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03.08.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  04.08. AOK zahlt Bonus an Brandenburger Ärzte
dpa. Brandenburgs Kassenärzte haben 1997 deutlich bei Rezepten für Arzneimittel gespart und werden dafür jetzt von der AOK belohnt. Da die rund 3.100 Ärzte bei der Verschreibung von Medikamenten im Vergleich zu 1995 rund 30 Millionen Mark eingespart hätten, seien über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zwölf Millionen Mark ausgeschüttet worden, sagte AOK-Sprecher Jörg Trinogga am Dienstag in Potsdam. Grundlage ist ein spezieller Bonusvertrag, den die Allgemeinen Ortskrankenkassen Brandenburg 1996 mit der KV hatten. "Allerdings führt dieses System nicht automatisch zu einer Veränderung des Verschreibungsverhaltens", betonte Trinogga. So sei in diesem Jahr der Trend wieder steigend. Kritik seitens der Pharmaindustrie durch das Bonussystem sei die Versorgung gefährdet, wies Trinogga entschieden zurück.

03.08. Kassen übernehmen Viagra wohl nicht
dpa. Impotente Männer müssen die neue Potenzpille Viagra voraussichtlich aus eigener Tasche zahlen. Das Erektionsmittel soll es in Deutschland nicht auf Kosten der Krankenkassen geben. Mit Blick auf das Wirtschaftlichkeitsgebot lehnte der Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen am Montag in Köln ohne Gegenstimmen eine Aufnahme von Viagra in den Kassenkatalog ab. Der Vorsitzende des Ausschusses, Karl Jung, sprach von der bisher "bedeutsamsten Entscheidung" des Gremiums. Das letzte Wort liegt aber bei Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU). Auch die Privatkassen Viagra wahrscheinlich "im Grundsatz' nicht bezahlen, sie denken aber noch über medizinisch eng begrenzte Ausnahmefälle nach. Der Bundesausschuß schätzt die Zahl der Männer, die an krankheitsbedingter Impotenz leiden, auf 7,5 Millionen. Die Entscheidung zu Viagra begründete Jung ausdrücklich weder mit dem Preis noch Gesamtkosten. Ausschlaggebend sei, daß sich Mittel gegen die krankheitsbedingte Impotenz dem Wirtschaftlichkeitsgebot der gesetzlichen Krankenversicherung entzögen. Der Ausschuß sehe sich nicht der Lage, zu entscheiden, wie häufig impotenten Männern Sex auf Kassenkosten zustehe. Der Bundesverband forschender Arzneimittelhersteller forderte Seehofer auf, den Beschluß des Ausschusses zu korrigieren.

03.08. Die Abnehmpille kommt auf den Markt
vwd. Das Medikament zur Gewichtsreduktion Xenical ist in der EU zugelassen worden. Wie der Schweizer Pharmakonzern Roche am Freitag in Basel weiter mitteilte, wird das neue Mittel gegen Fettleibigkeit in den kommenden Monaten in allen EU-Staaten auf den Markt gebracht. Um die Zulassung von Xenical, auf das der Basler Konzern große Gewinnerwartungen setzt, hatte es in den USA ein zähes Ringen gegeben. Roche rechnet aber auch dort mit einer definitiven Zulassung Anfang 1999. In mehreren Ländern Lateinamerikas und des Fernen Ostens ist Xenical schon auf dem Markt.

01.08. Neuer Wirkstoff gegen Thromben
PZ. Seit 15. Juli steht neben Acetylsalicylsäure (ASS) und Ticlopidin ein weiterer Thrombozyten-Funktionshemmer zur Verfügung. Clopidogrel (Iscover®, Plavix®) wurde von der europäischen Arzneimittelagentur zugelassen zur Sekundärprophylaxe bei Patienten mit symptomatischer Artherosklerose, das heißt nach ischämischen Anfall, Herzinfarkt oder bei nachgewiesener peripherer arterieller Verschlußkrankheit (pAVK). Die Wirksamkeit wurde vor zwei Jahren in der CAPRIE-Studie nachgewiesen, die 19.185 Patienten einschloß. Clopidogrel (75mg täglich) reduzierte das relative Risiko um 8,7 Prozent über die für ASS (325mg täglich) anerkannten 25 Prozent hinaus, resümierte Professor Dr. Curt Diehm, Heidelberg. Clopidrogel, beziehungsweise sein aktiver Metabolit, hemmt über eine Blockade von ADP-Rezeptoren auf der Thrombozytenmembran deren Aggregation, die zur Thrombusbildung führt.

