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Patienten geben Ärzte gute Noten

27.07.1998
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Patienten geben Ärzte gute Noten

Der Vorwurf, daß Kassenärzte medizinisch unnötige Leistungen erbringen oder veranlassen, ist nach Einschätzung der Patienten gegenstandslos. 97 Prozent der Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben nichts derartiges beobachtet. Diese Einschätzung wird von allen Bevölkerungsgruppen und auch weitgehend unabhängig vom Schweregrad der Beschwerden und Krankheiten geteilt, wie eine repräsentative Umfrage der I+G Gesundheitsforschung (München) im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg ergeben hat.

Das Institut befragte im Mai bundesweit 2000 GKV-Versicherte, die in den vergangenen drei Monaten einen Arzt aufgesucht hatten. Am häufigsten wurden Allgemeinärzte (63 Prozent) und Internisten (14 Prozent) besucht. Nur jeweils ein Prozent der Patienten hatte den Eindruck, daß ihr Arzt "sicher" oder "vielleicht" "überflüssige oder nicht notwendige Leistungen" erbracht oder veranlaßt hat. Ebenfalls ein Prozent der Patienten konnte die Frage nicht beantworten.

Damit bestätigten insgesamt nur 49 der 2000 Befragten den Verdacht der unnötigen Leistungsausweitung. Jeweils elf dieser Patienten gaben zu Protokoll, die Verordnung von Medikamenten oder gerätegestützte Untersuchungen seien nicht erforderlich gewesen. Jeweils sechsmal wurden Röntgenuntersuchungen und physiotherapeutische Verordnungen als überflüssig eingestuft

Zur Begründung ihrer Einschätzung sagten zehn Patienten, sie hätten zu viele oder doppelte Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen. Sieben meinten, die Medikamente hätten "nicht geholfen" beziehungsweise sie hätten "zu viele" oder "falsche" Präparate bekommen. Andere plädierten für pflanzliche Medikamente.

Vier Fünftel der GKV-Versicherten (79 Prozent) gaben in der Befragung an, ihr Arzt habe in den letzten drei Monaten sein Leistungsverhalten in keiner Weise verändert. Ein Prozent konnten dies nicht beurteilen. Vier Prozent der Patienten berichteten, der Arzt habe seine Leistungen ausgeweitet. Sechs Prozent registrierten verringerte Leistungen, wobei weniger Arzneiverordnungen (48 Nennungen) und weniger Physiotherapie (20 Nennungen) dominierten.

Ein gewisser Druck kleinerer Patientengruppen auf die Ärzte in Richtung einer Leistungsausweitung scheine zu bestehen, meint die I+G Gesundheitsforschung. Nach den Umfrageergebnissen handele es sich dabei primär um jüngere, besser gebildete, einkommensstärkere und geringfügig erkrankte Patienten.

Andererseits haben nur neun Prozent aller Versicherten schon einmal daran gedacht, den Arzt wegen vorenthaltener Leistungen zu wechseln, und nur zwei Prozent haben diese Gedanken in den letzten zwölf Monaten in die Tat umgesetzt. Insgesamt sorge also die aus Sicht der Patienten insgesamt konstante Leistungserbringung für eine sehr hohe Zufriedenheit der GKV-Versicherten mit der ambulanten ärztlichen Versorgung, lautet das Fazit der I+G Gesundheitsforschung.

PZ-Artikel von Karl H. Brückner, Bonn
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