhaltensänderungen bei Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen beigemessen.

Deutlicher Handlungsbedarf wird angemahnt, eine stärkere marktwirtschaftliche Orientierung im Bereich des Verbraucherverhaltens und der Anbieterseite vorzunehmen. Dazu gehört auch eine bessere Information der Verbraucher. Therapie- und Diagnoseverfahren sollten nach Vorstellungen der OECD systematisch mit dem Ziel ausgewertet werden, kostengünstige Technologien und Praktiken zu fördern. An die Adresse der öffentlichen Krankenhausträger wird die Forderung gestellt, die Krankenhausmanagementstruktur effizienter zu gestalten und rationellere Entscheidungsfindung in den Krankenhäusern zu fördern, ein Anliegen, das ich nur unterstützen kann.

Bei den Aussagen zu der Arzneimittelversorgung laufen die OECD-Experten offene Türen ein, wenn sie verlangen, Arzneimittelausgaben und Verordnungspraktiken ständig zu beobachten. Dies geschieht in Deutschland bereits in vielen Schulungen der Apotheker und in Gesprächen zwischen Ärzten und Apothekern. Diese Arzt/Apotheker-Gespräche zu intensivieren, läge ganz auf der Linie der OECD-Studie.

Was ich nicht mittragen kann, sind Forderungen der OECD zu den Eigentumsbestimmungen für Apotheken. Dort heißt es: "Die Eigentumsbestimmungen in Bezug auf Apotheken sollten liberalisiert werden, um die Entwicklung von Apothekenketten zu ermöglichen, und die Abgabe von Parallelimporten sollte aktiver gefördert werden. Die Arzneimittelpreise sind hoch, und die beiden Maßnahmen würden die Verhandlungsposition der Einzelhändler gegenüber den Herstellern verbessern."

Mit der Ermöglichung von Apothekenketten würde eine Entwicklung eingeleitet, die nicht im Interesse der Patienten liegt. Wir verfolgen in Deutschland eine klare Linie, die auf pharmazeutische Beratung durch den Apotheker bei der Abgabe von Arzneimitteln setzt. Diese Beratung wollen wir nicht aufgeben, denn der Sicherheitsaspekt hat bei einem Produkt wie dem Arzneimittel eine übergeordnete Rolle zu spielen. Wir sind bisher im Hinblick auf die Arzneimittelsicherheit sehr gut damit gefahren, den Mehrbesitz von Apotheken zu unterbinden. Im Sinne einer gewissenhaften Patientenversorgung und einer qualitativ hochwertigen Arzneimittelversorgung muß das Marktelement hier zurückstehen. Im übrigen stimmt es nicht, daß die Arzneimittelpreise in Deutschland überzogen sind. Sie liegen vielmehr im Mittelfeld. Niemand verbietet zudem die Durchführung von Parallelimporten, die vertraglich sehr wohl vorgesehen sind. Eine rechtliche Regelung brauchen wir jedoch nicht. Top

 

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