31.07. Kommune verkauft Krankenhaus an Privatfirma
dpa. In Rheinland-Pflaz werden erstmals kommunale Krankenhäuser an eine Privatfirma verkauft. Angesichts großer Geldsorgen beschloß der Kreistag des Landreises Germersheim gestern mit großer Mehrheit, seine beiden Krankenhäuser in Kandel und Germersheim mit insgesamt 320 Betten zum 1. August an die private Krankenhausgesellschaft Asklepios abzugeben. Asklepios zahle für die Anfang der 60er Jahre errichteten Häuser keinen Preis, teilte der Kreis mit. Der bundesweit größte Krankenhausbetreiber übernehme jedoch die Schulden in Höhe von 20 Millionen DM, den Sanierungsbedarf von voraussichtlich vier Millionen Mark und die Kosten für die auf bis zu 100 Millionen Mark geschätzte Modernisierung. Zudem bestehe eine Übernahmegarantie für die rund 700 Mitarbeiter.

31.07. BPI sieht sich Preisdruck ausgesetzt
PZ. Nach Angaben des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) reduzierten sich die Preise erstattungsfähiger Medikamente zwischen Juni 1997 und Juni diesen Jahres um 0,5 Prozent. Verantwortlich dafür, so BPI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Weng, sei sowohl die Festbetragspolitik der Krankenkassen als auch ein massiver Wettbewerb innerhalb der Branche. Gleichzeitig seien rund 4,5 Prozent weniger Arzneimittelpackungen verkauft worden. Dessen ungeachtet hat die pharmazeutische Industrie auch positive Daten zu verzeichnen: Durch neue Medikamente auf dem Markt konnte sich der Apothekenumsatz im ersten Halbjahr 1998 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 1,2 Prozent auf insgesamt 13,286 Milliarden DM steigern. Gleichzeitig boomt das Ausalndsgeschäft: Es erhöhte sich im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber den ersten drei Monaten 1997 um 34,2 Prozent auf 6,335 Milliarden DM.

31.07. Hilfe für Farbenblinde naht
dpa. Forschern der Augenklinik der Universität Tübingen ist es erstmals gelungen, das Gen zu identifizieren, das die vollständige Farbenblindheit (Achromatopsie) verursacht. Wie der Molekulargenetiker Bernd Wissinger und der Sinnesphysiologe Professor Dr. Lidnsay T. Sharpe erklärten, verfügt die klinische Praxis damit über ein "sicheres frühdiagnostisches Nachweisverfahren". Der Test erlaube "eine verläßliche genetische Beratung und Risikoermittlung in den betroffenen Familien". Langfristig könnten Therapien entwickelt werden. Die völlige Farbenblindheit ist von der Rot-Grün-Blindheit zu unterscheiden. Diese schränkt die Sehfähigkeit nicht wesentlich ein, und die meisten Menschen kommen trotz fehlender Therapie mit ihr zurecht. Bei der vollständigen Farbblindheit beträgt die Sehfähigkeit hingegen nur noch zehn Prozent. Außerdem leiden die Betroffenen unter einer ausgeprägten Blendempfindlichkeit. Die Krankheit kommt schätzungsweise etwa einmal unter 50000 Menschen vor.

