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Keine Ansichtssache

17.08.1998
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-Editorial

Govi-Verlag

Keine Ansichtssache

von Daniel Rücker,
PZ-Redakteur

Können hohe Ozonwerte krank machen? Sind Fahrverbote sinnvoll? Ist die Ozondebatte lediglich ein Versuch von Umweltbewegten, im Wahlkampf Punkte gut zu machen? Die Kontroverse der vergangenen Woche hat wieder einmal ein trauriges Bild des Verlaufs von öffentlichen Diskussionen in Deutschland abgegeben: Politiker und Interessensverbände nutzen die Gelegenheit, ihre hinlänglich bekannten Positionen über die Medien zu verbreiten; mit den Ergebnissen naturwissenschaftlich-medizinischer Forschung setzen sich dagegen nur wenige ernsthaft auseinander. Der Wahrheitsfindung dient das nicht.

Für Apotheker ist dieser Zustand wenig erfreulich. Wer einen Patienten beraten muß, der an einem sonnigen Tag mit Kopfschmerzen, Reizhusten oder tränenden Augen in die Apotheke kommt, der braucht verläßliche Daten darüber, ob möglicherweise hohe Ozonwerte für die Symptome verantwortlich sind.

Eine spontane Umfrage der Pharmazeutischen Zeitung bei Apotheken in der vergangenen Woche hat uns gezeigt, daß Apothekenkunden nicht von selbst ihre Beschwerden mit hohen Ozonwerten in Verbindung bringen. Kaum ein Apotheker wurden von den Patienten darauf angesprochen. Ist deshalb das Thema für Apotheker unwichtig? Im Gegenteil, gerade angesichts der offensichtlichen Unkenntnis vieler Menschen ist der Apotheker als Berater gefragt. Denn soviel steht fest: Völlig ungefährlich ist das Gas nicht. Auch das Umweltbundesamt ist davon überzeugt, daß hohe Ozonwerte bei einigen Menschen Beschwerden verursachen können. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, möglicherweise auch Asthmatiker.

Grundlage einer guten Beratung sind nicht Meinungen, sondern auf wissenschaftlichen Daten beruhende Tatsachen. Die Redaktion hat sich deshalb entschlossen, in dieser Ausgabe der Pharmazeutischen Zeitung aus mehreren Blickwinkeln über Ozon zu berichten: In einem Beitrag faßt Thomas Bellartz die politische Diskussion über das Ozongesetz zusammen, das vom ADAC als "blinder Aktionismus" und von Umweltverbänden als "vollkommen wirkungslos" eingestuft wird.

Im Ressort Pharmazie erläutert Ulrich Brunner, wie bodennahes Ozon entsteht, welche Grenzwerte es gibt und wie der menschliche Körper reagiert, wenn diese Limits überschritten werden. Abgerundet wird unsere Berichterstattung mit einem Beitrag von Erdmuthe Arnold, die aufzeigt, daß nicht nur der Gesetzgeber, sondern jeder einzelne für den Zustand der Umwelt mitverantwortlich ist. Apotheker könnten sich in der Öffentlichkeit profilieren, indem sie über umweltbewußtes Handeln informieren, schreibt die Autorin.

Wir geben Ihnen damit Material an die Hand, das Ihnen bei der Beratung Ihrer Patienten hilft. Selbst wenn die Ozonwerte in diesem Jahr nicht mehr so hoch wie in der vergangenen Woche steigen sollten - in zehn Monaten kommt der nächste Sommer und mit ihm auch wieder die Diskussion über das aggressive Sauerstoffmolekül. Top

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