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COMT-Hemmer soll Parkinson-Therapie bessern

28.07.1997
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Govi-Verlag

COMT-Hemmer soll
Parkinson-Therapie bessern

Mit der Entwicklung des kurz vor der Zulassung stehenden COMT(Catechol-0-Methyltransferase)-Hemmers Tolcapon hält ein pharmakologisch neues Wirkprinzip Einzug in die Therapie von Parkinson-Patienten, so hofft man. Tolcapon katalysiert sowohl den Abbau von Levodopa zu 3-0-Methyldopa als auch den von Dopamin.

Großen klinischen Studien zufolge ist die Substanz in der Lage, die Off-Zeiten (Phasen eingeschränkter Bewegung) der Patienten signifikant zu reduzieren und ihren Bedarf an dem Standard-Parkinsontherapeutikum L-Dopa zu senken.

Bei Patienten ohne Fluktuationen (Zeiten eingeschränkter Beweglichkeit im Wechsel mit Zeiten ohne Einschränkung), insbesondere zu Beginn der Erkrankung, lasse sich der Beginn der Komplikationen hinauszögern, heißt es von seiten des Herstellerunternehmens Hoffmann-La Roche. In den Studien profitierten auch Patienten, bei denen die konventionellen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft waren, von der Behandlung mit Tolcapon. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei dreimal 100mg oder dreimal 200mg und kann sofort ohne langsame Auftitration verabreicht werden; vorgesehener Handelsname ist Tasmar®.

Den Untersuchungsergebnissen zufolge hemmt Tolcapon im menschlichen Körper die COMT. Der Wirkeintritt erfolgt ohne Verzögerung, der therapeutische Effekt bleibt auch bei Langzeitanwendung gleichmäßig erhalten. Die relative Verfügbarkeit von L-Dopa wird bei gleichzeitiger Gabe von Tolcapon ohne Beeinflussung der Maximalkonzentration erhöht, was eine gleichmäßige L-Dopa-Zufuhr in das Gehirn bewirkt. Der positive Effekt des COMT-Hemmers sei dabei unabhängig von der Dosis und der galenischen Formulierung der L-Dopa-Präparation, teilt der Hersteller mit.

In einer doppelblinden, placebokontrollierten US-amerikanischen Multicenterstudie erhielten 298 Parkinson-Patienten zusätzlich zur L-Dopa-Therapie entweder Placebo oder dreimal täglich 100mg beziehungsweise dreimal täglich 200mg Tolcapon. Nach sechs Monaten zeigten sich in beiden Verumgruppen signifikante Verringerungen des ADL-Scores (Maß für die subjektive Befindlichkeit der Patienten), obwohl die Dopa-Dosis um 6 Prozent (in der 100-mg-Gruppe) beziehungsweise um 9 Prozent ( in der 200-mg-Gruppe) reduziert wurde. Gleichzeitig verbesserten sich die motorischen Skalenwerte der Tolcaponpatienten. Der therapeutische Effekt bleibt über einen 12monatigen Beobachtungszeitraum bestehen. In der Placebogruppe mußte dagegen die L-Dopa-Dosis um 13 Prozent pro Tag erhöht werden, um eine Verschlechterung der ADL-Werte zu verhindern.

Hintergrund: Die medikamentöse Therapie des Morbus Parkinson hat zum Ziel, das Überwiegen cholinerger und glutaminerger Erregungsübertragungsmechanismen in den Basalganglien auszugleichen. Von den zur Verfügung stehenden Medikamentengruppen - L-Dopa, Anticholinergika, NMDA-Antagonisten, Dopamin-Agonisten und Monoaminooxidase-B-Hemmer - kommt dem L-Dopa eine entscheidende Bedeutung zu. Ein Grund hierfür ist seine gute Wirkung auf das Achsensymptom der Erkrankung, die Akinese. Bei den meisten Patienten läßt sich die Symptomatik um über 50 Prozent bessern und damit die Lebensqualität, berufliche und soziale Aktivitäten entscheidend beeinflussen. Die Mortalitätsrate sank durch die Einführung von L-Dopa um rund die Hälfte.

Wichtige, aber bisher nur unzureichend gelöste Probleme beim Morbus Parkinson sind Fluktuationen der Beweglichkeit (End-of-dose-Akinesen) und Dyskinesien. Im Vordergrund steht dabei der Dopaminmangel, dem man durch frühzeitige Kombination niedriger L-Dopa-Dosen mit Dopamin-Agonisten zu begegnen versucht. Durch parallele Gabe von COMT-Hemmern wie Tolcapon läßt sich die Pharmakokinetik des L-Dopa verbessern. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, daß Wirkungsfluktuationen unter der Kombination von Tolcapon und L-Dopa später auftreten als L-Dopa-Monotherapie.

Artikel von der PZ-Redaktion
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