30.07. BPI hält nichts von Arznei-Richtlinien
PZ. Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) hält die zur Zeit diskutierten Arzneimittel-Richtlinien nicht für rechtskonform. Auf einer Pressekonferenz des Verbandes am 30. Juli in Frankfurt kritisierte der Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Weng, daß der Bundesausschuß Ärzte und Krankenkassen für sich in Anspruch nehme, verbindliche Richtlinien für die Erstattungsfähigkeit aufzustellen. Dies sei Aufgabe des Gesetzgebers. Bis zum Gesundheitsstrukturgesetz waren die Arzneimittel-Richtlinien lediglich Empfehlungen. Die Richtlinien legen fest, welche Arzneimittel nicht zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden dürfen. Beim Bundesverfassungsgericht seien seit 1994 zwei Verfahren anhängig, in denen die Kompetenz des Ausschusses geklärt werden soll. Bis zu einer Entscheidung des Gerichtes sollte auf eine Neufassung der Richtlinien verzichtet werden, forderte Weng. Ansonsten sei der entstehende Schaden nicht mehr gut zu machen.

29.07. Fun-Linsen: Den Durchblick behalten
PZ. Seitdem der Sprinter Linford Christie bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 mit "Puma-Augen" auftrat, ist das Interesse an Kontaktlinsen mit Motivaufdrucken beim Verbraucher explosionsartig gewachsen. Kontaktlinsen werden heute mit unzähligen Motivaufdrucken angeboten. Diese Angebote richten sich primär an Menschen, die weder Brille noch Kontaktlinsen benötigen. Kontaktlinsen mit aufgedruckten Motiven, sogenannte Fun- oder Party-Linsen, unterscheiden sich erheblich von normalen oder farbigen Kontaktlinsen - sowohl in ihren Auswirkungen auf die Sehleistung als auch in ihrem Einfluß auf die Physiologie der Hornhaut. So muß sichergestellt werden, daß der Sauerstoffbedarf der Hornhaut unter der Kontaktlinse gewährleistet ist. Durch die Farbschicht, mit der Party-Linsen bedruckt sind, wird die Sauerstoffdurchlässigkeit des Materials vermindert. Sogar bei relativ kurzen Tragezeiten können sie Hornhautschäden verursachen. Bei nächtlichen Auto- und Motorradfahrten sind sie sogar lebensgefährlich, denn dann schieben sich die sichtbehindernden Bilder vor die Pupille, da diese sich bei Dunkelheit erweitert, um den Lichteinfall zu erhöhen.

29.07. Orphan Drugs sollen bezuschußt werden
dpa. Entwicklung und Vertrieb von Arzneimitteln für seltene Krankheiten sollen nach dem Willen der EU-Kommission begünstigt werden. Die Hersteller solcher Mittel, auch Orphan Drugs genannt, können nach dem Vorschlag der Kommission ein zehnjähriges Alleinvertriebsrecht in der gesamten EU erhalten. Außerdem sollen die Gebühren für das Anerkennungsverfahren ganz oder teilweise erlassen werden. Die Mitgliedsstaaten könnten zusätzliche Anreize beschließen, hieß es. Als selten gelten Krankheiten, wenn höchsten fünf von 10 000 Menschen daran leiden. Weltweit gibt es den Angaben zufolge etwa 5 000 solcher Krankheiten. Da die Entwicklung entsprechender Mittel teuer und die zu behandelnde Patientenzahl gering ist, können die Arneimittelunternehmen nur schwer ihre Kosten für Forschung, Entwicklung, Zulassung und Vermarktung decken.

29.07. Depression: Serotonin contra Noradrenalin
PZ. In den letzten zehn Jahren dominierte das Interesse an Serotonin bei der Entstehung von Depressionen. Untersuchungen zu Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (NARI), einer Klasse von Antidepressiva mit selektiver Wirkung auf das noradrenerge System, könnten diese Sicht ändern. NARI, zu denen beispielsweise der Arzneistoff Reboxetin gehört, weisen keine Bindung an muskarinischen, histaminergen, dopaminergen oder adrenergen Rezeptoren auf. Dadurch wird es möglich, erstmals die Noradrenalin-Konzentration im Gehirn zu erhöhen, ohne die möglichen Nebenwirkungen trizyklischer Antidepressiva in Kauf nehmen zu müssen, schreibt das Reboxetin-Herstellerunternehmen Pharmacia & Upjohn in einer Presseinformation. Bis die Substanz zugelassen wird, werden aber noch einige Jahre ins Land gehen.Top

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