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BPI sieht Trend zu teuren Arzneimitteln

18.08.1997  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

BPI sieht Trend zu teuren Arzneimitteln

Der Umsatz mit zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordneten Arzneimitteln stieg 1996 um 6,4 Prozent auf 18,9 Milliarden DM (zu Herstellerabgabepreisen). Nach Berechnungen des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) ist die Steigerung vor allem strukturbedingt: Die Ärzte hätten verstärkt teurere innovative Medikamente verordnet.

Rund 6,2 Prozent der Umsatzsteigerung sei allein auf das veränderte Verordnungsverhalten der Mediziner zurückzuführen, sagte BPI-Geschäftsführer Thomas Postina auf einer Pressekonferenz seines Verbandes anläßlich der Präsentation der Broschüre "Pharma Daten 97". Vergleichsweise moderat fielen die Effekte der Preissteigerung mit 0,2 Prozent und des Mengenwachstums mit 0,1 Prozent aus. Die leichte Differenz zwischen gesamter Umsatzsteigerung und der Summe der drei Komponenten ergebe sich aus Aufrundungen, so Postina.

BPI-Vorsitzender Professor Dr. Hans Rüdiger Vogel konstatierte, Ärzte würden offensichtlich häufiger auf innovative Medikamente zurückgreifen, um Schwierigkeiten mit ihrer Kassenärztlichen Vereinigung zu umgehen. Der Einsatz dieser Präparate sei leichter zu rechtfertigen als der von milderen, die von Kassen und KVen als "umstritten" eingestuft würden.

Der gesamte Apothekenmarkt für Arzneimittel stieg nach den Daten der BPI-Broschüre im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 24,899 Milliarden DM. Die höchsten relativen Zuwachsraten verzeichneten Impfstoffe (plus 36,2 Prozent), Arzneimittel der Gruppe Blut und blutbildende Organe (plus 26,9 Prozent) und Diagnostika (plus 19,2 Prozent). Den stärksten Rückgang verzeichneten Antacida ( minus 4,4 Prozent), cerebrale und periphere Vasotherapeutika (minus 3,2 Prozent) und Herztherapeutika ( minus 2,5 Prozent).

Weiterhin auf dem Vormarsch befanden sich die Generika. 1996 entfielen 53,2 Prozent der Verordnungen auf Nachahmerpräparate. Ihr Anteil am GKV-Umsatz lag bei 43 Prozent. Im Jahr zuvor machte der Generika-Anteil bei Verordnungen 51,2 Prozent aus, zum Umsatz trugen sie zu 41,1 Prozent bei.

US-Firmen machen ein Fünftel des Umsatzes

Fast die Hälfte des Arzneimittelumsatzes in Deutschland ging im vergangenen Jahr auf das Konto ausländischer Firmen. Zusammen mit ihren deutschen Tochterunternehmen erreichten sie 49,9 Prozent des Gesamtumsatzes. Den größten Teil am deutschen Pharmakuchen schnitten sich dabei die US-Firmen ab, auf die 19,5 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen, es folgen Schweizer Unternehmen (8,9 Prozent), französische (5,1 Prozent) und britische Firmen (5,0 Prozent). An fünfter Stelle liegt Schweden mit einem Marktanteil von 3,6 Prozent.

Obwohl in den vergangenen Jahren zahlreiche Übernahmen und Zusammenschlüsse zu verzeichnen waren, gibt es auf dem deutschen Pharmamarkt keine marktbeherrschenden Unternehmen. So haben die fünf größten Firmen zusammen lediglich einen Marktanteil von 21,5 Prozent. Die Top-ten kommen auf 34,3 Prozent. Der BPI erwartet allerdings aufgrund der weiter laufenden Fusionswelle eine deutliche Zunahme des Konzentrationsgrades.

Der Juni verbesserte Halbjahresbilanz 1997

Im ersten Halbjahr 1997 stieg der Apothekenumsatz im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres um 4,8 Prozent auf 13,1 Milliarden DM. Die Umsatzsteigerung sei fast ausschließlich auf den Vorzieheffekt im Juni zurückzuführen, so Postina. Im Vorfeld der neuen Zuzahlungsregelung hätten die Ärzte ihren Patienten offensichtlich Medikamente auf Vorrat verschrieben. Mit einem Umsatzplus von 23 Prozent war der Juni 1997 "der beste Monat, den es jemals gab".

In den ersten fünf Monaten 1997 sei das Geschäft dagegen "vor sich hingedümpelt". Bis einschließlich Mai lagen die Apothekenumsätze mit Arzneimitteln um 0,6 Prozent unter dem Umsatz im Vorjahreszeitraum. Und auch für den Juli zeichne sich kein gutes Ergebnis ab. Exakte Zahlen lägen zwar erst Ende August vor, erste Befragungen beim Großhandel und in Apotheken deuteten aber bereits auf ein mäßiges Ergebnis hin.

PZ-Artikel von Daniel Rücker, Frankfurt am Main
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