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KBV befürwortet vernetzte Praxen

03.08.1998
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Govi-Verlag

KBV befürwortet vernetzte Praxen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht in neuen Vorsorgungsstrukturen ein adäquates Instrument, um den Sicherstellungsauftrag der Ärzteschaft zu bewahren. Als "Module neuer Versorgungsstrukturen" wurden in einem inzwischen vom KBV-Vorstand abgesegneten Positionspapier vernetzte Praxen sowie ein umfassendes Qualitäts- und Vergütungsmanagement bezeichnet. Der ökonomische Umgang mit finanziellen Ressourcen sei durch regelmäßige Wirtschaftlichkeitsanalysen zu belegen.

Neue Formen der innerärztlichen Kooperation erforderten definierte Versorgungsketten sowie Behandlungskorridore für den hausärztlichen, fachärztlichen und stationären Bereich. Die beteiligten Akteure hätten anhand eines Konzeptes von Qualitätsindikatoren die jeweiligen Behandlungskorridore zu vereinbaren. Außerdem verlange eine qualitätsorientierte Begleitung der Patienten über die einzelnen Versorgungsstufen hinweg vom "Netzarzt" eine qualitative Beurteilung der Diagnose- und Behandlungsangebote des Gesundheitssystems. Hier seien Arzneimittel-Positivlisten, Krankenhausführer und ein Katalog der nicht-ärztlichen Leistungsangebote zu entwickeln.

Ziel aller Bemühungen müsse ein patienten- und ergebnisorientiertes Dienstleistungsangebot sein. Es gelte, medizinisch indizierte Leistungen auf der angemessenen Versorgungsebene in wirtschaftlicher Form zu erbringen. In diesem Zusammenhang warnt die KBV allerdings vor der Illusion, mit neuen Versorgungsstrukturen ließen sich automatisch Sparpotentiale erschließen.

Zeitweilige Mehrausgaben im ambulanten Sektor ließen sich dabei nicht vermeiden. Der Aufbau ambulanter Alternativen zur stationären Versorgung stehe auf der Tagesordnung. Anschubfinanzierungen durch die Krankenkassen werden in diesem Zusammenhang als wünschenswertes "innovationsförderndes Element" bezeichnet. Modifizierte Strukturen in der medizinischen Versorgung benötigen nach Ansicht der KBV praxisnahe und standardisierte Dokumentations- und Controllingverfahren als Basis qualitätsorientierter Honorarstrukturen. Hier sollten die Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam aktiv werden.

Zentral zu entwickeln sei dagegen die notwendige Software für eine zeitnahe Aufbereitung der anfallenden Qualitätsdaten. Dieser Arbeitsschritt werde für ein netzinternes Benchmarking benötigt. Die vertragsärztliche Selbstverwaltung hofft jetzt, daß sich die Krankenkassen mit Hilfe des strategisch angelegten KBV-Konzeptes vom Wert einer Kooperation überzeugen lassen werden.

PZ-Artikel von Jürgen Becker, Bonn
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