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Jetzt setzt auch Asta Mediea auf Biotechnik

28.07.1997
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Jetzt setzt auch Asta Mediea auf Biotechnik

"Die Onkologie ist der angestammte Bereich der Asta Medica. Tumorforschung ohne Gentechnik ist in Zukunft nicht mehr möglich", erklärte Professor Dr. Axel Kleemann, Vorstandsmitglied der Asta Medica AG, die jüngsten Aktivitäten seiner Firma in Sachen Gentechnologie auf einer Pressekonferenz. Um auch weiterhin den Fuß in der Tür zu haben, habe man zusammen mit der FrankGen Biotechnologie AG die MainGen Biotechnologie GmbH gegründet. Immerhin besagen Zukunftsprognosen, daß 20 Prozent aller bisherigen Therapien im Jahr 2005 einen gentherapeutischen Ansatz haben werden.

MainGen Biotechnologie wird Produkte zur somatischen Zell- und Gentherapie und der gentechnischen Diagnostik entwickeln und vertreiben. Das neu gegründete Unternehmen ist ein Joint-Venture, an dem die beiden Gründerfirmen zu je 50 Prozent beteiligt sind. Asta Medica übernimmt für zunächst fünf Jahre alle anfallenden Kosten. Die Stammeinlage von MainGen beträgt 100 000 DM. Die neue Firma wird ihren Sitz in den Betriebsräumen der Asta Medica in Frankfurt haben und kann somit von der Infrastruktur eines Pharmakonzerns profitieren.

FrankGen stellt Know-how

Die erst im Oktober 1996 von Wissenschaftlern und Medizinern gegründete FrankGen stellt ihr wissenschaftliches Know-how und ihre Verwertungsrechte auf dem Gebiet der somatischen Zell- und Gentherapie und der biomedizinischen Grundlagenforschung zur Verfügung. MainGen bietet die Möglichkeit, daß engagierte Wissenschaftler von Hochschulen ihre Forschungsergebnisse schnell zur Anwendungsreife bringen können. Bisher sind diese oft aus finanziellen Gründen in den Kinderschuhen steckengeblieben: Für die Universität sind Patentanmeldungen unbezahlbar.

"Schutzwürdige Erfindungen werden an der Universität oft nicht zum Patent angemeldet. Da wären schnell 10 000 bis 20 000 DM beisammen; aber an der Uni gibt es dafür keinen Topf", bestätigte Professor Dr. Dieter Hoelzer, Direktor der III. Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Frankfurt, Mitbegründer der FrankGen und Mitarbeiter der MainGen. Außerdem ermögliche die Firmenneugründung, Projekte längerfristig zu verfolgen. Bisher seien Arbeiten oft auf die Beschäftigungsdauer eines Doktoranden limitiert. „Die Zusammenführung von Industrie und Hochschule ist für uns der sinnvollste Weg des Technologietransfers", sagte Kleemann.

Beteiligung an US-Biotechfirma

Obwohl Asta Medica selbst bisher kein biotechnisch hergestelltes Arzneimittel auf dem Markt hat, zeigte das Unternehmen in letzter Zeit Engagement auf diesem Gebiet. Mit der Beteiligung an der US-Biotechfirma Sugen, Kalifornien, und der Übernahme von Europeptides, Paris, bestehen für die Firma weitere Möglichkeiten zur Entwicklung neuartiger Krebstherapeutika und Peptidarzneistoffe mit molekularbiologischen Methoden.

Wichtigstes Projekt der Konzernforschung ist derzeit der LHRH-Antagonist Cetrorelix. Das modifizierte Decapeptid soll bei Tumoren, deren Wachstum von Sexualhormonen stimuliert wird - etwa Uterus-Myom oder Prostatakrebs - die Ausschüttung dieser Hormone verhindern und damit chirurgische Eingriffe überflüssig machen. Für diese Indikationen ist Cetrorelix in Phase II der klinischen Prüfung. Die Zusammenarbeit erfolgt auch hier mit der Hochschule, und zwar mit dem Nobelpreisträger Andrew Schally aus den USA.

Zu den Hauptarbeitsgebieten der MainGen Biotechnologie gehören die Gewinnung von Blutstammzellen, die Tumorpatienten nach Hochdosistherapie transplantiert werden, und die Entwicklung von Verfahren zur Vermehrung der Blutstammzellen in Kultur. Man erhofft sich neue Impulse von einer Kooperation mit chinesischen Wissenschaftlern. Chinesische Familien haben meist nur ein Kind. Knochenmarktransplantationen durch Geschwister, wie es bei uns der Fall ist, sind also nicht möglich. Deshalb haben chinesische Wissenschaftler Nabelschnurbanken angelegt, um aus dem Nabelschnur-Restblut Stammzellen zu gewinnen und zu vermehren.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt von MainGen ist die Entwicklung verbesserter retroviraler Genvektoren für die Behandlung von soliden Tumoren und von monogenen Erbkrankheiten wie der chronischen Granulomatose. Mit speziellen Vehikeln, sogenannten Gentaxis, wird fremde intakte Erbsubstanz in die Zielzelle eingeschleust. Nachdem die neue genetische Information am Chromosom verankert wurde, zerstören sich die Gentaxis selbst. Schwierigkeit bisher: Das Ersatzgen ist in den Körperzellen nicht lange genug aktiv. Erst dann wäre die Krankheit dauerhaft geheilt.

PZ-Artikel von Elke Wolf, Frankfurt
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